zur Navigation springen

Inselmagazin

07. Dezember 2016 | 11:40 Uhr

Liebeserklärung : Die wunderschöne Bauerninsel

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Journalist Wilm Herlyn macht regelmäßig Urlaub auf Föhr. Im Beitag für das „inselmagazin“ vergleicht er die Insel mit Sylt.

Der Journalist Wilm Herlyn war von 1991 bis 2009 Chefredakteur der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Auf Sylt hatte er bereits Urlaub gemacht, Föhr lernte er im Jahr 2009 bei einer Dienstreise kennen. Zur Eröffnung des Museums Kunst der Westküste kam er nach Alkersum – und seither immer wieder. Den nächsten Urlaub in Nieblum haben Wilm Herlyn und seine Frau bereits gebucht, im letzten ist sein Beitrag für das „inselmagazin“ entstanden – eine Liebeserklärung an die Insel Föhr.

Wer Charakter und Seele der Sylter und der Föhrer ergründen möchte, sollte sich nicht auf Erzählungen der Insulaner verlassen. Denn wortkarg sind sie. Wer mehr als „Moin“ bei der Begrüßung sagt, gilt als Schwätzer. Beredter sind die steinernen Zeugen. Auf dem wunderschönen Föhrer Friedhof von Süderende erzählen die Inschriften auf den Grabsteinen vom Leben der Toten: „...nach 30jähriger Grönlandfahrt“ oder „32 Jahre Seeberuf und zuletzt Schiffs Captain“ oder „danach betriebsamer Landwirth“. Und über der verwitterten Schrift meist das Jahrhunderte alte Symbol der christlichen Seefahrt: Glaube, Liebe, Hoffnung – Kreuz, Herz, Anker. Da ruhen sie: die Roeloffs, Christiansen, Riewerts oder Ketelsen, fast alle zuerst Seeleute, dann ehrsame und erfolgreiche Bauern oder Handwerker auf der Insel. Ein solch hartes Leben prägt die Menschen.
Ganz anders nur wenige Seemeilen nordostwärts. Über Generationen hinweg galt auf Sylt: „Frei ist der Strandgang, frei ist die Nacht“. Übersetzt: An die Ufer gespültes Strandgut gekenterter Schiffe gehört dem, er es findet. Vorwiegend in der Nacht, wenn die Insulaner mit Feuern am Strand vorüberziehende Schiffe vom Kurs abbrachten. Und so erfreuten sich die Sylter an den angeschwemmten Kisten mit Früchten, Alkohol, Kaffee oder Tabak. Sie ließen sich auch nicht durch drastische Strafen – bis hin zum Tod am Galgen – von ihrem schändlichen Tun abhalten. Böse Zungen behaupten angesichts zum Teil horrender Preise, die von den Touristen verlangt würden, noch heute gäbe es Belege für moderne Strandräuberumtriebe.
Das Gemeinsame: Beide Inseln sind von der Natur reichlich verwöhnt. Und letztlich ist Urlaub eine Geschmacksfrage und individuelle Entscheidung. Und sehr emotional.
Das Trennende: Wer es lauter mag und bunter, wer in dem Spiel „Mein Haus, mein Pool, mein Porsche“ mitmischen will, wer Stars und Sternchen glitzern sehen möchte, wer für Essen und Trinken einen Hunderter mehr ausgeben mag und kann, wer vor allem nicht nur sehen möchte, sondern gesehen werden und sich auch nicht darum schert, dass die Inselbewohner selbst kaum mehr das Geld für Wohnen und das täglich Brot aufbringen können, der wird sich sicher wohlfühlen auf Sylt.
Wer aber auch im Urlaub das normale Maß vorzieht, wer nicht die Friesentorte in einer Edelkonditorei, sondern bei der Bäuerin in Utersum probieren möchte oder den Dorfmarkt in Oevenum charmanter findet als das erlesene Kampener Antiquitätengeschäft, der ist gut aufgehoben auf Föhr. Und erholt sich bestens. Das gilt auch für den Golfer, der auf dem gutangelegten Platz neben dem Flugplatz schlagen will, ohne Naserümpfen der heimischen Mitspieler über sein mageres Handicap von 21.5. Übrigens: das Fluggeräusch der ein- und zweimotorigen Maschinen ist deutlich angenehmer als der Lärm der Boeing von Lufthansa und Air Berlin, die tief über Keitum donnern.

Ganz einmalig ist das Museum Kunst der Westküste in Alkersum, ein Kleinod mit anerkannt internationalen Ansprüchen. Gestiftet hat dieses einzigartige Museum Dr. Frederik Paulsen jun., dessen Großeltern von Föhr stammen. Der Kappelner Architekt Gregor Sunder-Plassmann schuf mit dem Ensemble von sechs unterschiedlichen Gebäuden eine Art friesische Moderne. Mehr als 500 Werke sammelte Paulsen jr., vorwiegend maritime Motive unter anderem von Beckmann, Liebermann, Nolde oder Munch. Immer wieder sehenswert.
„Was? Ihr macht Urlaub auf der Bauerninsel?“ fragten verwundert und ein wenig hochnäsig Bekannte. Sie wissen nichts, aber auch gar nichts von der Schönheit dieser Nordseeinsel. Und zum ewigen Wettstreit zwischen Sylt und Föhr bemerkte der Comedian Bernd Stelter im vergangenen Sommer in Wyk: „Der Föhrer sagt immer, dass das Beste an Sylt der Blick auf Föhr ist.“. Ob er das auch so auf Sylt sagen würde?




zur Startseite

von
erstellt am 07.Okt.2016 | 22:04 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen