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Inselmagazin

08. Dezember 2016 | 13:00 Uhr

Im Wyker Hafen : Die kleine „Ronja“ hat jetzt eine große Schwester.

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Groninger Tjalk „Labor Sanitas“ ist 120 Jahre alt. Auf ihr kann man auch übernachten.

Die „Ronja“, der Hingucker im Wyker Hafen, hat eine Schwester bekommen, die nicht weniger attraktiv ist: Die „Labor Sanitas“, ein ganzes Stück größer und vor allem sehr viel älter als der Pfahlewer „Ronja“, der als historischer Nachbau seit 1999 unter Führung von John von Eitzen mit Gästen in See sticht. 120 Jahre hat die Groninger Tjalk – ein spezieller holländischer Schiffstyp – „Labor Sanitas“ auf dem Buckel und als Frachtschiff gedient, wobei sie nachweislich bis nach Paris gekommen ist.
Dass die „Labor Sanitas“ jetzt von den Niederlanden nach Föhr umsiedelte, ist irgendwie auch der „Ronja“ zu verdanken.

John von Eitzen, gelernter Schiffsbauer, hat dieses Plattbodenschiff gemeinsam mit Mitgliedern vom Förderverein „Ronja“ in Bergenhusen gebaut. Zunächst bot er von Husum aus Fahrten an, bei denen die Teilnehmer einen Eindruck bekommen konnten, wie vor 100 Jahren im Wattenmeer gesegelt wurde. Schließlich verlegte der Skipper den Einsatzort nach Wyk, wo er unabhängig von der Tide zu Törns aufbrechen konnte. Dabei ging es ihm und dem Förderverein nicht nur darum, traditionelle Seemannschaft zu vermitteln, sondern auch darum, den Menschen den Nationalpark Wattenmeer nahe zu bringen. Deshalb bieten John von Eitzen und Katja Wendt, die seit geraumer Zeit mit an Bord ist, zunehmend Themenschwerpunkte zusammen mit Organisationen wie dem Nationalpark-Haus an. „Es ist genau mein Ding, den Menschen die Natur und das Leben im Wattenmeer vorzustellen“, erklärt die aus Cuxhaven stammende Katja Wendt, die sich als Biologin auf den Segelschiffen am richtigen Platz fühlt.
Bei der Verfolgung ihres Zieles kamen Wendt und von Eitzen zur Erkenntnis, dass die knapp 15 Meter lange „Ronja“, die bei kurzen Tagestouren 15 Personen mitnehmen kann, zu klein ist, denn das Interesse der Insel-Urlauber an Segeltörns nimmt immer mehr zu. Selbst bei absolutem „Schietwetter“ kommen die Fahrgäste an Bord. „Ein weiteres Schiff muss her“, war die Konsequenz. Auf der Suche wurde Katja Wendt im vergangenen Herbst auf Facebook fündig. Die „Labor Sanitas“, im holländischen Harlingen beheimatet, sollte es sein. Das gut erhaltene Plattbodenschiff, dessen Seitenschwert den geringen Tiefgang von 1,20 Metern ausgleichen soll, ist als Groninger Tjalk eine Spezialität holländischer Schiffsbaukunst.
Für die Zwecke von John von Eitzen war außerdem von Vorteil, dass das Schiff bereits als Charterschiff ausgebaut war. Im früheren Laderaum, in dem 130 Tonnen Fracht transportiert werden konnten, sind insgesamt sieben Kajüten, sanitäre Anlagen und ein Küchenbereich installiert, die sämtliche Sicherheitsvorschriften schon erfüllten.

„Ronjas“ große Schwester hat eine Rumpflänge von 23 Metern und kann 35 Tagesgäste oder 20 Übernachtungsgäste beherbergen. Mit einer Segelfläche von 200 Quadratmetern bietet sie ein recht stattliches Bild und verlangt von Besatzung und Fahrgästen beim Segeln einen nicht geringen Kraftaufwand. Natürlich verfügt sie über einen einsatzfähigen Motor. Doch für die Crew, meist auch Mitglieder des Fördervereins, ist es Ehrensache: Wann immer >>>
>>> möglich, bewegt sich die „Labor Sanitas“ mit Windkraft voran.
„Ich hatte bei der Besichtigung ein Déjà-vu“, berichtet John von Eitzen. „Es war nämlich genau das Schiff, das ich vor 30 Jahren in einem holländischen Buch abgebildet gesehen habe“. Allerdings ist über seine Vergangenheit nur wenig bekannt. Doch von Eitzen hofft immer noch, einiges über die Entstehung der „Labor Sanitas“ herausfinden zu können.
Bevor das Schiff endlich im Wyker Hafen festmachen konnte, galt es eine Menge Hindernisse zu bewältigen, die alle Beteiligten viele Nerven kosteten. Dabei war die Station in der Büsumer Werft, wo das Schiff auf Herz und Nieren überprüft wurde, noch vergleichsweise unkompliziert. Die bürokratischen Hürden waren da viel schwieriger zu nehmen. Inzwischen ist die „Labor Sanitas“ als deutsches Traditionsschiff anerkannt und als Binnenschiff zugelassen. Die vorläufig letzte Begegnung mit der Bürokratie war laut John von Eitzen die Aufforderung des Hauptzollamtes, einen Beitrag zur Außenhandelsstatistik zu leisten. „Dazu gab es ein 192 Seiten umfassendes Merkblatt“.
Als Neuankömmling hat die „Labor Sanitas“ noch keinen festen Liegeplatz im Wyker Hafen wie die „Ronja“, aber ihr Kapitän ist guter Hoffnung, dass sich das auch noch regeln lässt.




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erstellt am 24.Jun.2016 | 15:21 Uhr

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