zur Navigation springen

Inselmagazin

08. Dezember 2016 | 11:00 Uhr

Auf Föhr und Amrum : Berufseinstieg mit Urlaubs-Feeling

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Bäderdienst auf den Inseln: Die Polizeistationen in Wyk und Nebel werden in den Sommermonaten von jungen Beamten unterstützt.

Die Polizeistationen in den Tourismusgebieten entlang der Küste werden in den Sommermonaten durch junge Nachwuchskräfte verstärkt. So auch auf Föhr, wo die Wyker Wache im Normalfall mit neun Beamten besetzt ist, und auf Amrum, wo sonst drei Ordnungshüter ihren Dienst versehen. Junge Polizisten sind es in der Regel, die gerade ihre Ausbildung in Eutin beendet haben und hier im Polizeialltag ihre ersten Erfahrungen sammeln können.

Bereits seit Februar gehören Leif Ake Meyer und Jan Holm zur Amrumer Wache; Bodo Borninghoff, Martin Mandelkau und Sören Fährmann verstärken das Wyker Team. Borninghoff ist eine Ausnahme, denn der 46-Jährige ist im Gegensatz zu seinen beiden 23-jährigen Kollegen ein alter Hase. Der seinen Lebensmittelpunkt vor einigen Jahren der Liebe wegen nach Föhr verlegt hat, seinen Dienst aber seit 15 Jahren in Schleswig absolviert. Grund genug für den Teilzeit-Föhrer, nach 2015 in diesem Jahr bereits den zweiten Bäderdienst auf der Insel zu leisten.

Der Lübecker Martin Mandelkau und Sören Fährmann aus Segeberg haben ihre Unterkunft klassisch über der Polizeiwache mit Blick auf den Hafen bezogen. Hier ist das dritte Stockwerk für die Bäderdienstler reserviert. Die hier wohnen können, aber nicht müssen, betont Udo Höfer, Leiter der Wyker Polizeistation. Die jungen Leute können sich auch selbst eine Wohnung suchen. Allerdings müssen sie dann auch für die Kosten aufkommen. Dass es Föhr wird, war keine Entscheidung der „Frischlinge“. Auch wenn Wünsche in Einzelfällen berücksichtigt werden, für eine bestimmte Stelle können sich die Saisonkräfte in der Regel nicht bewerben.

Dauerhaft auf der Insel zu leben, können sich beide derzeit nicht vorstellen. Dabei sei es hier sehr angenehm und auch das Umfeld stimme, beteuert Fährmann, „aber ich möchte erst in einem größeren Revier arbeiten und alle klassischen Polizeiarbeiten kennenlernen“. Und auch Mandelkau zieht es wieder weg, dem schlicht die Möglichkeit fehlt, „spontan Freunde auf dem Festland besuchen zu können“. Dennoch sei das Inselleben auf Zeit toll, betont der 23-Jährige. Dies gelte insbesondere für das Verhältnis zum Stammpersonal. „Unterschiede werden nicht gemacht, wir werden als vollwertige Kollegen behandelt.“ Eine positive Einschätzung, die nicht zuletzt durch ein Umdenken in der Wyker Station möglich wurde. In früheren Jahren seien die jungen Leute mit erfahrenen Beamten „mitgelaufen“, um sich das eine oder andere „abzugucken“, berichtet Udo Höfer. Von diesem Verfahren sei man abgekommen. „Schließlich sind sie voll ausgebildet und können jederzeit auch allein auf Streife gehen oder sich in den Dienstwagen setzen.“ Daneben gibt es jeweils eine Bezugsperson; in diesem Jahr sind dies Steffi Wenk und Susanne Barella.

Den Arbeitsalltag auf der eher kleinen Wache empfinden die drei Saisonkräfte als angenehm, die Gründe allerdings unterscheiden sich. So bringt es Martin Mandelkau, der erste Erfahrungen während eines Praktikums in Lübeck sammelte, für die Dienstanfänger auf den Punkt: Alles sei überschaubarer und man könne mehr ins Detail gehen. „Das hat zur Folge, dass wir aus den Einsätzen mehr lernen können.“ Ein Vorteil sei auch, dass die Vorgänge in der Regel bis zur Abgabe an die Staatsanwaltschaft in einer Hand blieben. >>>
>>> „Viele Ermittlungen, wenn sie nicht an Kripo oder Fachdienststellen abgegeben werden, bearbeiten wir hier bis zum Ende“, ergänzt Udo Höfer. Dies beträfe auch Fälle, mit denen Kollegen auf dem Festland selten bis gar nicht in Berührung kämen. „Flugunfälle etwa, wie kürzlich auf Föhr passiert, Todesfälle oder Brandsachen beschäftigen uns hier deutlich länger.“

Den eklatanten Gegensatz zum harten Polizei-Alltag auf dem Festland hat der erfahrene Bodo Borninghoff im Blick: „In Schleswig sind wir 70 Mann. Und die Einsatzfrequenz ist so hoch, dass kaum Zeit zum Luftholen bleibt.“ Auf der Insel sei die Belastung geringer, bliebe Zeit für die Bürger und deren Sorgen und Probleme. Und der 46-Jährige macht noch einen weiteren Unterschied fest: Die Akzeptanz der Beamten sei hier noch deutlich höher. Bespuckt oder beleidigt zu werden, gehöre auf dem Festland seit einigen Jahren zur Tagesordnung. Auf der Insel dagegen kenne man sich, würden die Menschen den Polizisten höflich gegenübertreten. Weshalb es Spaß mache, hier zu arbeiten.

„Die Häufigkeit der Einsätze auf Föhr ist mit der auf dem Festland nicht vergleichbar“, weiß auch Udo Höfer, der selbst 20 Jahre in Lübeck Dienst schob. Zumal es auf der Insel seit einigen Jahren merklich ruhiger geworden sei und kaum noch Ärger mit Jugendgruppen gebe. Klar sei der Alkohol nach wie vor ein Problem und auch Rauschgift immer wieder ein Thema. Dennoch zeige die Präventionsarbeit der vergangenen Jahre Wirkung. Gut für die Wyker Beamten und ihre Verstärkungen, die so mehr Energie in die Aufklärungsarbeit legen und mehr Präsenz zeigen können. Ein wichtiges Signal, betont Borninghoff, durch das das Sicherheitsgefühl der Einheimischen und Gäste gesteigert werde.

Für die Saisonkräfte endet der Bäderdienst auf den Inseln am 30. September. Bodo Borninghoff wird dann wieder Teilzeit-Insulaner, Martin Mandelkau und Sören Fährmann werden auf – wie sie hoffen heimatnahe – Dienststellen verteilt, in denen sie sich einige Jahre ihre Sporen verdienen können. Wo das sein wird, wissen die jungen Leute derzeit selbst noch nicht.

zur Startseite

von
erstellt am 02.Jul.2016 | 10:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen