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Inselmagazin

10. Dezember 2016 | 21:42 Uhr

DGzRS : Auslaufen, wenn sonst kein Schiff mehr fährt

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Bernd Zimmermann gehört seit 1991 zu den Seenotrettern der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Sein Einsatzgebiet sind die Gewässer um Amrum und F öhr.

Bernd Zimmermann gehört seit 1991 zu den Seenotrettern der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) und ist damit dienstältestes Mitglied der Crew auf der „Ernst Meier-Hedde“. Gelernt hat der 54-jährige Maschinist, der in Joldelund geboren wurde und 1970 mit seiner Familie nach Amrum kam, das Kfz-Mechaniker-Handwerk. Im Februar 1982 fing er beim Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) als Werkhelfer auf dem Schiff „Westerharde“ an. Das Motorenwärter-Patent hat Zimmermann in Koblenz gemacht, um dann als Matrose und Motorenwächter auf dem damaligen Tonnenleger „Johann Georg Repsold“ zu fahren. Er bildete sich an der Fachhochschule für Technik in Flensburg weiter und bekam 1989 das Maschinenpatent und einen erneuten Job im Maschinenraum des Tonnenlegers.

Die weitere Karriere beim WSA hätte für den Familienvater allerdings bedeutet, dass er die Beamtenlaufbahn hätte einschlagen und dafür die Insel verlassen müssen. „Das wollte ich damals definitiv nicht“, erinnert sich Zimmermann. So wechselte er zur DGzRS und heuerte 1991 auf dem damaligen Amrumer Rettungskreuzer „Eiswette“ an.
„Ich war um 9 Uhr an Bord und um 10.10 Uhr hatte ich bereits den ersten Einsatz. Am Kniepsand hatten wir mit dem Tochterboot ein Plattbodenboot per Schleppverbindung davor bewahrt, weiter auf die Sandbank gedrückt zu werden“, weiß der Seenotretter noch genau.

Viele technische und medizinische Lehrgänge hat er seitdem absolviert, denn nur optimal geschult kann man anderen helfen, ohne selbst in Gefahr zu geraten. „Ich habe diesen Job immer gerne gemacht“, versichert Bernd Zimmermann. Seinen schwersten Einsatz hatte er im Mai 1999, als nach einem tragischen Bootsunglück der Tod von vier jungen Menschen auf Amrum zu beklagen war. Die Jugendlichen hatten nachts eine Disco-Tour nach Föhr unternehmen wollen. Nach dem Auffinden des leeren Bootes hatte es eine große Suchaktion gegeben. „Die Ereignisse dieses Einsatzes, bei dem ich unter anderem eine Klassenkameradin meines Sohnes bergen musste, sitzen besonders tief in meiner Erinnerung“, sagt Zimmermann.
Rund 60 Einsätze hat der Amrumer Seenotrettungskreuzer im Jahr, und dabei gibt es nicht nur tragische Momente. Allein vier Kinder wurden in den letzten 25 Jahren – auf dem Weg zum Föhrer Kreißsaal – an Bord geboren. Und die Baubegleitung des neuen Seenotrettungskreuzers „Ernst Meier-Hedde“ in der Werft, hat dem 54-Jährigen viel Spaß gebracht. Ein Blick in den Maschinenraum zeigt, dass hier auf engstem Raum eine Fülle von moderner Technik verbaut wurde.
Bei aller Begeisterung für seinen Job denkt er bereits an den Ruhestand, der in der Seefahrt früher möglich ist. „Ich könnte mit 57 dauerhaft aussteigen und mich mehr um meine Enkelkinder und Hobbys kümmern. Schon ein verlockender Gedanke“, gesteht der Maschinist. Aber erstmal wird er weiter im 14-tägigen Rhythmus mit jeweils drei Kollegen rund um die Uhr in Bereitschaft sein und auf dem Rettungskreuzer leben, um bei einem Einsatz innerhalb weniger Minuten auslaufen zu können.

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