zur Navigation springen

Schleswig-Holstein

24. März 2017 | 03:11 Uhr

Krise wegen Krediten für Schiffe : HSH Nordbank – jetzt wird es richtig teuer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Krise der HSH Nordbank spitzt sich weiter zu. Die Landesbank will Garantien der Länder in Höhe von zehn Milliarden Euro schon in diesem Jahr ziehen.

Kiel | Paukenschlag im Finanzausschuss des Kieler Landtags: Die HSH Nordbank wird die von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein gewährten Garantien in Höhe von zehn Milliarden Euro bereits in diesem Jahr in voller Höhe ziehen müssen. HSH-Vorstandsmitglied Oliver Gatzke schloss zugleich die Übertragung weiterer fauler Schiffskredite mit einem Volumen von 1,2 Milliarden Euro an die von beiden Ländern getragene Anstalt zum „Portfoliomanagement“ (PoMa) nicht aus.

Viele Jahrzehnte lang waren die HSH Nordbank und ihre beiden Vorgängerbanken eine zuverlässige Geldquelle für die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein. Seit der Finanzkrise bereitet die Bank den Ländern nur noch Sorgen. Vor allem die Schifffahrtskrise hat das Institut in die Krise gestürzt.

Klar ist danach: Die erwarteten Verluste aus dem Engagement bei der Bank werden früher in den Haushalten beider Länder zu Buche schlagen als erwartet. Wie hoch diese Verluste am Ende sein werden, ist offen. Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hatte vor Wochenfrist eine Größenordnung von bis zu 16 Milliarden Euro genannt. Der Kieler FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki geht von mehr als 20 Milliarden Euro aus, die nach der Schlussabrechnung mit der Bank als Extra-Schulden in die Haushalte der beiden Eigentümerländer übernommen werden müssen.

Ursprünglich sollten die von Hamburg und Schleswig-Holstein im Jahre 2009 zur Stabilisierung der Bank gewährten Garantien nicht vor 2025 gezogen werden. Die Ziehungswahrscheinlichkeit war zum damaligen Zeitpunkt mit „unter 50 Prozent“ angenommen worden. Andernfalls hätte die Garantie aus haushaltsrechtlichen Gründen gar nicht gewährt werden dürfen.

Ohne diesen Rettungsschirm und die zeitgleich beschlossene Kapitalaufstockung um drei Milliarden Euro hätte der HSH Nordbank 2009 das Aus gedroht – mit womöglich noch fataleren Folgen für die Länderhaushalte; die nämlich hatten als einstige Gewährträger ihrer Landesbank(en) Ende 2008 noch für 65 Milliarden Euro zu haften.

Gatzke begründete seine Einschätzungen zur vorzeitigen Ziehung der Garantien mit den Bemühungen seines Instituts um den von der EU angeordneten Verkauf der HSH Nordbank bis 2018. Gespräche dazu gebe es mit potenziellen strategischen oder Finanzinvestoren in asiatischen Ländern sowie am Bankenplatz London. „Es wird eine Herausforderung, die Bank, wie sie heute ist, zu verkaufen“, sagte Gatzke.

Dramatisch bleibt für den einst weltgrößten Schiffsfinanzierer die Lage an den Schifffahrtsmärkten. Seit 2012 habe die HSH Nordbank auf diesem Geschäftsfeld Risikovorsorge im Umfang von insgesamt sechs Milliarden Euro treffen müssen, sagte Gatzke und fügte hinzu: „Schön ist etwas anderes“. Zudem sehe die Bank auch für das laufende Jahre keine Erholung in diesem Sektor.

Zur eigenen Entlastung hatte das Institut im Sommer vergangenen Jahres faule Schiffskredite mit einem Volumen von fünf Milliarden Euro an die Portfoliomanagement (PoMa), eine Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) beider Länder, ausgelagert. Die Übertragung weiterer solcher Kredite im Umfang von 1,2 Milliarden Euro hatte die EU-Kommission der Bank zugebilligt. Ziel der Operation ist es, die Chancen zum Verkauf der HSH Nordbank zu verbessern.

Man versuche derzeit, Schiffskredite im Umfang von insgesamt 1,6 Milliarden Euro am Markt zu platzieren, berichtete Gatzke. Gelinge dies nicht, werde man mit den Ländern über eine Übertragung von 1,2 Milliarden Euro an die PoMa reden müssen. Noch allerdings gebe es dazu „keine Diskussionen“.

Die Chancen für einen Verkauf der Kredite am Markt dürften allerdings gering sein. PoMa-Chef Karl-Hermann Witte berichtete dem Finanzausschuss von einer „nachhaltig verschlechterten Lage“ an den Schifffahrtsmärkten. Die Charterraten lägen „regelmäßig unter den Betriebskosten.“ Bei Bulkern, die zehn Prozent des von der PoMa übernommenen Portfolios ausmachten, gebe es „hohe Verschrottungsaktivitäten“.

Für das bereits übernommene Kreditportfolio hatten beide Länder nach einer Prüfung durch die EU zunächst 2,4 Milliarden Euro gezahlt. Die Ausfallwahrscheinlichkeit eines großen Teils liege bei bis zu hundert Prozent. Weil die Märkte vorerst weiter absaufen, hat die PoMa bereits eine Risikovorsorge von 341 Millionen Euro auf das Kreditportfolio getroffen. Dies habe das Ergebnis der Anstalt, die vor Risikovorsorge um fünf Millionen Euro im Plus gelegen habe, „klar verhagelt“, sagte Witte.

zur Startseite

von
erstellt am 19.Jan.2017 | 19:33 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen