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Flensburg und Lübecker Bucht : Hochwasser an der Ostsee: Wie Sturmfluten entstehen

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Aus der Onlineredaktion

Obwohl an der Ostseeküste der Tidenhub kaum spürbar ist, kann es auch hier zu Überflutungen kommen. Ursächlich: Der Wind.

Flensburg | Sturmflutszenarien werden in Schleswig-Holstein vorwiegend mit der Nordseeküste verbunden, doch auch an der Ostsee gibt es einige überflutungsgefährdete Bereiche. Erst in der Nacht zu Montag haben starke Windböen zu Hochwasser an vielen Orten der Ostseeküste geführt.

Anders als an der Nordsee, wo die Abhängigkeit von der Mondanziehung größer ist, und somit die Tide für eine weitere Erhöhung des Wasserstandes sorgt, gilt an der Ostsee eine niedrigere Höhe als Maßstab für ein Sturmhochwasser. So spricht man an der Nordsee ab 1,5 Meter über dem mittleren Hochwasser von einer Sturmflut, an der Ostsee ist das schon ab einem Meter der Fall. Bei Wasserständen ab 1,50 Metern spricht man von einer schweren und bei mehr als zwei Metern von einer sehr schweren Sturmflut.

Nach Angaben des Landeswasserschutzpolizeiamtes in Mecklenburg-Vorpommern mussten am Montagmorgen mehrere Straßen rund um den Hafen in Wismar gesperrt werden. Der Wasserstand lag etwa 1,25 Meter über Normal Null (NN), in der Lübecker Bucht war er um 1,30 Meter erhöht. Auch in Flensburg stieg der Pegel auf mehr als einen Meter über dem Normalstand.

Überschwemmung in Lübeck.

Überschwemmung in Lübeck.

Foto: Karl Erhard Vögele

Unvergessen bleibt die schwerste, gut dokumentierte Hochwasserkatastrophe in der westlichen Ostsee. Am 13. November 1872 hatte eine Sturmflut mit einem Wasserstand von 3,15 Metern über NN in Eckernförde gewütet. Über 70 Häuser wurden zerstört, 271 Menschen fanden an der gesamten Ostseeküste den Tod.

Dabei sind die Ursachen für die ansteigende Wasserhöhe schnell benannt. Während der Wasserstand in der Nordsee hauptsächlich von den Gezeiten beeinflusst wird, haben diese in der Ostsee bis auf wenige Ausnahmen keinen Einfluss. Streng genommen trifft daher der für die Nordsee verwendete Begriff „Sturmflut“ nicht zu, auch wenn das Ostseehochwasser oft so bezeichnet wird.

Dort tritt ein Hochwasserereignis immer im Zusammenhang mit einem Sturm auf, der damit hauptursächlich für die Überflutungen ist. Die Windeinwirkung spielt in diesem Zusammenhang die größte Rolle. „Dabei drücken auflandige Winde aus nordöstlicher Richtung die Wassermassen der Ostsee an die Küsten“, erläutert der Leiter des Eis- und Wasserdienstes Ostsee am Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), Dr. Jürgen Holfort.

„Badewanneneffekt“ lässt das Wasser zurück schwappen

Noch stärker steigt der Pegel, wenn zusätzlich der sogenannte Badewanneneffekt eintritt. Dabei wird das Ostseewasser durch tagelange Weststürme nach Osten gedrückt und staut sich in den östlichen Buchten der Ostsee, vor allem in Richtung Baltikum und im Finnischen Meerbusen. Gleichzeitig fließt Nordseewasser in die westliche Ostsee nach. Bei Nachlassen des Weststurms ergibt sich dann allein durch das Zurückschwappen des Ostseewassers nach Westen ein erhöhter Wasserstand. Drehen die Stürme danach auf Nordost, wird das aufgestaute Wasser aus dem Osten in Richtung Rügen und Schleswig-Holstein gedrückt, was den Rückschwappeffekt verstärkt.

„Doch dieser Schwingungseffekt wird oft überschätzt“, sagt Holfort. Die direkte Windeinwirkung habe meist den größeren Anteil an einer Ostsee-Sturmflut.

In den kommenden Tagen wird sich das Hochwasser an der Ostseeküste nach und nach wieder zurückziehen, eine langfristige Prognose wagt der Ozeanograph aber nicht. In Flensburg ist der Wasserstand inzwischen wieder unter die kritische Grenze gesunken, auch in der Lübecker Bucht bewegt sich der Pegel bei 0,9 über Normal Null.

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erstellt am 28.Nov.2016 | 13:11 Uhr

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