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Schleswig-Holstein

03. Dezember 2016 | 07:48 Uhr

Aufklärungsdrohnen bei der Bundeswehr : „Heron“ – das ferngesteuerte Auge Jageler Soldaten in Mali

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Jageler Soldaten sammeln mit Drohnen Erkenntnisse über Terroristen - tausende Kilometer vom Einsatzort entfernt.

Jagel | Auch wenn sie tausende Kilometer von Jagel entfernt sind, sind die Männer auf den Bildschirmen gut zu erkennen. Sie schaufeln Erde auf einen weißen Pick-up. Eigentlich eine harmlose Aktion. Aber ist es wirklich so harmlos, was dort gerade im Großraum der Stadt Baku in Mali passiert? Das Land ist in einer unstabilen Lage. Islamistische Terroristen versuchen, die Macht an sich zu reißen. Die Vereinten Nationen stemmen sich dagegen.

Aufnahme aus 3650 Metern Höhe:  Ausschnitt aus einer Überwachungsmission in Mali.
Aufnahme aus 3650 Metern Höhe: Ausschnitt aus einer Überwachungsmission in Mali. Foto: Bundeswehr
 

Hauptmann Bernd A. winkt ab. Ungefährlich. Was nicht für alle Bilder gilt, die der Chef der Luftbildstaffel des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 in Jagel und sein Team analysieren. Seit knapp einem Monat sind die Jageler Soldaten auch mit drei Aufklärungsdrohnen vom Typ „Heron“ in Mali im Einsatz. Sie sind das ferngesteuerte Auge der Soldaten. Sie sollen Erkenntnisse über die Terroristen bringen und die etwa 500 deutschen Soldaten, die zu einem großen Anteil als Aufklärer eingesetzt werden, wichtige Informationen bringen. Die Mission in Mali gilt weltweit als die gefährlichste Mission der Vereinten Nationen überhaupt.

Das Besondere dabei: Pilot und Sensorbediener, die immer im Tandem arbeiten, sind vor Ort im Westen Afrikas, die Bildauswertung erfolgt überwiegend vom heimischen Fliegerhorst. Nur ein Mann ist in Gao in Mali. Zu hoch ist die Belastung für die Bildauswerter. Im Schnitt sind sie 100 Tage pro Jahr im Einsatz. Viele von ihnen auch mehr. Es ist der dritte Auslandseinsatz, der parallel läuft. Im Fokus steht der Tornado-Einsatz in Incirlik an der türkisch-syrischen Grenze gegen den Islamischen Staat. Fast vergessen ist der Einsatz in Afghanistan, wo ebenfalls „Heron“-Drohnen eingesetzt werden. Nun auch noch Mali. Die Bedeutung der unbemannten Aufklärung nimmt dabei zu. Und das Zentrum der unbemannten Aufklärung liegt in Schleswig-Holstein. Am Montag konnte das Geschwader auf ein Jubiläum blicken, dass die Jageler Soldaten stolz macht. 30  000 Flugstunden hat der „Heron“ (auf deutsch „Reiher“) nun vorzuweisen – darunter 177 Stunden im jüngsten Einsatz in Mali. „Eine unglaubliche Zahl, eine unglaubliche Leistung der Staffel“, sagt Oberst Michael Krah, Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders. „Die gleiche Flugstundenanzahl, die wir in zehn Jahren Tornado geflogen sind.“

2010 ging es zum ersten Mal in den Einsatz. Nach Afghanistan. Direkt nach dem ersten Testflug kam es damals zu einem Unfall mit einer Transall. In den sechs Jahren gab es insgesamt vier Ausfälle, einmal war die Technik Schuld. Der letzte Vorfall war 2013. Damit die Quote weiter gesenkt wird und die Piloten bestmöglich auf ihre Einsätze vorbereitet werden, wird in den kommenden Tagen ein neuer Simulator in Betrieb genommen, in dem besser verschiedene Szenarien eingeübt werden können. Zudem würden „bis Ende nächsten Jahres 30 neue Tandems ausgebildet“, erklärt Krah.

Ab 2019 soll die Bundeswehr von der derzeitigen Version „Heron 1“ auf „HeronTP“ hochgerüstet werden. Die Truppe will dann nochmals
25 neue Piloten einstellen. „Genauso viele wie Jet- und Transportflieger“, sagt der Oberst. Das zeige, welche Stellung die unbemannte Aufklärung inzwischen einnehme. Damit die Soldaten auch zukünftig zwischen gefährlichen und ungefährlichen Situationen unterscheiden können.

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erstellt am 30.Nov.2016 | 18:16 Uhr

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