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Schleswig-Holstein

23. März 2017 | 15:29 Uhr

Landwirtschaft in SH : Gülletechnik ohne Gestank: Ministerium gibt den Bauern Geld dafür

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dorfbewohner können aufatmen: Eine neue, geruchsfreie Technik ist auf dem Vormarsch.

Kiel | Der Prallteller ist passé. Das ist das Gerät am Ende eines landwirtschaftlichen Pumpwagens, das die Gülle in einem hohen Halbkegel-Bogen auf Wiesen oder Äcker schleudert. Eine Düngungsmethode, die sowohl viele Teile der Bevölkerung wegen der Geruchsbelästigung wie auch das Landwirtschafts- und Umweltministerium Kiel aus naturschutzfachlicher Sicht auf dem Kieker haben. Mittlerweile sogar die Landwirte selbst: „Die Technik des Pralltellers hat keine Zukunft“, sagt Dr. Kirsten Hess, Sprecherin des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, in Rendsburg.

Tatsächlich wird die Nachfrage nach modernen Alternativen größer. Das Land hilft dabei und fördert die Anschaffung von Geräten zur umweltfreundlichen Gülleausbringung. „Förderung von boden-, gewässer- und klimaschonenden Ausbringtechniken von flüssigen Wirtschaftsdüngern“, nennt das Umweltministerium die Maßnahme. Dafür seien von 2016 bis 2018 jährlich eine Million Euro vorgesehen. Die Förderung stoße bei den Landwirten auf reges Interesse, so das Ministerium: So seien im vergangenen Jahr 535.000 Euro bewilligt worden. Das Investitionsvolumen habe etwa 2,7 Millionen Euro betragen.

Zu den förderfähigen Innovationen gehören demnach die „Injektionstechnik“ und die „Schleppschuhtechnik“ für die Ausbringung von Gülle, von Gärresten, Jauche und Sickersaft. Bei der ersten Technik wird die Gülle regelrecht in den oberflächennahen Boden gespritzt, bei der zweiten direkt auf die Bodenoberfläche gedrückt. Bei beiden Techniken werde eine Verschmutzung der Pflanzen vermieden, so das Ministerium. Zudem versickert der flüssige Wirtschaftsdünger rascher in den Boden, es gehen weniger Nährstoffe verloren – bei gleichzeitig geringerer Geruchsemission.

Mithilfe des Programms seien bisher 38 Landwirte bei der Anschaffung von innovativen und besonders umweltschonenden Gülleausbringtechniken unterstützt worden, heißt es in Kiel. Die moderne Technik werde dabei nicht nur von großen Betrieben eingesetzt. Die Hälfte der geförderten Landwirte bewirtschaftet demnach weniger als 150 Hektar. Für Umweltminister Robert Habeck (Grüne) ist die Förderung ein wichtiger Mosaikstein: „Neben vielen anderen Maßnahmen – etwa der intensiven Gewässerschutzberatung durch das Land, der nun bald kommenden Düngeverordnung – hilft sie, damit die Landwirtschaft mit moderner Technik die Umwelt besser schont.“

Auch der Bauernverband begrüßt das Programm. Denn: „Techniken wie Injektionsverfahren oder Schleppschuh erfordern große Investitionen“, sagt Sprecherin Kirsten Hess. Nicht vergessen werden dürfe allerdings, dass nicht alle landwirtschaftlichen Flächen für den Einsatz solcher Maschinen geeignet sind. „Für kleine Flächen sowie Flächen, die aufgrund von Nässe nicht mit schwerem und großem Gerät befahrbar sind, müssen noch zielführende technische Lösungen gefunden werden, um auch hier Verfahren zur besseren Nährstoffausnutzung anwenden zu können“, sagt Hess.

Zurück zum Prallteller jedenfalls geht’s nicht mehr – „der ist die Ausnahme“.  

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erstellt am 06.Mär.2017 | 10:29 Uhr

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