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Schleswig-Holstein

03. Dezember 2016 | 22:54 Uhr

Interaktive Karte : Geschichte grauen Betons: Hier sind die Bunker aus SH

vom
Aus der Onlineredaktion

Viele von ihnen sind vergessene Ruinen, andere wurden saniert: Wo Sie in SH Bunker finden, sehen Sie auf unserer Karte.

Kiel | In den Parkreihen stehen erst zwei Autos. Ein dumpfes Geräusch ertönt, wenn ein Wagen über die Rampe hinab in das erste Untergeschoss der Parkgarage fährt. Darin eingelassen ist ein Tor, das die Etage vom Rest der Welt abschotten sollte. Dort, wo heute Autos parken, sollten einst über 2000 Menschen Schutz vor der atomaren Bedrohung aus Osten finden. Der Bunker in der Parkagarage unter dem Kieler Schloss ist eine der größten Bunkeranlagen der Stadt - und ein Relikt des Kalten Krieges.

Die Zeit der Bunker ist vorbei. 2007 hat die Bundesregierung die Aufgabe der Zivilschutzbunker und Schutzräume in Deutschland beschlossen. Seither werden Bunker entwidmet und zurückgebaut. Der Grund: Die für den Zweiten Weltkrieg und den Kalten Krieg konzipierten Anlagen bieten keinen Schutz gegen heutige Bedrohungen. Seither werden in vielen deutschen Städten Bunker verkauft und gehen so in Privatbesitz über.

Noch heute gibt es zahlreiche Bunker in Schleswig-Holstein. Einige sind zu Hochzeiten des Kalten Krieges entstanden, um sich vor einer abstrakte Gefahr durch die Sowjetunion zu schützen, andere dienten im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs als Zufluchtsorte.

Während der Bunker unter dem Kieler Schloss nahezu unscheinbar in der Parkhauskulisse versinkt, werden Bunkeranlagen andernorts architektonisch in den Vordergrund gerückt oder als Kulturstätten Teil gesellschaftlichen Lebens.

Im Nachbarbundesland Hamburg hat man sich jüngst für den ersten Weg entschieden: Auf einem Hochbunker in Winterhude entstehen eine moderne Penthousewohnung und großzügige Wohnungen von 115 bis 142 Quadratmeter Größe. In einem Jahr soll das Bauprojekt abgeschlossen sein.

<p>Nichts soll später mehr an tristen grauen Beton erinnern: In Hamburg-Winterhude wird ein ehemaliger Hochbunker in ein modernes Wohnhaus umgebaut.</p>

Nichts soll später mehr an tristen grauen Beton erinnern: In Hamburg-Winterhude wird ein ehemaliger Hochbunker in ein modernes Wohnhaus umgebaut.

Foto: flow-architektur.de

Saniert und für Kulturveranstaltungen öffentlich sind etwa der Flandernbunker in Kiel, wo hinter zwei Meter dicken Betonwänden regelmäßig Konzerte oder Lesungen stattfinden, oder der Bunker D in Neumühlen-Dietrichdorf in Kiel, der als Kultur- und Kommunikationszentrum Teil des Campus der Fachhochschule Kiel ist.

Der Flandernbunker am Kieler Hindenburgufer.
Der Flandernbunker am Kieler Hindenburgufer. Foto: Michael Staudt
 

53 Bunker in Schleswig-Holstein sind dem Landesamt für Denkmalpflege in Kiel bekannt - sechs davon stehen unter Denkmalschutz.

  • Splitterschutz-Bunker in Schmilau
  • Sandkrug-Bunker in Kiel Gaarden-Ost
  • ehem. Luftschutzbunker in Holtenau
  • Eichenberg-Bunker in Kiel Neumühlen-Dietrichsdorf
  • Flandernbunker in Kiel-Wik an der Kiellinie
  • Wasserwerksbunker in Wahlstedt

Wo es in SH noch in die verborgene Welt der Bunker geht, sehen Sie auf unserer Karte. Die rot markierten Bunker stehen unter Denkmalschutz.

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erstellt am 18.Aug.2016 | 20:24 Uhr

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