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Schleswig-Holstein

26. Februar 2017 | 15:57 Uhr

Musikunterricht an Schulen : Geldprobleme: SH als musikalisches Entwicklungsland

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In SH geht den Musikschulen das Geld aus, um ihrem Auftrag – musikalische Bildung für alle – nachkommen zu können.

Kiel | Schleswig-Holstein ist voller Musik. Die Bandbreite reicht dabei vom Wacken Open Air bis zum Schleswig-Holstein Musik Festival, von Heavy Metal bis zum sinfonischen Kammerkonzert. Nur bei der Ausbildung junger Musiker hapert es. Der Landesmusikrat mahnt seit Jahren, dass Schleswig-Holstein in Sachen Musik Entwicklungsland ist. So liegt die Förderung der öffentlichen Musikschulen, die im Verband deutscher Musikschulen (VdM) organisiert sind, weit unter unter dem Bundesdurchschnitt. Das klingt nicht gut. Bei Kindertagesstätten, Grund- und weiterführenden Schulen: Überall fehlt das Geld – auch bei den Musikschulen, die den Mangel zum guten Teil abfedern.

Richard Ferret, Vorsitzender des VdM-Landesverbandes in Schleswig-Holstein und Leiter der Dithmarscher Musikschule, kennt das Leben mit knappen Kassen nur allzu gut, das der Musikschulen und das der öffentlichen Hand. „Das Land muss haushalten“, sagt er mit Blick auf die Kassenlage, aber: „Die Bemühungen des Landes, die finanzielle Situation zu stabilisieren, ist sichtbar.“ Gemeint ist insbesondere die 2015 unterzeichnete sogenannte Kontraktförderung im Kulturbereich, ein Zuwendungsvertrag zwischen Träger und Land, der zwar nicht unbedingt mehr Geld, aber doch Planungssicherheit verschaffen soll.

Musisch-kulturelle Bildung wird immer teurer

Unkalkulierbar bleibt die Situation dennoch in weiten Teilen. „Die öffentlichen Musikschulen haben den Auftrag, den Zugang zur musikalischen Bildung für alle zu gewährleisten“, betont der VdM in einem Grundsatzpapier. „Bezahlbare Unterrichtsgebühren sind Grundvoraussetzungen für die soziale Zugänglichkeit zur musikalischen Bildung. Die ausreichende finanzielle Ausstattung öffentlicher Musikschulen durch Kommunen und Länder sowie der Ausbau der Flächendeckung der öffentlich geförderten Musikschulen sind Grundsteine für die musikalische Teilhabe aller.“

Doch längst ist dieser Auftrag nicht mehr konsequent ausführbar, dafür bräuchten die öffentlichen gemeinnützigen Bildungseinrichtungen allgemein mehr Geld und die im Norden ganz besonders. „Musisch-kulturelle Bildung in der Musikschule wird für die Bürger immer teurer“, hat der VdM längst festgestellt und dokumentiert eklatante Preisunterschiede, die beispielsweise bei der musikalischen Grundausbildung von neun bis 1488 Euro pro Jahr und Schüler ausmachen können.

„Der Mangel wird auf dem Rücken der Lehrkräfte ausgetragen“, sagt Richard Ferret und rechnet vor, dass Lehrkräfte in Bayern generell mehr verdienen und obendrein die 21 Musikschulen in Schleswig-Holstein mit einem höheren Anteil an Honorarkräften arbeiten, die wiederum ein Drittel weniger Geld als festangestellte Kräfte erhalten.

Den Schülerzahlen tut das bislang auf den ersten Blick keinen Abbruch. Ferret jedoch berichtet von Lehrkräften, die insbesondere der geringen Verdienstmöglichkeiten wegen ihren Schülern vom Beruf des Musikers oder des Musiklehrers abraten. „Das klingt wenig dramatisch“, sagt er, „macht das Berufsfeld aber auf keinen Fall attraktiver.“

„Hier hat G8 großen Einfluss“

Ohnehin sinkt die Schülerzahl ausgerechnet in der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen, also bei denen, die sich verstärkt mit der beruflichen Zukunft auseinandersetzen. „Hier hat G8 großen Einfluss“, sagt Ferret und verweist auf Berichte des Lehrpersonals, nach denen den Anforderungen eines Abiturs nach acht statt neun Gymnasialjahren eben auch der Musikschulunterricht geopfert wird. Ausgerechnet. „An allen Schularten fehlen Musikfachlehrer. An Grundschulen ist der Mangel besonders ausgeprägt“, stellte der Landesmusikrat schon vor Jahren für die Situation in Schleswig-Holstein fest.

Manchmal ist es am Ende die Privatinitiative der Veranstalter, die den Nachwuchs an die Vorbilder heranführt. So wie in Wacken. Dort gehört das W:M:C – „Wacken:Music:Camp“ – mittlerweile fest zum Jahresplan. Zum dritten Mal trafen sich in diesem Sommer Jugendliche nach dem Festival, um, angeleitet von Profis, ihre eigene Musik zu schreiben und zu spielen. 100 Musikschüler aus Deutschland nahmen im August dieses VdM-Angebot an und schlossen die Woche mit einem Festival ab. „Die Ergebnisse waren beachtlich“, sagt Ferret und weiß von hoher Kreativität nicht nur der Metal-typischen Instrumentalisten zu berichten. Zu den Teilnehmern zählten auch Oboisten und Cellisten.

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erstellt am 13.Nov.2016 | 19:35 Uhr

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