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Schleswig-Holstein

25. Februar 2017 | 07:47 Uhr

H5N8 in Schleswig-Holstein : Geflügelpest: Elf Restriktionsgebiete in SH eingerichtet

vom

Ein schnelles Ende der Vogelgrippe-Epidemie ist nicht in Sicht: Behörden teilen das Land in spezielle Sperrgebiete.

Kiel/Berlin | Die landesweiten Untersuchungen nach Ausbruch der Geflügelpest des aggressiven Erregers vom Typ H5N8 laufen weiter. Mittlerweile wurden landesweit von den zuständigen Kreisveterinärbehörden elf sogenannnte Restriktionsgebiete eingerichtet, teilte das Umweltministerium in Schleswig- Holstein am Dienstagabend mit. Diese bestünden aus „Sperrbezirken (rot) im engeren Umkreis der Befunde sowie Beobachtungsgebieten (blau) im weiteren Umkreis der Befunde“. 

Von Donnerstag an gelten in Schleswig-Holstein auch für kleinere Betriebe mit weniger als 1000 Tieren strenge Sicherheitsmaßnahmen wie das Tragen von Schutzkleidung und Hygienevorschriften wie Desinfizieren.  Ein schnelles Ende der Vogelgrippe-Epidemie ist derweil nicht in Sicht:  In allen Bundesländern - außer in Berlin - herrscht inzwischen Stallpflicht.

Neun der Restriktionszonen - die sich vor allem im Osten des nördlichsten Bundeslandes befinden - wurden nach Feststellung der Geflügelpest bei Wildvögeln festgelegt. Zwei weitere gelten nach amtlich festgestellten Ausbrüchen bei Hausgeflügel, teilte die Sprecherin des Agrarministeriums, Nikola Kabel, mit. Die Areale sollen demnach gemäß Geflügelpest-Verordnung eingerichtet werden.

Auf der Karte wird deutlich, dass die Fundorte der infizierten Wildvögel sowie die Höfe mit erkranktem Geflügel vorallem im (Süd-)Osten Schleswig-Holsteins liegen.

Auf der Karte wird deutlich, dass die Fundorte der infizierten Wildvögel sowie die Höfe mit erkranktem Geflügel vorallem im (Süd-)Osten Schleswig-Holsteins liegen.

Foto: Ministerium für Landwirtschaft Schleswig-Holstein
 

„In ihnen gelten unter anderem Beschränkungen für die Geflügelhaltungen wie etwa das Verbot zum Verbringen von Geflügel oder das Verbringungsverbot für bestimmte tierische Erzeugnisse“, heißt es weiter. Je nachdem, ob es sich um Fälle bei Wildvögeln oder Ausbrüche in Hausgeflügelhaltungen handelt, sollen unterschiedliche Vorschriften in den Sperr- und Beobachtungsgebieten gelten. Nordfriesland, Dithmarschen sowie Steinburg und Pinneberg sind bisher nicht Teil dieser Spezialzonen.

Stallpflicht
Besteht das Risiko einer sich ausbreitenden Vogelgrippe, können die Behörden Stallpflicht anordnen. Sie ist in Paragraf 13 der Geflügelpest-Verordnung geregelt. Demnach müssen die Tiere „in geschlossenen Ställen oder unter einer Vorrichtung, die aus einer überstehenden, nach oben gegen Einträge gesicherten dichten Abdeckung und mit einer gegen das Eindringen von Wildvögeln gesicherten Seitenbegrenzung bestehen muss“, gehalten werden. Ausnahmen sind möglich, beispielsweise wenn “eine Aufstallung wegen der bestehenden Haltungsverhältnisse nicht möglich ist“.

Nach wie vor sind sechs Kreise beziehungsweise kreisfreie Städte - Schleswig-Flensburg, Rendsburg-Eckernförde, Plön, Segeberg, Herzogtum-Lauenburg und die Hansestadt Lübeck -  betroffen. Aber auch aus anderen Gebieten werden tote Wildvögel oder andere Hinweise gemeldet. Veterinäre, Landeslabor und das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) arbeiten mit Hochdruck daran, Hinweisen nachzugehen, Proben zu nehmen und zu analysieren.

Die Vogelgrippe breitet sich weiter aus. Der H5N8-Erreger sei vermutlich von Zugvögeln nach Europa getragen worden und der Vogelzug habe gerade erst begonnen, erklärte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas Mettenleiter. Weitere Ausbrüche auf Geflügelhöfen seien jederzeit möglich. „Bei dem aktuell hohen Infektionsdruck durch Wildvögel von außen sind vereinzelte Einträge in Nutzgeflügelbestände nicht zu 100 Prozent zu verhindern.“

Ende vergangener Woche war die Vogelgrippe in einem schleswig-holsteinischen Geflügelbetrieb ausgebrochen. 30.000 Hühner mussten in Grumby (Kreis Schleswig-Flensburg) getötet werden. Wie der Erreger in den abgeschlossenen Betrieb kam, ist weiter unklar. Neben Grumby gab es auch einen Fall von Geflügelpest bei Nutztieren in Lübeck. Der Landtag will am Mittwoch unter anderem über die in Schleswig-Holstein ausgebrochene Vogelgrippe diskutieren.

Deutschland ist nach Frankreich der zweitgrößte Erzeuger von Geflügelfleisch in der EU. Neben den Geflügelfleisch-Produzenten sind auch die Eierproduzierenden Betriebe sowie Tierparks und Hobbyzüchter in Schleswig-Holstein von den Stallpflicht betroffen.

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Eine tote Möwe am Strand (Archivfoto).

Foto: imago/blickwinkel
 

Reaktionen in ganz Deutschland

Bundesweit ist die Geflügelpest des Subtyps H5N8 inzwischen auch in Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen festgestellt worden und weitet sich aus. Abgesehen von Berlin haben inzwischen alle Bundesländer für bestimmte Risikogebiete - vor allem entlang von Flüssen oder Seen - eine Stallpflicht angeordnet. Zudem wurde sie in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Ungarn, Polen sowie heute zuletzt auch in Dänemark bestätigt.

Unterdessen wurde in Kassel vorsichtshalber die für dieses Wochenende geplante größte deutsche Vogelschau mit rund 1000 Züchtern und 14.000 Tieren abgesagt. Die Schweiz kündigte eine landesweite Stallpflicht für Geflügel ab Mittwoch an.

In Deutschland wurde das Virus neben dem Norden vor allem im Süden bei verendeten Wildvögeln gefunden. Der Erreger sei vermutlich von Zugvögeln aus Russland eingeschleppt worden, sagte FLI-Präsident Mettenleiter. Demnach war das Virus im Sommer 2016 bei Wildvögeln in Zentralrussland, in Sibirien und der Mongolei nachgewiesen worden. Da der aktuell in Mitteleuropa auftretende Erreger dem im Sommer gefundenen „sehr ähnele“, könne man davon ausgehen, dass er von dort über Wildvögel nach Westen gelangt sei.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt vom EU-Agrar-Rat in Brüssel hatte bereits am Samstag einen Zentralen Krisenstab Tierseuchen einberufen.

Wegen der Vogelgrippe ziehen Hamburgs Alsterschwäne früher als geplant in ihr Winterquartier.
Wegen der Vogelgrippe ziehen Hamburgs Alsterschwäne früher als geplant in ihr Winterquartier. Foto: Bodo Marks
 

Beim winterlichen Vogelzug flüchten Hunderttausende Vögel vor der Kälte im Osten und Norden Europas nach Westen. Ob damit in den kommenden Wochen mehr infizierte Wildvögel in Mittel- und Westeuropa gefunden werden, müsse abgewartet werden, sagte Mettenleiter. Die Situation könne sich noch verschärfen. Es sei aber auch durchaus möglich, dass es wie bei der Vogelgrippe-Epidemie von 2006 Phasen gebe, in denen die Infektionsdynamik wieder abebbe.

Ausnahmen von der Stallpflicht gab es selbst für besonderes Federvieh nicht: Auch die Weihnachtsgans von Kanzlerin Angela Merkel muss ihre letzten Wochen im Stall verbringen. „Natürlich habe ich wie andere Tierhalter die Weisung des Ministers umgesetzt“, sagte der vorpommersche Hobbygeflügelhalter Wolfhard Molkentin, von dem Merkel seit Jahren eine Pommerngans bezieht. Hamburgs rund 120 Alsterschwäne bezogen verfrüht ihr Winterquartier - wegen der Stallpflicht diesmal ein rund 500 Quadratmeter großes Zelt.

Eine Schutzimpfung für Nutzgeflügelbestände sei trotz der Infektionsgefahr nicht sinnvoll, erklärte FLI-Präsident Mettenleiter. Eine Impfung verhindere zwar klinische Symptome, nicht aber die Infektion. „Wir rennen dann in die Gefahr, dass sich unter der Impfdecke die Infektion weiter ausbreitet.“ Impfungen sind derzeit auf Antrag für besonders seltene Rassen und Zoohaltungen möglich.

Wo in SH und Mecklenburg-Vorpommern die Geflügelpest schon aufgetreten ist, zeigt unsere Karte (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

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erstellt am 15.Nov.2016 | 18:06 Uhr

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