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Schleswig-Holstein

08. Dezember 2016 | 21:19 Uhr

Wohnungen fehlen : Frauenhäuser in SH sind völlig überlastet – Was sich nun ändern soll

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Landesweit gibt es 322 Plätze für Hilfsbedürftige. Derzeit ist in keiner der 16 Einrichtungen im Land ein Platz frei.

Kiel/Hamburg | Die Frauenhäuser in Schleswig-Holstein müssen immer häufiger Schutz suchende Frauen abweisen. Alle 322 Plätze der 16 Einrichtungen im Land sind derzeit belegt, einzelne freie Plätze werden fast sofort wieder vergeben.

Das Problem ist auf der politischen Agenda angekommen. Schleswig-Holsteins Sozialministerin Kristin Alheit stellte am Montag zusammen mit ihrer Hamburger Kollegin Melanie Leonhard Pläne für eine länderübergreifende Anlaufstelle vor.

„In den vergangenen vier Jahren ist die Zahl der Ablehnungen deutlich gestiegen“, sagt Anja Binna vom Frauenhaus Kiel. 160 Frauen und Kinder sind dort 2015 untergekommen – 221 Anfragen mussten dagegen abgelehnt werden. Insgesamt betreuten die Frauenhäuser in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr 1159 Frauen und 1123 Kinder. „Weit über 1000 Personen konnten die Einrichtungen im Land jedoch nicht unterbringen. Das ist natürlich für alle Beteiligten unbefriedigend“, sagt Binna.

„Das größte Problem ist der leer gefegte Markt für günstige Wohnungen“, sagt Andrea Schintze vom Pinneberger Frauenhaus. „Gerade in Hamburg und dem Umland gibt es keine Wohnungen mehr in dem Preisrahmen, der von Jobcentern übernommen wird“, so Schintze. Zumal dem Sozialministerium in Kiel zufolge deutlich mehr Frauen aus Hamburg die Hilfsangebote in Schleswig-Holstein in Anspruch nehmen als umgekehrt. Aber auch in Flensburg ist das Bild ähnlich – alle 22 Plätze sind belegt, die anschließende Unterbringung ist schwierig, berichtet Mitarbeiterin Susanne Steinhoff. Wegen dieser Wartezeiten wird die Verweildauer in den Hilfseinrichtungen immer länger – in Pinneberg bleiben die Frauen und Kinder teilweise ein Jahr lang. „Und das, obwohl sie längst keine akute Hilfe mehr benötigen und gut auf ein Leben in der eigenen Wohnung vorbereitet sind“, so Schintze.

Neue Anlaufstelle soll Frauen helfen

In Hamburg hat am Montag eine zentrale Anlaufstelle der Frauenhäuser mit dem Namen „24/7“ eröffnet. Hier finden von Gewalt bedrohte und betroffene Frauen Schutz und Beratung durch pädagogische Fachkräfte – rund um die Uhr und jeden Tag. Darüber hinaus koordiniert die Anlaufstelle die Belegungen von und nach Schleswig-Holstein und unterstützt Frauenhausbewohnerinnen beim Übergang in eigenen Wohnraum.

Sozialsenatorin Melanie Leonard erklärte bei der Eröffnung: „Bislang fand die Aufnahme ohne Vermittlungsstelle direkt in den Frauenhäusern statt. Dies haben wir nun geändert. In der 24/7 können sie zunächst zur Ruhe kommen und dann gemeinsam mit einer Mitarbeiterin entscheiden, wie die nächsten Schritte aussehen sollen.“ Die Adresse von 24/7 ist geheim. Sie kann aber jederzeit unter der Telefonnummer 040/800041000 kontaktiert werden.

Auch die Bundesland übergreifende Belegungen von und nach Schleswig-Holstein werden künftig über 24/7 organisiert, so dass Frauen und ihre Kinder, die im jeweils anderen Bundesland Zuflucht finden müssen, die bestmögliche Unterstützung erhalten. Durch die Koordinierung wird eine gleichmäßigere Belegung angestrebt werden, um die Frauenhäuser des unmittelbaren Hamburger Umlandes besser zu entlasten.

Es wird noch mehr Personal benötigt

Um die größte Not trotz des Platzmangels zu lindern, sind laut Andrea Schnitze vom Pinneberger Frauenhausnicht aber nicht nur mehr Frauenhaus-Plätze nötig, sondern auch mehr Personal: „Die Beratung und Begleitung für Frauen muss ausgebaut werden“, fordert sie. Vielen Frauen helfe bereits ein Gespräch mit der bundesweiten Frauenberatungs-Hotline (Telefon 08000-116016), die Frauen mit einem Angebot in 15 Sprachen rund um die Uhr zur Verfügung steht. Auch die Frauenhäuser sind bundesweit vernetzt. „Wir bekommen zum Teil Anfragen auch aus Niedersachsen oder Hessen“, berichtet Schintze – andererseits können Frauen aus Schleswig-Holstein zum Teil auch in andere Bundesländer vermittelt werden.

Die schleswig-holsteinischen Frauenhäuser hoffen jetzt auf weitere Hilfe aus Kiel – und aus dem Sozialministerium kommen positive Signale: „Die Frauenhäuser in Schleswig-Holstein leisten einen wertvollen Beitrag zur Versorgung von Frauen in Not. Diese Hilfe wird in großem Umfang angenommen! Daher plant die Landesregierung, die Frauenhäuser zukünftig noch besser zu unterstützen“, sagt Ministerin Kristin Ahlheit. Derzeit liefen Gespräche für die Mittelvergabe für 2017.

Die Betreiber der Frauenhäuser fordern schon einmal 130 neue Plätze. Helfen könnten dabei die 68 Millionen, die der Bund Schleswig-Holstein für eine bessere Flüchtlingsintegration zugesagt hat. Denn auch die Frauenhäuser spüren die Auswirkungen der Flüchtlingszuwanderung. „Wir können es noch nicht in Zahlen fassen, aber wir bekommen vermehrt Anfragen von nach Deutschland geflüchteten Frauen“, sagt Binna.

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