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Schleswig-Holstein

26. August 2016 | 15:39 Uhr

Artenschutz in SH : Fangverbot-Pläne in der Nordsee: Robert Habeck will Krabbenfischern helfen

vom
Aus der Onlineredaktion

Grundschleppnetze und Stellnetze will Umweltministerin Barbara Hendricks verbieten. Kritik kommt auch von Robert Habeck.

Berlin | Zum Schutz von Schweinswalen, Vögeln, Riffen und Kleingetier am Meeresboden will der Bund in großen Gebieten der Nordsee die Fischerei zum Teil ganzjährig verbieten. Verbände der Fischer reagierten am Mittwoch mit scharfer Kritik, weil sie Einbußen befürchten. Nach ihrer Ansicht schießen die Pläne über das Ziel hinaus. Widerspruch gibt es auch von Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne).

Zwei Ziele stehen in dieser Frage im Konflikt: Der Umweltschutz und die wirtschaftlichen Interessen der Fischer. Welcher Wert wiegt mehr?

Betroffen ist vor allem die Fischerei mit Grundschleppnetzen und Stellnetzen in den Schutzgebieten Östliche Deutsche Bucht und Sylter Außenriff vor der schleswig-holsteinischen Küste, Borkum Riffgrund vor Niedersachsen und Doggerbank, die noch weiter draußen liegt. „Es ist gut für die Natur, aber es ist auch gut für die Fischer, wenn es Schutzzonen gibt, in denen sich die Bestände erholen können“, sagte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) den Zeitungen der Funke Mediengruppe, die zunächst über die Pläne berichtet hatten.

Hendricks erntete harsche Kritik: Wenn der Bund 30 Prozent der deutschen Nordseefläche sperren wolle, sei das nicht hinnehmbar, sagte ein Sprecher des Deutschen Fischerei-Verbandes am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist so, als nähme man einem Bauern ein Drittel seiner Fläche weg.“ Deutschland sollte wie andere Länder die Verbotszonen viel präziser definieren und nicht riesige Flächen ausweisen. Der Verband hält die Pläne zum Teil für rechtswidrig.

Für ein zielgenaueres Vorgehen ist auch der Kieler Fischerei- und Umweltminister Robert Habeck. Die heimischen Krabbenfischer drohten unverhältnismäßig stark belastet zu werden. Er werde sich dafür einsetzen, dass dies verhindert wird. Insgesamt begrüßt die Landesregierung laut Habeck aber die Absicht, Schweinswale, Seevögel, Riffe und Sandbänke besser zu schützen.

Das Bundesumweltministerium argumentiert so: Mit teils tonnenschweren Grundschleppnetzen werde der Meeresboden bis zu 20 Mal im Jahr umgepflügt, um Fische aufzuscheuchen und im Netz zu fangen. Darunter litten Muscheln, Schnecken und Seeigel, das Meeresökosystem werde dauerhaft geschädigt. In langen Stellnetzen zum Fang von Kabeljau und Plattfischen wiederum verfingen sich Schweinswale und Seevögel, die diese Fische jagen. Schweinswale ersticken und Vögel ertrinken.

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) betonte, Fischerei sei abhängig von einer intakten Umwelt. „Eine verlässliche Zukunft für die Fischwirtschaft kann es nur geben, wenn die Fischerei nachhaltig, das heißt, im Einklang mit der Natur und in Vorsorge für künftige Generationen betrieben wird.“ Die geplanten Maßnahmen seien ein guter Ausgleich zwischen Naturschutzzielen und den Interessen einer nachhaltigen, wirtschaftlich auskömmlichen Fischerei. Die Pläne müssen noch mit den anderen Nordsee-Ländern abgestimmt werden.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßte die Pläne grundsätzlich, forderte aber auch ähnliche Regelungen für die Ostsee und mehr Einschränkungen für die Krabbenfischerei. Fischereiexperte Thilo Maack kritisierte, Deutschland habe es nach der Ausweisung der Schutzgebiete im Jahr 2007 in sechs Jahren nicht geschafft, dort die menschlichen Aktivitäten zu beschränken und sich deshalb ein Vertragsverletzungsverfahren der EU eingehandelt. „Das hängt jetzt wie ein Damoklesschwert über der Bundesregierung und ist der Hintergrund für die jetzigen Vorschläge.“

Die Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer in Cuxhaven lehnt das Unterfangen ab. Wenn 30 Prozent der Fangfläche gesperrt werden, senke das nicht den Fischereidruck, sagte Geschäftsführer Kai-Arne Schmidt. „Die Fischerei verlagert sich nur auf die übrigen 70 Prozent, was für diese Gebiete auch Konsequenzen hätte.“ Auch werde beim bodennahen Krabbenfischen nicht unterschieden, welches Schleppgerät zum Einsatz kommt. Es mache einen Unterschied, ob ein vier bis fünf Tonnen schweres Geschirr über den Meeresboden gezogen wird oder ob es nur 500 Kilogramm wiege.

Der Fischereibiologe Philipp Oberdörffer, der das operative Geschäft für die Erzeugergemeinschaft leitet, befürchtet große Probleme für die Krabbenfischer: „Es wäre vielleicht nicht der Todesstoß, aber ein weiterer Spatenstich“. Schon durch projektierte Windparks falle ein großer Teil der Fanggebiete weg. Schmidt mahnte mehr Augenmaß an. Es sei nicht nachvollziehbar, dass etwa beim Sylter Außenriff 2500 Quadratkilometer gesperrt werden sollen, wenn der eigentliche Schutzbereich nur 150 Quadratkilometer umfasse.

Die EU-Mitglieder hatten sich im Dezember 2015 auf die Fangmengen für die Nordsee in diesem Jahr geeinigt. Demnach dürfen die Fischer rund 36 Prozent mehr Schellfisch fangen als 2015, 19 Prozent mehr Scholle, 16 Prozent mehr Hering und 15 Prozent mehr Kabeljau. Bei Seelachs bleibt die Quote konstant. Bei der Makrele sinkt sie um 14 Prozent.

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erstellt am 23.Mär.2016 | 09:54 Uhr

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