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Schleswig-Holstein

08. Dezember 2016 | 07:09 Uhr

Eine Waffenschmiede rüstet auf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sig Sauer aus Eckernförde stellt verstärkt Personal ein und will Europas Streitkräfte mit Gewehren ausstatten

Vor zwei Jahren sah es bei Sig Sauer düster aus. Mehrfach hatte es auf Anweisung der Kieler Staatsanwaltschaft Razzien in Eckernförde gegeben. Das Unternehmen sah sich mit dem Verdacht konfrontiert, in illegale Waffenlieferungen nach Kolumbien und Kasachstan verstrickt zu sein. Ausfuhren des Unternehmens wurden gestoppt, das Personal im Norden auf gut die Hälfte zusammengestrichen.

Geht es nach Franz von Stauffenberg, dann ist das jedoch alles weitestgehend Geschichte. „Nach einer längeren Restrukturierungsphase hat sich die Situation am Standort stabilisiert“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Seit 15 Jahren arbeitet der Mann mit dem prominenten Namen im Rüstungsbereich. „Meine letzte Aufgabe war bei einem Schweizer Staatskonzern. In einer deutschen Tochterfirma war ich Vorsitzender der Geschäftsführung, dort lag der Schwerpunkt auf Laser-Simulationsgeräten für Waffensysteme.“

Seit April steht von Stauffenberg Sig Sauer als Deutschlandchef vor – und gibt sich optimistisch. „Die Gesellschaft ist wieder in der Gewinnzone und befindet sich mit dem Fokus auf dem europäischen Markt auf Wachstumskurs“, sagt er. Es wird eingestellt, das Personal aufgestockt. „Am Standort Eckernförde werden insgesamt 84 Mitarbeiter, einschließlich sieben Leihmitarbeiter beschäftigt“, erklärt von Stauffenberg. Das seien fast 30 Mitarbeiter mehr als noch vor einem Jahr. Weitere sollen folgen. Perspektivisch gehe er von 120 Mitarbeitern aus – womöglich noch sogar mehr.

Terror, politische Unruhen, neue territoriale Konflikte, die Zeiten sind unruhig. Europa rüstet auf – und Sig Sauer will genau davon profitieren. Immer wieder sollen Sig-Sauer-Eigentümer Michael Lüke und Thomas Ortmeier in den vergangenen Jahren geplant haben, mit Sig Sauer wieder verstärkt auf das Militär als Auftraggeber zu setzen. Gerade jetzt scheinen die Umstände dafür günstig. „Ja, wir haben ein Angebot für das neue Sturmgewehr in Frankreich abgegeben, das Auswahlverfahren läuft gegen starke Wettbewerber und zum Stand kann ich leider noch nichts sagen“, so von Stauffenberg. Auch Heckler&Koch nimmt an der Ausschreibung teil sowie der belgische Hersteller FN Herstal.

Es geht um viel Geld – und auch Macht. Innerhalb der L&O-Holding, von der Sig Sauer kontrolliert wird, hatten sich die Gewichte in den vergangenen Jahren immer stärker in Richtung der erfolgreichen US-Schwester verschoben. Mit dem Neustart in Eckernförde könnten die Karten neu gemischt werden. Sollte Sig Sauer den Zuschlag bekommen, dürfte die Produktion in Schleswig-Holstein auf Jahre hinweg ausgelastet sein. Allein der Auftrag aus Paris, bei dem es um den Nachfolger der Famas-Sturmgewehre geht, beläuft sich auf rund 90  000 Stück. Damit nicht genug. Auch auf die kommende Ausschreibung für den Nachfolger der G36-Gewehre der Bundeswehr schaut Sig Sauer. „Neben den Großprojekten der Streitkräfte gibt es in den nächsten 18 Monaten mindestens 20 zusätzliche Ausschreibungen der Polizei und anderer Behörden in Deutschland für neue Pistolen, Maschinenpistolen und Sturmgewehre“, erklärt von Stauffenberg.

Die Anschläge der jüngsten Zeit – in Paris, Ansbach und Nizza – könnten der Eckernförder Waffenschmiede neues Leben einhauchen. „Es gibt ein Aufrüsten der Polizei, die sich auf die neue Terrorismuslage einstellen muss“, bestätigt der Geschäftsführer. Auch bei diesen Ausschreibungen würde sich das Unternehmen gute Chancen ausrechnen, zum Zuge zu kommen. Das Gewehr, mit dem sich Sig Sauer in Frankreich beworben habe, das MCX, sei besonders leicht, habe eine abklappbare Schulterstütze und der Lauf könne per Hand gewechselt werden. Sig Sauer verstehe sich als Systemhaus, sagt von Stauffenberg. „Wir können von der Waffe über die Optik, Munition, bis hin zum Training ein Komplettangebot machen und die Gesamtverantwortung übernehmen – das kann sonst keiner unserer Wettbewerber.“ Wirtschaftlich sei das Unternehmen gesund, versichert er. „Wir investieren und bauen in Eckernförde die modernste Produktion auf, die es meines Wissens in Europa gibt.“ Das alles seien Argumente, die für Sig Sauer sprechen.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kiel laufen weiter. Das Bundeswirtschaftsministerium teilte unserer Zeitung kürzlich auf Anfrage mit, dass die Zuverlässigkeitsprüfung gegen die Verantwortlichen bei Sig Sauer durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) noch nicht abgeschlossen sei. Doch in Eckernförde winkt von Stauffenberg ab. Das Verfahren habe bislang keine Folgen für Sig Sauer, sagt er. „Wir haben für verschiedene Exportaufträge Ausfuhrgenehmigungen bekommen und rechnen auch damit, diese zukünftig zu bekommen.“

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erstellt am 15.Aug.2016 | 18:32 Uhr

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