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Schleswig-Holstein

24. August 2016 | 15:45 Uhr

Von Dänemark nach Osteuropa : Die Trasse der Transitdiebe führt durch SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Osteuropäische Diebesbanden scheitern nach Beutezügen in Dänemark zunehmend an der Polizei in Schleswig-Holstein.

Flensburg | Der Polizei in Schleswig-Holstein gelingen zunehmend Festnahmen osteuropäischer Tatverdächtiger, die in Dänemark teure Fahrräder und Elektrowerkzeug gestohlen haben und damit auf dem Weg in ihre Heimat sind. Das bestätigt der Sprecher des Landeskriminalamts, Uwe Keller, ebenso wie die dänische Polizei. Nach der Statistik des Grenzanalyse-Teams von dänischer und deutscher Polizei in Pattburg bei Flensburg gab es seit Jahresanfang bereits 15 solcher Überstellungsfälle von Osteuropäern durch deutsche Beamte nach Dänemark. Ein deutlicher Anstieg: im gesamten Vorjahr waren es 23 Fälle.

Die Zahl der unaufgeklärten Einbrüche ist hoch. Umso wichtiger ist es, professionell agierende Wiederholungstäter zu fassen.

Von den Vorkommnissen in diesem März haben sich zwei sogar an ein- und demselben Tag ereignet. Vormittags fiel der Fahndungsgruppe Autobahn von Landespolizei, Bundespolizei und Zoll an der A7 bei Jagel ein polnischer Ford Transit auf. Daraus stellten die Beamten elf Fahrräder und diverse elektronische Geräte sicher. Für keinen Gegenstand konnten die 40 und 42 Jahre alten Insassen ihr Eigentum nachweisen. Bereits unmittelbar nach dem Fund wiesen die Fahnder über die Rahmennummern nach, dass mindestens drei Zweiräder im nördlichen Nachbarland gestohlen worden waren.

Noch ungleich mehr staunten Bundespolizisten, als sie dann abends bei einer Streife zwischen Flensburg und Schleswig auf dem Autobahnparkplatz Jalmer Moor einen Ford Ducato unter die Lupe nahmen. Im Laderaum des rumänischen Fahrzeugs sahen sie zunächst bis unters Dach Plastiksäcke mit Altkleidern. Dahinter waren 15 nagelneue Fahrräder und an die 200 Baumaschinen wie Bohrmaschinen, Kappsägen und Schleifgeräte versteckt. Die 18 und 20 Jahre alten Insassen konnten die Herkunft der Ladung nicht plausibel erklären. Sie wurden festgenommen, nachdem Recherchen in Dänemark ergeben hatten, dass mindestens zwei Fahrräder dort entwendet worden waren. Inzwischen gelang der Nachweis für fünf weitere Drahtesel.

Genauso kann es am anderen Ende Schleswig-Holsteins vorkommen, dass den Fahndern Transit-Tatverdächtige ins Netz gehen. Die kompletten Teile für gleich 21 Fahrräder hatte ein litauischer Renault Espace an Bord, den eine Autobahnstreife Anfang März an der A24 an der Raststätte Gudow (Kreis Herzogtum Lauenburg) aus dem Verkehr fischte. Ein 40-Jähriger saß am Steuer. Mindestens sechs der Räder waren in Dänemark entwendet worden.

Elf offenbar von einem Ladendiebstahl in Dänemark stammende Räder wiederum schnappte die Bundespolizei erst Ende Januar in Puttgarden. Ein 28-jähriger Pole war mit ihnen in einem Kleintransporter soeben von der Dänemark-Fähre an Land gefahren. Auf der B5 in Höhe des nordfriesischen Enge-Sande gab es in diesem Jahr bereits einen vergleichbaren Fund.

Werkzeugkästen in einem Laderaum.
Werkzeugkästen in einem Laderaum. Foto: Bundespolizei
 

„Die Täter sind Packkünstler – man staunt immer wieder, wie sie die Ladeflächen der Kleintransporter bis auf den letzten Quadratzentimeter ausnutzen“, sagt Hanspeter Schwartz, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Flensburg. Teils stammten die Gegenstände auch aus Schweden. Mitunter gehe es dabei auch um Handys und Laptops. Die Tendenz insbesondere zu Fahrrädern verstärkt sich. Dass sich Fahndungserfolge entlang der Transitrouten häufen, führt Schwartz auch darauf zurück, „dass wir nicht mehr so durch die Migrationslage gebunden sind. Deshalb können wir wieder mehr Kontrollen des laufenden Verkehrs auf der Autobahn machen.“ „Vom Aufwand her“ seien derartige Entdeckungen „relativ hoch“. Da es um Taten in Skandinavien gehe, müssten sie auch da verfolgt werden. Bevor eine Auslieferung erfolgt, müssen auf beiden Seiten ein Staatsanwalt, in Deutschland auch ein Richter und die dänische oder schwedische Polizei hinzugezogen werden.

Und warum gerade immer wieder Fahrräder? Zwar sind die Dänen seit jeher radbegeistert. Die dortige Polizei spricht gegenüber der Tageszeitung „Politiken“ aber von einem nochmals steigenden Interesse der Dänen am Fahrradfahren – oft an teuren Rennrädern oder Mountainbikes. Mehr Konsumfreude nach der überwundenen Finanzkrise und weiter steigendes Fitnessbewusstsein kommen offenbar zusammen. Und je mehr hochwertige Sportgeräte in Umlauf sind, umso leichter werden Langfinger darauf aufmerksam. Meist würden die Räder in Osteuropa auf Märkten oder übers Internet verkauft. In einem von der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg erbauten Bunker an der jütländischen Westküste stieß die dänische Polizei sogar auf ein umfangreiches Lager mit gestohlenen Fahrrädern, die dort auf den Weitertransport gen Osten warteten. „Es wird das gestohlen, wofür es im Osten die besten Absatzmöglichkeiten gibt“, resümiert Helle Lundberg, Sprecherin der Polizei in Süddänemark. „Die Unterstützung aus Deutschland ist für uns sehr wichtig, weil die Verdächtigen so schnell außer Landes sind“, betont sie. Bei Einbruchsdiebstählen liege die Aufklärungsrate nur bei 20 Prozent. Da komme es auf jeden einzelnen gelösten Fall mehr besonders an.

„Das Ganze passiert in arbeitsteiligen Strukturen“, sagt der Kieler LKA-Sprecher Keller. „Die Diebe sind Teil eines kriminellen Netzwerks“, bestätigt seine dänische Kollegin Lundberg. Dänemarks Polizei beschreibt das Muster so: In Litauen, Polen oder Rumänien sitze der Drahtzieher. Der steuere ein Netz von Landsleuten, die sich länger in Dänemark aufhalten. Zu denen würden die eigentlichen Diebe kurzfristig mit Kleintransportern aus Osteuropa entsandt, um sich Hinweise zu holen, wo es sich lohnt zuzugreifen. Insbesondere viele Litauer arbeiten laut dänischer Polizei in Dänemark auf Nerzfarmen und in der Landwirtschaft in Jütland.

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erstellt am 23.Mär.2016 | 17:37 Uhr

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