zur Navigation springen

Schleswig-Holstein

10. Dezember 2016 | 19:43 Uhr

Die Jung-Schützerin

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es ist ein Leben mitten in der Natur. Vier junge Menschen teilen sich eins der Häuser am Fuß des Leuchtturms Westerheversand, umgeben nur von einer der größten Salzwiesen der schleswig-holsteinischen Nordseeküste. „Wenn das Wetter gut ist, schlafen wir unter freiem Himmel“, erzählt Taline de Boer. Nirgendwo sonst kann man so eindrucksvoll die Sterne funkeln sehen, und der Schein des Leuchtturms dreht sich in unendlich beruhigendem Gleichmut über ihren Köpfen hinweg. „Noch schöner ist es nur draußen auf der Sandbank“, findet die junge Frau, die hier bei der Schutzstation Wattenmeer ihren Bundesfreiwilligendienst leistet. „Da kann man Vögel beobachten, Muscheln sammeln oder einfach nur im Sand liegen und auf das Meer schauen.“ Bei Sturm und Landunter ist es allerdings gefährlich dort draußen. Dann zieht sie sich mit ihren Mitbewohnern ins Haus zurück, das seit über Hundert Jahren auf einer vier Meter hohen Warft steht, und ist vom Wasser gefangen. „Es ist irre, von der Natur beherrscht zu werden“, sagt Taline.

Das Wattenmeer kennt die 19-jährige Hamburgerin aus dem Urlaub mit der Familie. St. Peter-Ording oder Rømø waren die Reiseziele ihrer Kindheit. „Meinen Eltern war es wichtig, dass ich auch als Stadtkind Natur erlebe.“ Sie zeigten ihrer Tochter auf ausgiebigen Wanderungen ebenfalls die Berge der Alpen. Aber Taline hat die Weite der Nordseelandschaft mehr beeindruckt, und so hat sie sich nach dem Abi für ein Jahr an die Küste verabschiedet. Hier vermittelt sie nun den Besuchern auf Wattwanderungen, vogelkundlichen Touren oder Salzwiesenführungen ihre Faszination für die Natur. „Am liebsten gehe ich mit den Leuten bei Sonnenuntergang raus ins Watt“, erzählt sie. „Es ist super schön, wenn sich das warme Licht auf den Flächen spiegelt.“ Dann könnten die Menschen am besten verstehen, dass man diese Landschaft erhalten muss.

Taline stellt sich die Frage, in was für einer Welt sie leben will. Nur Straßen, Städte und Fabriken? „Ich möchte das nicht und ich glaube, das geht vielen so“, sagt die Naturschützerin. „Deshalb kommen die Besucher ja hierher, weil sie hier Erholung finden.“ Dabei stellt sie fest, dass einige Menschen immer stärker nach Alternativen zur Konsumwelt suchen, etwa Vegetarier und Veganer. Auf der anderen Seite gebe es mehr Menschen, die den Tag nur drinnen verbringen und beispielsweise noch nie auf einen Baum geklettert sind. „Die Schere geht weiter auseinander“, beobachtet die Freiwillige.

Wenn Taline am Deich bei den Schäfern vorbeikommt, die darüber klagen, dass sie ihre Tiere nicht mehr auf den Salzwiesen grasen lassen dürfen, kann sie Verständnis für deren Nöte aufbringen. Einerseits gebe es kaum noch Flecken auf der Erde, die von Menschenhand unberührt bleiben, andererseits könne man auch nicht ganz Deutschland zum Nationalpark erklären. „Wir brauchen die Landwirtschaft“, räumt Taline ein, „allerdings hat der Naturschutz schon oft zurückstecken müssen, weil andere Interessengruppen mächtiger waren.“ Sie sei unter dem Leuchtturm nachdenklicher geworden, glaubt die junge Frau, die Landschaftsökologie und Naturschutz studieren möchte, „vielleicht auch vernünftiger.“




zur Startseite

von
erstellt am 03.Okt.2016 | 13:07 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen