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Deutscher Lehrerpreis : Die besten Lehrer in SH kommen aus Neumünster und Geesthacht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Arne Cardel und Katharina Tißler werden heute in Berlin ausgezeichnet. Was ihre Schüler so toll an ihnen finden.

Auf einmal wollen alle etwas von ihm. Zwei Fernsehteams stehen in der Elly-Heuß-Knapp-Schule in Neumünster, und nun kommt auch noch die Zeitung. Und alle wollen ein Interview mit Arne Cardel. Kein Wunder, denn der 48-Jährige ist einer der 16 besten deutschen Lehrer. Er gehört zu den Gewinnern des deutschen Lehrerpreises, der heute in Berlin verliehen wird.

„Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, schließlich ist es das Höchste, was man als Lehrer erreichen kann“, sagt Cardel. Dabei hat der Berufsschullehrer für Sozialpädagogik und Heilpädagogik sich gar nicht um den Preis beworben, sondern seine Schüler haben ihn vorgeschlagen. Zwei von ihnen sitzen in der hintersten Reihe eines Klassenraums der Berufsschule. Drei Jahre hat Cardel sie als Klassenlehrer unterrichtet, alle 17 Schüler haben den Abschluss als staatlich anerkannte Erzieher erreicht. „Und da hat Arne einen Riesenanteil dran“, sagt Christian Kay. Der 58-Jährige könnte der große Bruder seines Lehrers sein – und doch ist Cardel so etwas wie ein Vorbild für ihn. „Wir haben die Ausbildung alle berufsbegleitend gemacht, alle haben Job und Familie – das war nicht einfach. Und viele von uns hatten schlechte Erinnerungen an die Schule – das hat Arne geändert. Wir waren ein Team“, sagt Kay. Fachwissen, Humor, Empathie, Engagement, Wertschätzung, moralische Korrektheit – das sind Begriffe, mit denen die Schüler Cardel charakterisieren. „Er war immer für uns da – egal ob bei schulischen oder privaten Problemen“, erzählt Beata Heimann, die in der Kita Abenteuerland in Kaltenkirchen arbeitet. Cardels Erfolgsgeheimnis kann sie auf ein Wort bringen: Leidenschaft.

Ihrem Lehrer, der seit 13 Jahren in Neumünster unterrichtet, schmeichelt das. Er sagt aber lieber: „Ich versuche die Schüler für etwas zu begeistern, ihnen die Faszination für ihren Beruf zu vermitteln.“

Fasziniert waren seine erwachsenen Schüler – denn sie haben viele Briefe an die Vodafone-Stiftung und den Deutschen Philologenverband geschrieben, die den Preis verleihen. Gutachter haben aus den Einsendungen von bundesweit rund 4500 Schülern die besten ausgesucht, eine Fachjury aus Politikern, Wissenschaftlern, Publizisten, Lehrern und Schülern kürte dann die besten 16 des Landes.

Unter ihnen ist noch eine Schleswig-Holsteinerin: Katharina Tißler, die für ihre Arbeit am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Oldenburg ausgezeichnet wird. Seit August unterrichtet die Deutsch- und Geschichtslehrerin an der Berta-von-Suttner-Schule in Geesthacht. Und was denken ihre Schüler über sie? „Auch wenn Frau Tißler stets dazu beiträgt, unser Schulleben bunter zu machen, so ist sie auch für Schüler da, die in einer schwierigen Zeit eine Stütze oder einen Rat benötigen.“ Oder: „Sie hat auf jeden ein besonderes Augenmerk und sorgt durch nachhaltige Erzeugung einer Klassengemeinschaft dafür, dass Mobbing keine Chance hat.“ Oder: „Frau Tißler ist eine überaus engagierte Lehrerin, die sich um uns kümmert und Problemen nie aus dem Weg geht, sie sorgt für den frischen Wind in unserer alten Schule.“

Solche Sätze sagen auch Arne Cardels Schüler über ihren Lehrer. „Ich war immer optimistisch und habe sehr gehofft, dass er einen Preis gewinnt“, sagt Beata Heimann. Und Cardel selbst? „Es wäre vermessen zu sagen, dass ich damit gerechnet habe. Aber jetzt freue ich mich aufrichtig.“ Sieben seiner Schüler begleiten ihn heute nach Berlin. „Es ist mir eine große Freude, mit ihnen gemeinsam zu feiern“, sagt Cardel. „Es war die vielleicht beste Klasse, die ich je hatte.“

Und auch wenn Cardel den Lehrerpreis mit Stolz entgegennehmen wird – seine wertvollste Auszeichnung hat er bereits bekommen. Ganz ohne Aufmerksamkeit der Medien. Zum Abschied haben ihm seine Schüler ein selbst gestaltetes Buch geschenkt – mit Fotos, Notizen und Erinnerungen. „Da drin steht, was es für sie bedeutet habe, dass ich sie unterrichtet habe“, sagt Cardel. Er muss schlucken, wendet ein wenig das Gesicht zur Seite – und sagt dann: „Ich habe da schon mehr als einmal reingeguckt.“

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erstellt am 26.Sep.2016 | 09:44 Uhr

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