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Schleswig-Holstein

07. Dezember 2016 | 11:44 Uhr

IQB Schul-Leistungsvergleich : Der schlaue Norden: Deshalb schneidet SH bei der Bildung gut ab

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schüler aus SH liegen in Deutsch und Englisch weit vorn. Bildungsministerin Britta Ernst jubelt und dankt.

Schleswig-Holstein ist zu den drei besten Bildungsländern in Deutschland aufgestiegen. Das geht aus dem neuen, alle drei Jahre stattfindenden Schul-Leistungsvergleich der Länder hervor, den die Kultusministerkonferenz am Freitag in Berlin veröffentlicht hat. Demnach liegen die Jungs und Mädchen aus dem Norden in allen fünf Bereichen der diesmal getesteten Fächer Deutsch und Englisch unter den besten drei. Ähnlich stark schneiden Bayern und Sachsen ab. „Schleswig-Holstein erzielt sehr gute Leistungen und weist viele positive Trends auf“, sagte Petra Stanat, Leiterin des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, das mit dem Leistungsvergleich beauftragt war.

Für die Länderstudie haben Stanat und ihre Kollegen im vergangenen Jahr 37.000 Neuntklässler aus gut 1700 Schulen getestet. Zum zweiten Mal nach 2009 untersuchten sie dabei die Kompetenzen in Deutsch und Englisch. Während Schleswig-Holstein sich diesmal in beiden Fächern erheblich verbessert hat und in Deutsch sogar vom unteren Tabellendrittel bis fast an die Spitze klettert, stürzt das einstige Vorzeigeland Baden-Württemberg in diesem wichtigen Kernfach von ganz oben bis weit unter den Bundesdurchschnitt ab. Auch alle anderen westdeutschen Länder außer Hamburg verschlechtern sich in Deutsch – selbst Bayern.

In Englisch dagegen sind sämtliche Bundesländer besser geworden – vor allem die ostdeutschen, die vor sechs Jahren noch weit abgeschlagen waren, inzwischen aber viel tun, um aufzuholen. „Die schicken ihre Lehrkräfte zum Teil nach Kanada“, berichtete Stanat. Doch auch Schleswig-Holsteins Schulen haben sich in Englisch enorm verbessert und sind sogar zur Nummer eins in diesem Fach aufgestiegen: In keinem Bundesland verstehen die Neuntklässler die Sprache so gut wie im nördlichsten. Das dürfte nicht zuletzt damit zu tun haben, dass hier seit zehn Jahren Englisch ab der dritten Grundschulklasse Pflicht ist.

Vor allem aber führt Bildungsforscherin Stanat den Erfolg im Norden auf eine konsequente Verbesserung des Unterrichts zurück „Meine Wahrnehmung ist, dass die Ausrichtung auf die Unterrichtsqualität in Schleswig-Holstein sehr ausgeprägt ist“, sagte sie. Das gelinge dem Land vor allem deshalb gut, weil es sich selbst Standards für jedes Fach gesetzt habe und die „sehr ernst“ nehme: „Es ist alles darauf ausgerichtet – das Ministerium, die Schulaufsicht, die Lehrerfortbildung, die Schulinspektion“, lobte Stanat.

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Britta Ernst nannte die guten Ergebnisse der Schulen im Land „sehr erfreulich“. Der Erfolg sei „allen am Schulsystem Beteiligten“ zu verdanken, sagte die SPD-Politikerin und nannte die Schulleitungen, die Lehrkräfte, das Kieler Fortbildungsinstitut IQSH und ihr Ministerium. Das exzellente Abschneiden erklärte Ernst unter anderem mit dem Landesprogramm „Lesen macht stark“, das seit seiner Einführung vor zehn Jahren rund 77.000 Schüler gefördert habe. Zudem würden sich die Lehrer „sehr engagiert“ fortbilden: „Knapp 90 Prozent geben an, regelmäßig an Fortbildungen teilzunehmen.“ Und dabei habe das Thema „Wie mache ich guten Unterricht?“ einen sehr hohen Stellenwert.

Nicht zuletzt hält Ministerin Ernst die „akzeptierte Schulstruktur“ mit dem zweigliedrigen Modell aus Gymnasien und Gemeinschaftsschulen für einen „guten Rahmen, um sich auf die Verbesserung des Unterrichts zu konzentrieren“. Ähnlich argumentierte Wissenschaftlerin Stanat, als sie für „strukturelle Verlässlichkeit“ warb. „Wenn man sich für ein Schulsystem entschieden hat“, sagte sie, „dann sollte man ihm auch die Chance geben, sich zu entwickeln – und nicht bei schlechten Ergebnissen im nächsten Ländervergleich sofort wieder an der Schulstruktur drehen.“

Auch in Schleswig-Holsteins Schulsystem ist noch nicht alles eitel Sonnenschein. Wie in allen Bundesländern bleiben die Leistungen der Jungs hier nach wie vor deutlich hinter denen der Mädchen zurück – obgleich der Unterschied im Norden zumindest etwas kleiner geworden ist. Und wie überall hängt der Schulerfolg auch hierzulande weiterhin und unverändert stark von der sozialen Herkunft ab. Ministerin Ernst räumte daher ein, dass das Land hier „besser werden“ müsse: „Diese Aufgabe bleibt.“

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erstellt am 29.Okt.2016 | 12:47 Uhr

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