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Schleswig-Holstein

11. Dezember 2016 | 07:15 Uhr

Für Touristen und Einheimische : Der echte Norden: Geheimtipps aus Schleswig-Holstein

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Schleswig-Holstein im Sommer? Klar, das sind die Strände, das sind Ebbe und Flut und Segelreviere. Ganz ehrlich: Küste kann jeder. Im Landesinneren gibt es ebenfalls viel zu entdecken – und das nicht nur für Touristen.

Kiel | Abseits der Küste gibt es in Schleswig-Holstein viel zu entdecken. shz.de stellt die Geheimtipps aus Schleswig-Holstein vor.

Aarlau – der Köm-Äquator

Klein, aber oho: Die Aarlau ist ein 37 Kilometer langes Flüsschen im Kreis Nordfriesland. Sie entspringt südöstlich der Gemeinde Sollwitt und mündet im Beltringharder Koog am Holmer Siel. Mondän ist hier gar nichts. Stattdessen gibt es jede Menge flache, beruhigende Landschaft, die wunderbar per Rad, Kanu oder zu Fuß erkundbar ist. Und es gibt die Geschichte vom „Köm-Äquator“. Den nämlich bildet die Aarlau bei der Frage, ob der Aquavit geel oder witt (gelb oder weiß) zu sein hat. Nördlich vom Fluss wird gewöhnlich die gelbe Version genossen, südlich davon die weiße. Dem Fluss ist das egal. Er fließt gelassen vorbei an Behrendorf, Bondelum, Viöl, Arlewatt und durch Hattstedtermarsch hindurch.

Schleswig

An Schleswig lieben Urlauber die Beschaulichkeit – wie hier auf dem Holm.
An Schleswig lieben Urlauber die Beschaulichkeit – wie hier auf dem Holm. Foto: Michael Staudt

Die Wikinger und Schloss Gottorf – wer an Schleswig im Kreis Schleswig-Flensburg denkt, dem fallen zuerst die wilden Männer aus dem Norden und der berühmte Sitz zweier Landesmuseen ein. Haithabu, einer der bedeutendsten Wikinger-Stützpunkte, ist ein paar Steinwürfe weiter südlich zu besichtigen. Bei so viel spektakulärer Geschichte gerät die unaufgeregtere gelegentlich in Vergessenheit. Mit dem historischen Fischerviertel namens Holm am Rand der Altstadt hat Schleswig eine Perle der Schlei zu bieten: Kopfsteinpflaster, kleine Gassen, Häuser dichtgedrängt und als Mittelpunkt ein liebevoll gepflegter Friedhof mit weißer Kapelle. Fast könnte man die Zeit vergessen.

Friedrichstadt und St. Annen

Die Eider fließt vorbei. Gleich auf der anderen Flussseite zeigt sich das berühmte Holländerstädtchen Friedrichstadt mit seinen Grachten und Giebelhäusern. Soviel architektonische Pracht wie drüben im Kreis Nordfriesland hat das kleine St. Annen im Kreis Dithmarschen nicht zu bieten, Schönheit, auch architektonische Schönheit, indessen schon. Namensgeberin des beschaulichen 314 Einwohner-Ortes ist die St.-Annen-Kirche, ein Backsteinbau mit rotem Ziegeldach (und bemerkenswerter Innenausstattung), der seine Wurzeln im Dank der Dithmarscher für die gelungene Eindeichung des Bosbüttelerkoogs hat. Über die Eider führen hier eine 1916 erbaute Eisenbahnbrücke und eine Autobrücke.

Schwentinental

60 Kilometer von der Quelle am Bungsberg durch die Holsteinische Schweiz bis zur Mündung in die Kieler Förde, durch Naturschutzgebiete und ornithologische Dorados nach Kiel von der Quelle bis zur Mündung – ungefähr so muss das Paradies sein. Schwentine heißt der Flusslauf, Schwentinental die Stadt an seinem Unterlauf (Kreis Plön). Hier ist der Rosensee Startpunkt für Boots- oder Paddeltouren. Am Rosensee vereinigt sich der Europäische Fernwanderweg E1 mit dem Wanderweg Schusteracht. Nah dran: der kostenlos nutzbare 40 Hektar große Schwentinenpark mit 400 Tieren (ganzjährig von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang geöffnet). Füttern und Streicheln vielfach erlaubt.

Lütjenburg

<p>Der Brunnen von Lütjenburg.</p>

Der Brunnen von Lütjenburg.

Foto: grafikfoto.de

Historischer Marktplatz, barockes Rathaus, St. Michaelis-Kirche, ein altes Färberhaus (Sitz des Standesamtes) mit üppig verzierter Tür – Lütjenburg, 5500-Seelen-Luftkurort im Kreis Plön, ist eine Stadt wie aus dem Bilderbuch. Kulturinteressierte finden in der nördlichen Seitenkapelle St. Michaels mit dem Grabmal für Otto von Reventlow ein herausragendes Beispiel für die Kunst der Spätrenaissance. Wahrzeichen der Stadt ist der auf dem mit 60 Metern höchsten Punkt der Stadt gebaute, 18,6 Meter hohe Bismarckturm, der im Parterre Gastronomie und auf der Aussichtsplattform einen grandiosen Blick bis zur Ostsee zu bieten hat. Wer noch mehr sehen will: In der Stadt gibt es Turmhügelburg und Eiszeitmuseum.

Bordesholmer Land

Bordesholm (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ist schön, das Land drum herum noch schöner. Geschichte gibt es hier reichlich zu erkunden, das Gebiet wird nachweislich seit der Altsteinzeit besiedelt. Die heute knapp 7500 Einwohner große Stadt entstand um 1330 auf einer ehemaligen Insel im Bordesholmer See. Vor der Stadt kommen Natur- und Wanderfreunde reichlich auf ihre Kosten. Und wer sich für seltene oder vom Aussterben bedrohte Haus- und Nutztierrassen interessiert, der hat mit den mehr als 750 Tieren (86 Rassen) auf den zirka 40 Hektar der nahen Arche Warder Europas größten Tierpark dieser Art beinahe vor der Nase.

Neumünster: Gerisch Skulpturenpark

Hier ist Kultur der sehr besonderen Art zu erwandern: Im Gerisch Skulpturenpark von Neumünster gehen bildende und Gartenkunst eine faszinierende Verbindung ein. Zwischen stehenden und fließenden Gewässern, zwischen Inseln mit grünenden und blühenden Arrangements präsentieren sich Skulpturen international bekannter Künstler. Die zehn Figuren große Gruppe „Schreitende“ von Magdalena Abakanowicz, ein Kopffüßler von Horst Antes, der „Kopf der Venus“ von Markus Lüpertz, die „Infantin Margarita“ von Manolo Valdés fügen sich überraschend und selbstverständlich zugleich in die Anlage. Man steht, staunt und fühlt. Wenn moderne Kunst erfahrbar wird, dann hier.

Meldorf

Hier lernt man sehen: Wer nach Meldorf kommt, merkt schnell, warum der 7200 Einwohner große Ort als Kulturhauptstadt des Kreises Dithmarschen bezeichnet wird. Im wahrsten Wortsinn größte Attraktion ist der zwischen 1250 und 1300 erbaute Meldorfer Dom mitten in der Stadt – eine Kirche mit hochpolitischer Vergangenheit; während der Bauernrepublik Dithmarschen wurden in dieser Kirche Entscheidungen für ganz Dithmarschen getroffen. Außerdem am Ort: das Dithmarscher Landesmuseum, das Schleswig-Holsteinische Landwirtschaftsmuseum, die Historische Handweberei. Bäume bekommen von der Stadtverwaltung unter den Sehenswürdigkeiten einen Ehrenplatz. (www.meldorf-urlaub.de)

Lübecks Gänge

Sieben Türme, Holstentor, jede Menge weltberühmter Backstein: Gibt es etwas, das in Lübeck noch überraschen könnte? Aber klar, die Gänge zum Beispiel. In der alten Hansestadt existieren noch rund 90 der Wohnanlagen, die einst aus purer Raumnot auf Höfen giebel-ständiger Vorderhäuser gebaut wurden und heute begehrte und liebevoll gepflegte Wohnquartiere sind. Viele können betreten werden. Balhorns Gang, Hellgrüner Gang, Kattundrucker-Gang, Spinnrademacher-Gang, Weintrauben-Gang – ihre Namen erzählen mittelalterliche Geschichten. Wer will, kann sich auch führen lassen. Auskunft gibt es im Welcome Center, Holstentorplatz 1, 23552 Lübeck.

Glückstadt

<p>Die Stadt mit dem Glück: Glückstadt punktet dank des stimmungsvollen Binnenhafens.</p>

Die Stadt mit dem Glück: Glückstadt punktet dank des stimmungsvollen Binnenhafens.

Foto: grafikfoto.de
 

Wer hätte gedacht, dass mit Glückstadt (Kreis Steinburg) an der Unterelbe einst geplant war, dem expandierenden Hamburg die Stirn zu bieten? Dänenkönig Christian IV. hatte das jedenfalls im Sinn, als er 1617 den Ort mit der Anordnung „Dat schall glücken und dat mutt glücken, und denn schall se ok Glückstadt heten!“ (Das soll glücken und das muss glücken, deshalb soll sie Glückstadt heißen!) gründete. Heute ist die 1,734-Millionen-Metropole Hamburg zwar trotzdem größer als das 11.150 Einwohner große Glückstadt, an Schönheit hat das aber prozentual gesehen staunenswert viel zu bieten: historische Häuser und Adelshöfe, Schloss und im Zentrum einen Markt mit Rathaus, Kirche und Fleth.

Mölln

<p>Der Brunnen von Lütjenburg.</p>

Der Brunnen von Lütjenburg.

Foto: grafikfoto.de

Elbe-Lübeck-Kanal, Ziegelsee, Stadtsee, Schulsee, Hegesee, Schmalsee, Lütauer See: Mölln im Kreis Herzogtum Lauenburg ist mit insgesamt elf nahen Seen ein Paradies für Wasserratten. Badestellen gibt es in Zentrumsnähe, Kurpark und Wälder auch. Und dann ist da noch die Sache mit Till Eulenspiegel. Der Narr, so weiß es die Überlieferung, starb hier nach getanen Streichen 1350, ein Gedenkstein auf dem Markt erinnert an ihn. Gleich nebenan stehen das Eulenspiegel-Museum und Heimatmuseum im backsteingotischen Alten Rathaus. Und auf dem höchsten Punkt der alten Stadt wacht die Kirche St. Nicolai.

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erstellt am 07.Aug.2016 | 12:53 Uhr

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