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Schleswig-Holstein

08. Dezember 2016 | 09:00 Uhr

Wachdienst-Branche in SH : Das Geschäft mit der Sicherheit boomt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mehr Jobs, steigende Umsätze – die Wachdienst-Branche in Schleswig-Holstein verzeichnet eine deutlich erhöhte Nachfrage.

Bewachung der Flüchtlingsunterkünfte, hohe Einbruchskriminalität, vermehrte Angst vor Terror und ein Bedürfnis nach mehr Sicherheit – die Branche der Wach- und Sicherheitsunternehmen erlebt derzeit einen ebenso deutlichen wie anhaltenden Boom. Das belegen Zahlen des Bundesverbands der Sicherheitswirtschaft (BDSW) in Berlin und der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit. So stieg die kontinuierlich zunehmende Zahl der in diesem Gewerbe Beschäftigten im Norden allein vergangenes Jahr im Vergleich zu 2014 um 1444 auf 9506 an. Waren im August 2015 von 233 freien Stellen 71 neu gemeldet, so betrug dieses Verhältnis im Februar dieses Jahres 426 zu 192. Der Umsatz der 140 Unternehmen in Schleswig-Holstein lag im vergangenen Jahr bei rund 220 Millionen Euro, bundesweit stieg er von 6 Milliarden (2014) auf 6,9 Milliarden Euro (2015) an.

„Den Aufwind in unserer Branche gibt es aktuell hauptsächlich durch die Asylbewerberheime“, sagt Lutz Kleinfeld, Landesvorsitzender des BDSW. Er rechnet: Wenn etwa in einer Erstaufnahme 1000 Menschen lebten, müsse man von einem Bedarf an rund 40 Sicherheitsleuten zum Schutz der Bewohner ausgehen. Von einem „unheimlichen Wachstum“ spricht in diesem Zusammenhang Roland Struck von der in Kaltenkirchen (Kreis Segeberg) ansässigen Firma Pütz Security. Die zuvor 800 Mitarbeiter im Raum Hamburg und Schleswig-Holstein habe man im vergangenen Jahr um 250 aufstocken müssen. Die hohe Einbruchskriminalität mache sich in erster Linie über die vermehrte Nachfrage nach Sicherheitstechnik bemerkbar, so Kleinfeld. „Aber gerade in ländlichen Bereichen mit höherem Wohlstand und weniger starker Polizeipräsenz gibt es auch zunehmend Anfragen von Privatkunden, ob sich die Funkstreifen der Polizei nicht durch private verstärken ließen.“

Bei den gewerblichen Kunden sieht Kleinfeld die Autohäuser seit vielen Jahren als latentes Thema. Organisierte Banden klauen Autos – oder schlachten sie als Ersatzteillager aus. „Die gehen dabei mit großer Gewalt vor, derzeit sind LED-Scheinwerfer begehrt, die werden mit dem Schneidbrenner aus dem Auto gesägt, weil sie 1500 Euro wert sind, der Schaden am Wagen ist denen völlig egal.“

Das Kieler Unternehmen Hauschildt & Blunck ist auf die Bewachung von Banken, Sparkassen oder auch Ministerien spezialisiert. „Wir bemerken, dass unsere Kunden bei der Sicherheit sowohl im personellen Bereich als auch bei der Technik hochrüsten“, sagt Geschäftsführer Niels Blunck. Hintergrund seien neben verschärften internen Regularien zur Abwehr von Gefahren von außen oft auch gestiegene Auflagen der Versicherer, die es zu erfüllen gelte.

Die Angst vor Terrorismus sei im öffentlichen Raum zunehmend spürbar, sagt Roland Struck, „überall dort, wo viele Menschen zusammen kommen.“ Bei Großveranstaltungen würden heute oft mobile Metalldetektoren eingesetzt und die Vorgaben bei Durchsuchungen gesteigert. „Neu sind Theater, bei denen Sicherheitspersonal zuvor verpönt war“, so Struck. Er nimmt insgesamt einen „interessanten Trend“ wahr: „Früher wurde oft gefragt, wozu man denn den Sicherheitsdienst braucht. Heute fragt man, wo er ist.“ 

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erstellt am 12.Sep.2016 | 19:31 Uhr

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