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Schleswig-Holstein

10. Dezember 2016 | 12:01 Uhr

Rücktritt von Ingbert Liebing : Daniel Günther: Der neue Herausforderer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Daniel Günther soll die CDU aus dem Umfragekeller führen. Wer ist der Eckernförder eigentlich? Ein Porträt.

Jetzt ruhen die Hoffnungen der Nord-CDU also auf Daniel Günther. „Der Ministerpräsident kann sich warm anziehen“, sagte er schon vor zwei Jahren, als er überraschend den Fraktionsvorsitz übernahm. Seit Freitag will er als Spitzenkandidat seiner Partei Albig nun höchstpersönlich vom Thron schubsen und die Partei in den Wahlkampf führen.

Als Oppositionsführer im Landtag hat sich Daniel Günther in den letzten zwei Jahren profiliert. Schon seit längerem gab es in der Partei Stimmen, Günther sei der bessere Spitzenkandidat.

Der 43-Jährige gilt als Kind der Generation Kohl. Der ist Kanzler, als Günther seine ersten Schritte in der Jungen Union macht, und auch noch im Amt als er in den 90er-Jahren Volkswirtschaftslehre und Psychologie studiert. Alle Jobs, die der bekennende Bayern-München-Fan (der aber auch eine Dauerkarte für das Volksparkstadion besitzt) danach bekleidet, hat er der CDU zu verdanken. Bei ihr steht er fünf Jahre als Kreisgeschäftsführer in Rendsburg-Eckernförde in Lohn und Brot, anschließend sieben Jahre als Landesgeschäftsführer. Für sie organisiert er Parteitage und managt Wahlkämpfe.

Ehrgeizig und kämpferisch - aber es fehlt an Erfahrung in der Exekutive

Seit 2009 sitzt Günther auch im Landtag. Das Mandat hat er, weil er sich schnell als innerparteiliches Talent erwiesen hat. Der Mann, der den Wahlkreis Eckernförde zwei Mal direkt gewinnt, hat gelernt, strategisch zu denken. Nur in der Lolita-Affäre um Partei- und Fraktionschef Christian von Boetticher gerät er kurzfristig innerparteilich in die Kritik. Manch einer vermutet in ihm denjenigen, der den Sturz von Boettichers vorangetrieben haben soll – doch geschadet hat das seiner Politkarriere ganz offensichtlich nicht.

Mit von Boettichers Nachfolger Jost de Jager, ebenfalls aus Eckernförde, versteht sich Günther besser. Dennoch kann und will er sich nach de Jagers Rückzug nicht gleich in die erste Reihe der CDU stellen. Er gibt sich zunächst mit dem Amt des hochschulpolitischen Sprechers der Landtags-CDU zufrieden, zeigt sich in Parlamentsdebatten eloquent, manchmal wird ihm Stromlinienförmigkeit vorgeworfen. Dass er als Katholik in der protestantisch geprägten Nord-CDU zur Minderheit gehört, ist kaum spürbar.

Und manchmal wirkt Günther auf die Konkurrenten in den Regierungsfraktionen „wie ein Junge aus der Schüler-Union“. Dabei ist Günther ehrgeizig und kämpferisch – allerdings fehlt ihm in seiner politischen Laufbahn die Erfahrung in der Exekutive.

Torsten Albig sollte sich warm anziehen

Nach dem überraschenden Rückzug des Parteivorsitzenden Reimer Böge und des Fraktionschefs Johannes Callsen vor zwei Jahren kommen auf den „Jüngling“ neue Aufgaben zu: Günther wird Fraktionschef – wohl auch, weil es keine überzeugende Alternativen gibt. Den vakanten Parteivorsitz übernimmt Ingbert Liebing, der dann mit überwältigender Mehrheit auch zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im Mai kommenden Jahres gekürt wird.

Doch in Schleswig-Holstein – vor allem in der Nord-CDU – kommt es immer wieder anders als man denkt. Wie so oft gibt es Querelen, in deren Folge Liebing gestern als Spitzenkandidat entthront wird und die ihn auch das Amt als Parteivorsitzenden kosten. Offiziell hat er freiwillig die Segel gestrichen.

Günther, der den Nordfriesen aus Sylt jetzt beerben soll, hat mit ihm zwar einiges gemeinsam: Beide leben von und in der Politik – schon ihr Leben lang. Doch Günther ist im Land und auch in den Medien präsenter, hat im Landtag als Oppositionsführer an Profil gewonnen und verhält sich relativ geschickt im politischen Haifischbecken. Der Vater einer kleinen Tochter wirkt zielstrebig, und der Politikbetrieb macht ihm offensichtlich Spaß. Für ihn heißt Opposition nicht: Alles, was die Regierung macht, ist schlecht, sondern er will konstruktiv mitgestalten.

Die 40-Prozent-Marke, die Günther für seine Union noch vor zwei Jahren anstrebte und die zuletzt 2005 die CDU-Ikone Peter Harry Carstensen knackte, gilt zwar selbst bei Optimisten inzwischen als Illusion. Warm anziehen sollte sich Albig trotzdem. Bei der Debatte über das Krippengeld zeigte Günther kürzlich, dass er auf Angriff schalten kann.

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erstellt am 28.Okt.2016 | 19:40 Uhr

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