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Schleswig-Holstein

11. Dezember 2016 | 14:56 Uhr

Sommerferien in Dänemark : Dänische Ferienhäuser: Kaufverbot für Ausländer wackelt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Einige Kommunen klagen über Leerstände – doch nach wie vor ist die Skepsis groß. Modellregionen könnten zeigen, wie sich die Immobilienmärkte entwickeln.

Kopenhagen | Dänemark will sein europaweit einmaliges Verbot für den Kauf von Sommerhäusern durch Ausländer lockern. Das geht aus dem Regierungsprogramm der neuen Drei-Parteien-Koalition hervor, die Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen gebildet hat. Darin kündigt das Bündnis aus Rechtsliberalen, Liberaler Allianz und Konservativen einen Testlauf in mehreren Kommunen an. Dort soll eine Versuchsordnung Bürgern anderer Länder den Erwerb von Ferien-Immobilien erlauben.

Eine Liberalisierung des Ferienhausmarktes in strukturschwächeren Regionen kann diese für deutsche Urlauber interessanter machen. Vor allem Inseln wie Møn könnte dann ein Sylt-Effekt mit hohen Immobilienpreisen drohen.

Damit reagiert die Regierung auf eine in den vergangenen Jahren immer lauter gewordene Forderung aus den Reihen der Gemeinden. In einer Umfrage des kommunalen Dachverbands Mitte 2014 hatte sich die Hälfte der Bürgermeister dafür ausgesprochen, den Markt für Ausländer zu öffnen. Grund ist ein hartnäckiger Leerstand. Rund 11.000 Ferienhäuser stehen zum Verkauf. Das sind mehr als viermal so viele wie vor zehn Jahren. Nach Recherchen des Verbands der dänischen Baubranche vergehen im Durchschnitt 380 Tage, bis ein Objekt einen Käufer findet. Besonders viele verwaiste Ferienhäuser gibt es zum Beispiel im dänischen Teil der Fehmarnbelt-Region auf Lolland, Falster, Møn und Südseeland.

Es ist damit zu rechnen, dass sich die Kommunen dort auf jeden Fall für das Modellprojekt bewerben. Dort haben sich bereits in der Vergangenheit besonders viele Befürworter einer Freigabe zu Wort gemeldet. Wann der Testlauf starten könnte, ist noch unklar. Ebenso wie die Frage, ob die Initiative eine Mehrheit findet. Denn die Minderheitsregierung muss dafür im Parlament erst genügend Stimmen organisieren.

Dänemark hatte sich beim EU-Beitritt 1973 zusichern lassen, seinen Ferienhaus-Immobilienmarkt nicht für Ausländer zu öffnen. Man fürchtete einen Ausverkauf an Deutsche. Viele Dänen hatten Angst, dass die Nachfrage aus der großen Bundesrepublik die Preise nach oben treiben würden. Zahlreiche Stimmen wandten sich auch aus historischen Gründen dagegen, weil sie die Besetzung ihres Landes durch Deutschland im Zweiten Weltkrieg nicht verwunden hatten.

Beide Punkte sind auch in der heutigen Debatte noch nicht völlig tot. Im Vordergrund steht bei Skeptikern die Sorge, dass deutsche Eigentümer die Häuser entfernungsbedingt seltener bewohnen würden. Und die Annahme, dass sie weniger an Gäste vermieten würden als Dänen es tun. Das hätte dann niedrigere Übernachtungszahlen und touristische Umsätze zur Folge.

Allerdings ist dies Spekulation, wie Befürworter einer Markt-Öffnung betonen. Und: Auch zwei Drittel der dänischen Ferienhaus-Eigentümer vermieten nicht.

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erstellt am 30.Nov.2016 | 10:49 Uhr

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