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Schleswig-Holstein

04. Dezember 2016 | 04:56 Uhr

Versicherungsschäden in SH : „Christian“: Teuerster Orkan aller Zeiten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Allein die Provinzial-Versicherung rechnet mit Schäden von bis zu 80 Millionen Euro. Zwei Fälle in Flensburg und Dithmarschen werden besonders teuer. Gutachter sind noch Wochen lang beschäftigt.

Der Orkan „Christian“ hat zu deutlich höheren Versicherungsschäden geführt als der letzte ähnlich starke Sturm „Anatol“ im Dezember 1999. Bei der Provinzial Nord, bei der jedes dritte Wohngebäude im Land versichert ist, haben die Schleswig-Holsteiner bisher Schäden im Volumen von 60 bis 80 Millionen Euro gemeldet. Nach „Anatol“ waren es 46 Millionen. Ähnlich fällt der Unterschied bei den Itzehoer Versicherungen aus: Seit Montag letzter Woche gingen dort Schadensmeldungen von 13 Millionen Euro ein – nach „Anatol“ wurden lediglich fünf Millionen fällig.

Während die Provinzial nach dem Sturmtief „Verena“ 1993 mit 67 Millionen Euro noch eine Verwüstung ähnlicher Größenordnung wie jetzt registriert hat, nennt Itzehoer-Sprecher Thiess Johannssen „Christian“ „das größte Gesamtschadensereignis unserer mehr als 100-jährigen Unternehmensgeschichte“. Hinter den Meldungen stecken bei der Itzehoer 2000 Fälle, in denen Gebäude in Mitleidenschaft gezogen wurden. 700 Mal wurden Autos beschädigt. Obwohl 50 Gutachter im Einsatz seien, kann es Johannssen zufolge „drei bis vier Wochen“ dauern, bis alle Vorort-Termine abgewickelt sind.

Die Provinzial Nord hat sogar 55.000 Schadensfälle verzeichnet. Zwar hat das Gros laut Schadenversicherungsvorstand Matthew Wilby ein kleineres und mittleres Volumen. „Aber wir haben mit 50 Stück auch ungewöhnlich viele Großschäden, die mit jeweils mehr als 100.000 Euro zu Buche schlagen.“ Knapp an eine Million Euro heran reichen ein Fall in Flensburg, wo ein Wohnblock sein Flachdach eingebüßt hat, und ein Ereignis bei Wesselburen in Dithmarschen, wo eine landwirtschaftliche Halle einstürzte. Die meisten Zerstörungen konzentrieren sich bei beiden Versicherern auf die Regionen westlich der A7 und in Schleswig-Flensburg auch östlich davon. Am stärksten glühten die Drähte in den Provinzial-Geschäftsstellen Bredstedt und Schafflund bei Flensburg: Dort wurden je 1500 Vorfälle gemeldet, in Bredstedt 800 allein am ersten Tag nach dem Orkan.

Schleswig-Holsteins 480 Dachdecker-Firmen arbeiten nach Angaben von Landesinnungs-Geschäftsführer Jan Juraschek „statt normalerweise 40 nun 60 bis 70 Stunden pro Woche – dennoch wird es nicht reichen, um alle zufriedenzustellen“. Pro Betrieb rechnet er mit 600 Sturmschäden. Würden sich seine Kollegen nicht auf Notreparaturen konzentrieren, „wären jetzt schon Wartezeiten von vier bis sechs Wochen“ an der Tagesordnung. Mehr Dachdecker ließen sich nicht einstellen – „der Markt ist leergefegt“. Doppelt ärgerlich, weil es vor Winteranbruch auch noch zahlreiche reguläre Aufträge abzuwickeln gelte. Dort drohten sonst Vertragsstrafen oder Schadensersatz. „Da abzuwägen, das bringt manche in eine schwierige Lage.“

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erstellt am 05.11.2013 | 07:00 Uhr

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