zur Navigation springen

Schleswig-Holstein

05. Dezember 2016 | 19:46 Uhr

WOA 2016 : Böller-Explosion in Wacken – Feuerwehrmann: „Es war alles ganz anders“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Polizei hatte gemeldet, dass einem Mann ein halbes Ohr abgerissen wurde. Stimmt nicht, sagt der Betroffene.

Wacken | Es war die Schlagzeile des Festivals: „Metaller verliert in Wacken halbes Ohr bei Böller-Explosion“. Eine Woche nach dem Unglück spricht nun der „Ohr-ab-Mann“ und sagt: „Mein Lauscher ist noch dran – und auch sonst stimmt die Geschichte so nicht.“

Die Polizei hatte gemeldet, dass zwei Männer versuchten, eine illegale Feuerwerksrakete aus einer Flasche zu starten. „Als die Rakete nach dem Anzünden umfiel und die beiden sie wieder aufstellen wollten, explodierte diese“, hatte Polizeisprecher Stefan Hinrichs von der Direktion in Itzehoe erklärt. Und: „Einem der Männer wurde ein halbes Ohr abgerissen.“

Am Freitag zeigte Sönke Brandstaedter (51) aus Borgstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) unserer Zeitung sein angeblich halbiertes linkes Ohr: „Alles ist dran. Ich habe wegen einer Verletzung des Trommelfells zwar stark geblutet, aber es wurde nichts abgerissen.“ Noch mehr ärgert ihn, dass die Polizei ihn als einen verantwortungslosen Zündler hinstellt: „Ich wollte dem Mann untersagen, dass er die Rakete zündet, bin hingelaufen und habe geschrien: ,Du hast sie wohl nicht alle‘. Doch da war es schon zu spät, und das Ding explodierte am Boden.“ Brandstaedter erklärt, er sei seit über 30 Jahren Feuerwehrmann. „Ich habe viele Menschen gerettet, da macht man so einen Unsinn nicht.“

Die Polizei revidierte am Freitag die Information, dass auch Brandstaedters Wohnung nach illegalen Sprengkörpern durchsucht worden sei. Jana Maring, Sprecherin des Landeskriminalamts (LKA) in Kiel, das mittlerweile ermittelt: „Es gab nur eine Durchsuchung beim Besitzer der illegalen Pyrotechnik.“ Bei dem 50-Jährigen aus Rendsburg wurden diverse „Polen-Böller“ mit starker Sprengkraft entdeckt.

Bei der Aussage, Brandstaedter habe dem Rendsburger beim Anzünden der Rakete geholfen, stützt sich die Polizei auf eine Zeugenaussage. Am Freitag stellten die Ermittler diesbezüglich klar: Beide Beschuldigte sind noch gar nicht vernommen worden. LKA-Sprecherin Jana Maring: „Wir wissen also tatsächlich nicht, ob der Borgstedter ein Unglück verhindern wollte oder ob er ein Beteiligter an dieser Straftat ist. Wir ermitteln derzeit völlig ergebnisoffen.“ Gegen beide Männer läuft ein Strafverfahren wegen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion.

Blaulichtmonitor

Was ist der Blaulichtmonitor?

 
zur Startseite

von
erstellt am 13.Aug.2016 | 12:25 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert