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Vizeadmiral Rainer Brinkmann : Befehlshaber der Flotte: „Deutsche Marine am Limit“

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Aus der Onlineredaktion

Mehr Aufgaben, zu wenig Personal und operativ verfügbare Einheiten: Die Marine ist an der Belastungsgrenze.

Kiel | Die Aufgabenfülle der deutschen Marine wird nach Einschätzung von Vizeadmiral Rainer Brinkmann in Zukunft weiter wachsen. „Dazu gehören der Schutz des maritimen Welthandels, die Landes- und Bündnisverteidigung und internationale Krisen“, sagte der Befehlshaber der Flotte in Kiel. „Ein Blick auf unseren Alltag zeigt, dass die Marine bereits heute bis an ihre Grenze belastet ist.“ Deutschland sei vom maritimen Raum extrem abhängig und müsse dieser Tatsache mehr berücksichtigen.

Seehandelswege schützen, Bündnispflichten, internationale Krisen: Die deutsche Marine wird immer stärker gefordert. Der Befehlshaber der Flotte, Vizeadmiral Rainer Brinkmann, sieht die Marine am Limit der Belastbarkeit. Hinzu kommen Personalprobleme.

„Der ungehinderte Güteraustausch über See ist Rückgrat und Achillesverse unserer Wirtschaft“, betonte Brinkmann. Mehr als 90 Prozent aller Waren weltweit gelangten per Schiff zum Endverbraucher. Neben dem Schutz der Handelswege und der Freiheit der Meere trage die Marine „als weiterem maßgeblichen Auftrag zur Konfliktverhütung und Krisenvorsorge bei“. Brinkmann verwies auf die Flüchtlingrettung und Schleuserbekämpfung im Mittelmeer, den Nahost-Konflikt, Syrien und die Piraterie am Horn von Afrika. Im Kampf gegen den Islamischen Staat habe die deutsche Marine zwei Mal bereits längere Zeit den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ geschützt.

Auf die Frage, ob die deutsche Marine eigene Marschflugkörper von U-Booten oder Schiffen abschießen können sollte wie etwa die USA, antwortete Brinkmann: „Wir überprüfen ständig, welche Fähigkeiten die Marine in Zukunft benötigt.“ Künftig könnten die Fregatten der Klasse 124 ballistische Raketen schon im Weltraum orten. „Die Schiffe werden damit Teil des 360-Grad-Raketenschutzschildes der NATO.“

Die Gewährleistung der territorialen Integrität Deutschlands und unserer Bündnispartner gerät laut Brinkmann verstärkt in den Blick. „Russlands Präsident Wladimir Putin zwingt uns mit seiner militärisch intonierten Machtpolitik in Südossetien, auf der Krim und in Syrien dazu.“ Die Ostsee sei „vom ehemaligen Aufmarschgebiet des Warschauer Paktes und späteren Spielwiese der Freundschaft zur strategischen Trasse der Unterstützung unserer Partner etwa im Baltikum“ geworden.

Im Vergleich zu den Zeiten des „Kalten Krieges“ sei die Marine auf ein Drittel gestutzt. Mit den fliegerischen Einheiten habe die Marine noch 50 Einheiten, von denen aber wegen des Zyklus Instandsetzung, Ausbildung und Einsatz immer nur ein Drittel operativ verfügbar sei.

„Wir haben auch Personalprobleme, uns fehlen vor allem Elektroniker und IT-Spezialisten“, sagte Brinkmann. Notwendig sei eine auf die Marine abgestimmte Personalwerbung. „Wir stehen mit der Wirtschaft in einem harten Konkurrenzkampf um die besten Köpfe, und da bedarf es der Anreize. Wir müssen attraktive Rahmenbedingungen gerade für den Dienst an Bord schaffen.“ Die Marine hat zurzeit 12.000 Kräfte.

Als notwendig bewertete Brinkmann die Trendwende, dass erstmals seit 1990 die deutschen Streitkräfte wieder wachsen. Auch die Marine werde gestärkt, um ihre gewachsenen Aufgaben erfüllen zu können. „Das sehen wir heute schon in diversen maritimen Rüstungsprojekten.“ Der Vizeadmiral verwies auf zwei weitere U-Boote (insgesamt dann acht), die Indienstellung der ersten Fregatte F 125 in diesem Jahr und die Modernisierung des „Rückgrates unsere Flotte“, die Fregatten der Klassen 123 und 124.

Noch vor der Bundestagswahl am 24. September solle es zu einem Vertragsabschluss für ein zweites Los der Korvette K130 kommen. Wohl erst nach der Wahl dürfte dagegen der Vertrag für das Mehrzweckkampfschiff 180 geschlossen werden. Es soll weltweit operieren und militäristisch unterschiedlichste Aufgaben erfüllen können. Ab 2019 erhält die Hubrschrauberflotte mit dem Sea Leon erneuert und der in die Jahre gekommene Sea King ausgemustert werden. Ebenfalls 2019 kommen die ersten größeren Drohnen an Bord der Korvetten. Etwa ab 2020 sei die Anschaffung neuer Tanker vorgesehen.

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erstellt am 09.Apr.2017 | 09:48 Uhr

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