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Schleswig-Holstein

05. Dezember 2016 | 01:38 Uhr

Gross Pampau : Bedeutende Entdeckung: Skelett eines Urwals samt Beckenknochen gefunden

vom

Eine Kiesgrube in Groß Pampau wird erneut zur Schatzgrube für Archäologen. Ein Beckenknochen löst Jubel aus.

Groß Pampau | Die Tongrube der Firma Ohle & Lau in Groß Pampau bei Schwarzenbek (Kreis Herzogtum Lauenburg) macht ihrem Namen als wahre „Fundgrube“ weiterhin alle Ehre: Am Donnerstag präsentierte das ehrenamtliche Grabungsteam des Lübecker Museums für Natur und Umwelt einen weiteren sensationellen Fund. Erstmals in Europa konnte an einem Wal-Skelett ein rudimentärer Beckenknochen nachgewiesen werden. „Das ist eine fantastische Sache“, schwärmte Oliver Hampe, Paläontologe der Berliner Humboldt-Universität, der für die wissenschaftliche Bewertung der Arbeit zuständig ist.

Es ist eine geologische Besonderheit, die die Tongrube von Groß Pampau zur Fundgrube für Paläontologen macht. Seit 1984 wurden bereits elf Wal-Skelette entdeckt. Statt in 150 Metern Tiefe liegt der ehemalige Meeresboden der Ur-Nordsee samt der darin eingeschlossenen Fossilien hier nur etwa 30 bis 40 Meter unter der Oberfläche. Einem Salzstock, der sich unter der Tonschicht befindet, ist dieser Umstand zu verdanken. Der Ton wird ganz langsam nach oben gedrückt, beim Abbau stoßen die Experten immer wieder auf Fossilien. Der Ton wird durch die Firma Ohle & Lau unter anderem für Deponieabdichtungen ausgebeutet. „Wir haben hier das Glück, dass die Grabungen mit dem Betriebsablauf kompatibel sind“, dankte Hans Wißkirchen, der Direktor der Lübecker Museen, den Grubenbetreibern für die Unterstützung.

Knochen eines Wals sind in Groß Pampau auf einer Plane ausgelegt.
Knochen eines Wals sind in Groß Pampau auf einer Plane ausgelegt. Foto: dpa

„Zuerst war nur ein kleines Knochenteil in der Steilwand, die gerade abgetragen wurde, zu sehen. Das stellte sich dann als Schwanzwirbel heraus“, erinnert sich Wolfgang Höpfner vom Grabungsteam des Museums an das erste Teil des neuen Fundes. Weitere Wirbel folgten – und plötzlich konnten die Paläontologen mit den Sondiernadeln gar nicht mehr durch den Ton dringen: Da waren sie auf den Schädel gestoßen. Inklusive Kiefer und Gehörgang lag alles dicht beisammen. Andreas Malchow legte schließlich den Beckenknochen frei, der einem Geweih ähnelt. „So etwas hatte natürlich noch niemand von uns gesehen, da mussten wir schon überlegen, was es sein könnte“, sagt Malchow. Hampe bestätigte am Donnerstag, dass es sich um einen im Laufe der Evolution zurückgebildeten Beckenknochen handelt. Der Beweis dafür, dass Wale früher auch an Land unterwegs waren und laufen konnten. Er wird jetzt mit internationalen Kollegen den neuen Fund ganz genau untersuchen.

Wißkirchen kündigte an, dass sich das Museum für Natur und Umwelt künftig schwerpunktmäßig um Groß Pampau kümmern werde. Die Funde sollen im Museum moderner als bisher präsentiert werden, um den Menschen die Geschichte der Region zu präsentieren. „Diese Funde haben eine herausragende wissenschaftliche Bedeutung“, so Wißkirchen.

Wolfgang und Gerhard Höpfner, Andreas Malchow, Uwe Havekost, Svenja Warnke und Martin Kupsch hatten unzählige Stunden damit zugebracht, das Skelett freizulegen. Dazu ist neben Ausdauer vor allem Gefühl und Erfahrung gefordert, um nichts zu beschädigen. Mit Spaten, Spachtel und Pinsel wird der Ton vorsichtig abgetragen, um dann die Knochen freizulegen. 1,9 Millionen Tonnen des Materials dürfte die Grube nach Schätzung von Wolfgang Ohle noch hergeben, der Abbau wird noch Jahre dauern und über diese Zeit sicher weitere Funde bieten. Diesmal musste Regenwasser speziell abgeleitet und eine Baustraße verlegt werden. Doch der Aufwand gilt bei der neuesten Sensation als gerechtfertigt. Hampe ist überzeugt, dass der Beckenknochen neue Erkenntnisse zur Evolution bringen wird.

Zuletzt war in der Kiesgrube im Juli das Skelett einer Ur-Robbe entdeckt worden.

Es ist eine geologische Besonderheit, die die Grube von Groß Pampau zur Fundgrube für Paläontologen macht. Statt in 150 Metern Tiefe liegt der ehemalige Meeresboden samt der darin eingeschlossenen Fossilien hier nur etwa 30 bis 40 Meter unter der Oberfläche. Woran das liegt, erläutert Oliver Hampe vom Berliner Museum für Naturkunde, der die Pampauer Walfunde wissenschaftlich betreut. „Unter der Tonschicht, in die die Tiere nach ihrem Tod eingesunken sind, liegt ein Salzstock. Der drückt die darüber liegenden Bodenschichten ganz langsam nach oben“, sagte Hampe. Durch den Kiesabbau werden die über dem Ton liegenden Bodenschichten abgetragen und die Skelette werden sichtbar.

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erstellt am 06.Okt.2016 | 15:15 Uhr

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