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Schleswig-Holstein

04. Dezember 2016 | 11:18 Uhr

Einbruchskriminalität : Bauernhof-Diebe kommen ungeschoren davon

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bei Landwirten in SH wird gerne geklaut – im vergangenen Jahr mehr als 250 Mal. Der Schaden: über eine halbe Million Euro.

Gebeutelt von den Milchpreisen, gedeckelt von der EU und kritisiert von den Tierschützern – die Landwirte in Schleswig-Holstein haben derzeit keinen leichten Stand. Zu allem Überfluss fallen die Bauern im Norden häufig Diebstählen zum Opfer – besonders jetzt, wo die dunkle Jahreszeit hereinbricht. 254 Mal wurde im letzten Jahr auf landwirtschaftlichen Betrieben eingebrochen. Der Gesamtschaden beläuft sich laut Kriminalpolizei auf 626.540 Euro.

Im Vergleich zu den Vorjahren war die Zahl der Diebstähle zwar relativ konstant, allerdings können die Täter immer seltener gefasst werden – die Aufklärungsquote ist seit 2011 von knapp 22 auf 15 Prozent gesunken. Beim Landeskriminalamt kann man sich diese Entwicklung nicht erklären. Man gehe hier eher von einem „Ausreißer“ im letzten Jahr aus, da die Quote in den Jahren zuvor eher stabil gewesen sei. Ob weniger Fälle aufgeklärt werden, weil die Täter immer geschickter vorgehen, könne erst die Zeit zeigen. „Wir werden die weitere Entwicklung weiter verfolgen“, beteuert ein Sprecher.

Am schlimmsten trifft es die Bauern in den Kreisen Herzogtum-Lauenburg und Rendsburg-Eckernförde. Hier wurden im letzten Jahr 41 beziehungsweise 40 Fälle gemeldet, dicht gefolgt von Schleswig-Flensburg (35) und Segeberg (26).

Beliebtes Diebesgut sind Maschinen, Werkzeuge und Bargeld, aber auch private Gegenstände wie Laptops, Handys oder Schmuck sind vor den Langfingern nicht sicher. Im Kreis Steinburg wurde vor Kurzem sogar ein Täter dabei erwischt, wie er ein Dutzend Kohlköpfe direkt vom Feld klaute und in seinen Kofferraum lud. „Es fällt auf, dass die Diebe immer dreister werden“, sagt Kirsten Hess vom Landesbauernverband. Eine Zeit lang sei besonders viel Diesel geklaut worden, „im ganz großen Stil“.

In der Gemeinde Hagen (Kreis Segeberg) wurde im September ein kompletter, sechs Jahre alter Trecker der Marke John Deere (Wert: 90.000 Euro) von einem Milchviehbetrieb gestohlen – vermutlich weggeschleppt mit einem Tieflader. „Der Traktor war verschlossen auf einem ausgelagerten Komplex einer Hoffläche abgestellt worden“, sagt Peggy Bandelin, Sprecherin der Polizeidirektion Bad Segeberg gegenüber den Medien. „Er wurde vermutlich über eine angrenzende Grünfläche bis hin zur Straße gefahren und dort verladen.“

Häufig würden laut Kirsten Hess vom Landesbauernverband auch ganze Werkstätten ausgeräumt und alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest sei. In einem Fall seien die Täter sogar ein zweites Mal wiedergekommen, um sich die Ersatzteile zu holen. Meist wüssten die Diebe genau, in welchen Momenten sie unbeobachtet auf das Gelände eindringen können. „Ein landwirtschaftlicher Betrieb lässt sich schwer abschotten und leicht auskundschaften“, sagt sie.

„Das Problem ist, dass gerade im ländlichen Raum noch ein gewisses Urvertrauen herrscht“, sagte Michael Müller-Ruchholtz, Justiziar des Landesbauernverbands. Die Folge: Scheunen, Schuppen und Lagerhallen seien häufig nicht abgeschlossen – auch nachts. Das sollten Bauern unbedingt ändern, rät er. Ihr bisheriges Vorgehen lasse auf professionelle Banden schließen. Müller-Ruchholtz vermutet, dass die gestohlenen Waren nach Osteuropa gehen, weil sie sich in Deutschland gar nicht verkaufen ließen. „Der Schlepper- Markt ist ja nicht so groß wie der Pkw-Markt“, sagt er.

Die Polizei kann dies allerdings nicht bestätigen. „Bei den aufgeklärten Fällen handelt es sich fast ausschließlich um deutsche Täter“, sagte der Polizeisprecher. Allerdings sei deshalb nicht ausgeschlossen, dass ausländische organisierte Banden am Werk seien, die nach der Tat unbemerkt fliehen könnten. Auch wenn die Zahlen es nicht belegen – „gefühlt ist es schon mehr geworden mit den Diebstählen“, sagt Lennart Blunk, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Rendsburg-Eckernförde.

Jetzt, wo die Tage immer kürzer würden, hätten die Diebe ein besonders leichtes Spiel. „Die Landwirte machen sich schon Gedanken, wie sie sich selbst absichern können, besonders dann, wenn sie häufiger von Diebstählen betroffen sind.“ In solchen Fällen sollen künftig private Alarmanlagen und Überwachungskameras dabei helfen, die Täter zu überführen. Müller-Ruchholtz rät zu einer guten Hofbeleuchtung. Das schrecke Diebe ab.

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erstellt am 23.Okt.2016 | 16:33 Uhr

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