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Schleswig-Holstein

10. Dezember 2016 | 13:55 Uhr

Staatskanzlei Kiel : Autos, Immobilien, Bilder: Schleswig-Holstein erbt immer mehr

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

236 Nachlässe mussten Schleswig-Holsteins Behörden 2015 abwickeln. Der Verwaltungsaufwand ist groß.

Kiel | Ministerpräsident Torsten Albig erbt fast jeden zweiten Tag – ein Haus, ein Auto, ein Bild. Glücklich ist er darüber nicht immer, obwohl er keine Erbschaftssteuer zahlen muss. Seine Staatskanzlei ist jedesmal gefragt, wenn nach dem Tod eines Menschen keine Erben gefunden werden. Im letzten Jahr war das nach Auskunft der Kieler Staatskanzlei 236-mal der Fall. Nicht selten hatten die Verstorbenen zwar Verwandtschaft, aber die wollten das Erbe nicht antreten, weil auf der Immobilie Altlasten oder hohe Hypotheken liegen.

In der Regel wird das Haus dem Staat überlassen, wenn die Kredite noch nicht abbezahlt sind. Außerdem hat der Staat bundesweit eine nicht näher bezifferbare Zahl ganz oder halb verfallener Schrottimmobilien geerbt. Lästig für die Verwaltung sind vor allem Erbengemeinschaften - etwa die Eigentumsrechte an einem Drittel Reihenhaus.

Die Behörden sichten dann das Erbe, verkaufen was wertvoll ist – Haus, Grundstück, Auto – und begleichen damit die Schulden des Verstorbenen; soweit es geht. Bleibt etwas übrig, fließt das Geld in die Landeskasse – das waren im vergangenen Jahr immerhin 750.000 Euro (2010: 500.000 Euro). Allerdings ist der Verwaltungsaufwand für die Abwicklung solcher Fiskalerbschaften sehr hoch. Deren Zahl steigt im Norden rapide. Waren es 2010 noch 33 Fälle, sind es jetzt mehr als siebenmal so viele.

Der Staat ist inzwischen der größte Erbe von Wohnhäusern in Deutschland. Die 16 Bundesländer sind auf dem Wege der Erbschaft mittlerweile Allein- oder Miteigentümer von rund 10.000 Wohnhäusern und privaten Liegenschaften geworden. Den Rekord hält mit weitem Abstand Bayern, wo sich nach Angaben des Münchner Finanzministeriums derzeit 7251 Wohnhäuser im Besitz des Freistaats befinden. Gefolgt von Hessen und Thüringen mit 742 beziehungsweise 581 bebauten Grund- und Flurstücken. In Schleswig-Holstein befinden sich nach Angaben der Staatskanzlei aktuell 115 Liegenschaften durch Erbschaft im Besitz des Landes.

Die Fachleute in den Behörden werten die Zahlen als Indiz des demografischen Wandels. Der Anteil älterer Menschen ohne Angehörige steigt. Eine große Rolle spielen auch ökonomische Faktoren: So boomt in den Metropolen zwar die Wirtschaft, doch in vielen ländlichen Landesteilen schwindet die Bevölkerung. Dementsprechend lassen sich dort nur mit Mühe Käufer finden, die Immobilienpreise sinken. Kein Problem mit vererbten Häusern haben die Stadtstaaten, da dort sinkende Immobilienpreise unbekannt sind: Berlin meldet lediglich Einzelfälle, ebenso Hamburg. Bremen hat überhaupt nicht geerbt.

Insgesamt stehen in Deutschland nach einer Schätzung des Bundes zwei Millionen Wohnungen leer, die meisten davon in strukturschwachen ländlichen Regionen. In den Ballungsräumen dagegen fehlen Wohnungen. „Wir haben eigentlich genug Wohnraum in Deutschland – aber wir haben ihn an der falschen Stelle“, so Andreas Ibel, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft.

Außerdem hat der Staat bundesweit eine nicht näher bezifferbare Zahl ganz oder halb verfallener Schrottimmobilien geerbt. Lästig für die Verwaltung sind oft Erbengemeinschaften – etwa die Eigentumsrechte an einem Drittel Reihenhaus. Mitunter wird die öffentliche Hand aber auch bewusst als Erbe eingesetzt. Wie zum Beispiel die Stadt Quickborn: Als sie 2012 die vermachten Bankkonten auflöste und die geerbte Immobilie verkauft hatte, flossen 365.000 Euro ins Stadtsäckel.

Wertgegenstände wie Antiquitäten aber auch Autos und Elektrotechnik, die zum Hausstand der geerbten Immobilie gehören, verkauft das Land übrigens auf der Plattform www.zoll-auktion.de.

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erstellt am 01.Nov.2016 | 07:52 Uhr

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