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Schleswig-Holstein

23. März 2017 | 17:39 Uhr

Noch vor A7-Fertigstellung : Ausweichroute A1 wird die nächste Großbaustelle in SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Noch vor Ende des A7-Ausbaus eröffnet das Land auf der Ausweichroute A1 ebenfalls eine Baustelle.

Jes-Christian Hansen befürchtet Schlimmes. Der Prokurist des Hamburger Futtermittelherstellers Habema schickt jeden Tag rund 50 Lastwagen aus dem Hafen zu seinen Kunden in ganz Norddeutschland, ein Drittel davon über die A1 in Richtung Lübeck. Noch laufen die Touren auf der vielbefahrenen Autobahnstrecke meist ohne allzu große Verzögerungen – doch das wird sich ab April ändern, sorgt sich Hansen: „Dann werden wir morgens und abends regelmäßig Dauerstaus mit mehr als zehn Kilometern Länge haben.“ Seine Laster drohten „pro Richtung anderthalb Stunden zu verlieren“.

Der Grund für Hansens Pessimismus: Obwohl die A1 in Verbindung mit der A21 und der B205 als Ausweichroute für die Langzeitbaustelle auf der A7 dienen soll, lässt Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer ab dem Frühjahr nun auch die A1 auf viereinhalb Kilometern zwischen Barsbüttel und Stapelfeld sanieren und in beide Richtungen je eine der drei Fahrspuren sperren. Vom 24. April bis 31. August ist zuerst die Fahrtrichtung nach Hamburg dran, vom 1. September bis 8. Dezember dann die Gegenrichtung nach Lübeck. Dass Staus entstehen werden, räumt auch SPD-Mann Meyer in einer Antwort auf eine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion ein: „Durch die erforderliche Reduktion der Fahrstreifen-Anzahl von drei auf zwei Fahrstreifen je Richtung ist generell von einer Zunahme der Stauanfälligkeit des Streckenabschnitts auszugehen“, schreibt er etwas umständlich.

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Lange Staus sind umso wahrscheinlicher, als die A1 bei Stapelfeld zuletzt das stärkste absolute Verkehrswachstum in Schleswig-Holstein verkraften musste und die meistbefahrene Strecke im Land ist. So stieg die Zahl der Autos zwischen Barsbüttel und Stapelfeld laut neuer Verkehrszählung des Bundes in fünf Jahren um gleich 20.400 – auf 93.200 pro Tag. Ähnlich viele fahren nur im Folgeabschnitt Stapelfeld-Ahrensburg mit 95.100.

Kein Wunder, dass Prokurist Hansen wegen der geplanten Fahrspur-Sperrungen „Katastrophentage“ erwartet – und zwar nicht nur auf der A1, sondern auch auf der A7. Denn wenn die neue Baustelle eingerichtet sei, würden viele Autofahrer auf die A7 zurückkehren und die Ausweichroute nicht länger nutzen, glaubt der in Bad Oldesloe lebende Hansen: „Ob Sie eine halbe Stunde vor dem Elbtunnel stehen oder eine halbe Stunde vor Stapelfeld, ist ja egal.“

Dabei wollte Minister Meyer Behinderungen auf der Ausweichstrecke eigentlich vermeiden, bis der Ausbau der A7 auf sechs Spuren Ende nächsten Jahres abgeschlossen ist. Doch von dieser Absicht müsse „aufgrund nicht vorhersehbarer Zustandsverschlechterungen abgewichen werden, um drohende Sperrungen der A1 zu vermeiden“, erklärt der Minister. Zahlreiche Risse, Betonabbrüche und Schäden an den Fugen würden die Bauarbeiten bei Stapelfeld unumgänglich machen. Immerhin habe er „knapp bemessene Bauzeiten zur Beschleunigung der Maßnahme“ vorgeben lassen. Gearbeitet werden soll zudem „an allen Werktagen unter vollständiger Ausnutzung des Tageslichts“.

Das allerdings reicht dem CDU-Tourismusexperten Hartmut Hamerich nicht. Zwar bezweifelt der Ostholsteiner nicht die Notwendigkeit der Baustelle. Doch fürchtet er, dass Staus Urlauber abschrecken. Daher will Hamerich, dass die Arbeiten „so schnell wie möglich fertig werden“ – und fordert: „Auf der Baustelle muss an sieben Tagen rund um die Uhr gearbeitet werden.“ Ruhe solle nur an den drei Sommerwochenenden mit den höchsten Bettenwechslerzahlen herrschen. Meyer dagegen will Nacht- und Sonntagsarbeit aus Sicherheits- und Kostengründen nicht einfach anordnen, sondern überlässt die Entscheidung der Baufirma: „Es bleibt dem Auftragnehmer freigestellt, Sonntags- und Nachtarbeit einzuplanen, um die sehr eng kalkulierte Bauzeit einhalten zu können“, sagt Meyers Sprecher.

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erstellt am 03.Feb.2017 | 12:22 Uhr

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