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Schleswig-Holstein

09. Dezember 2016 | 14:39 Uhr

„Helgoland-Stipendium“ : Auch Nordfriesländer wollen mehr Geld für Unterricht an Land

vom
Aus der Onlineredaktion

Helgoländer Schüler bekommen für den Unterricht an Land bald mehr Geld. Das fordern andere Eltern nun auch.

Hooge/Helgoland | Damit Gudrun Binges Töchter Abi machen konnten, musste sie den beiden erst mal eine Wohnung auf dem Festland mieten. Die 61-jährige Mutter von drei Kindern lebt auf Hallig Hooge - spätestens nach der 10. Klasse ist auf der Zwergschule mitten im Wattenmeer Schluss. Alltag auf den dünn besiedelten Inseln und Halligen in der Nordsee. Für Helgoländer Eltern mit Schulkindern an Land bezahlt die Landesregierung daher ab kommendem Schuljahr monatlich 300 Euro - ein Zuschuss für die Unterbringung, den sich nun auch viele in Nordfriesland wünschen.

Auf den Halligen ist die Unterstützung für die Familien oft noch wichtiger: Denn oftmals gibt es dort so wenige Kinder, dass die Schulen dort ruhen. Die Kinder sind also oft gezwungen, auch schon für den Grundschulbesuch die Insel zu verlassen.

„Wir wollen eine Gleichbehandlung“, sagt Manfred Ueckermann, Fraktionsvorsitzender der CDU im Husumer Kreistag. „Es spielt keine Rolle, ob es 50 oder 100 Kilometer Luftlinie sind.“ Der Kultur- und Bildungsausschuss will nach dem Sommer über diesen vom Einkommen der Eltern unabhängigen Zuschuss beraten. Ob dieses sogenannte „Helgoland-Stipendium“ auch in Nordfriesland machbar wäre, werde geprüft, teilte ein Sprecher des Bildungsministeriums mit.

Andere, nach dem Einkommen der Eltern gestaffelte Zuschüsse für Eltern von Insel- und Halligschülern, gibt es laut Kreisverwaltung für den Besuch weiterführender Schulen seit 1982 bereits. Geld erhält außerdem ein Wohnheim für Amrumer, die auf das mit 390 Schülern landesweit kleinste Gymnasium auf Föhr gehen.

Als Gudrun Binges Töchter vor rund 15 Jahren nach Bredstedt zogen, um erst zur Realschule zu gehen, und später in Husum Abitur machten, bekam auch sie monatlich rund 400 Euro pro Kind - jeweils zur Hälfte von Land und Kreis bezahlt. So konnte sie den beiden Teenagern eine kleine Wohnung bezahlen, auch für die Fähre gab es Ermäßigungen.

Dennoch hätte sich Binge, die im Tourismusbüro der Hallig arbeitet, über einen zusätzlichen und vom Verdienst unabhängigen Puffer gefreut. „Klar wäre das eine Erleichterung gewesen“, sagt sie. Außerdem hätten einige Eltern diesen besonderen Insel-und-Hallig-Zuschuss auch gar nicht bekommen.

Dabei sei für 15-Jährige der Schritt ans Festland immer groß, erinnert sich Binge: Statt einer Handvoll plötzlich hunderte Klassenkameraden, Verlockungen der Städte, selbstständig und von den Eltern getrennt. „Man muss schon aufpassen, dass das Festland nicht mit Wucht auf sie einprasselt“, erinnert sich Binge. Für ihren inzwischen 20-jährigen Sohn, der ein Internat in Dänemark besucht hatte, habe das noch mehr gegolten als für die Mädchen.

Selbst auf Inseln, die meist größer sind als die Halligen, ist der Schulalltag anders als an Land. So werden auch auf Helgoland, wo sich Schulleiterin Eva Middeldorff über den neuen Zuschuss für ihre abgehenden Schüler freut, Kinder verschiedener Jahrgangsstufen gemeinsam unterrichtet. „Das hat Vorteile“, sagt Middeldorff, die vor etwas mehr als einem Jahr von einer großen Gemeinschaftsschule in Nordrhein-Westfalen an die James-Krüss-Schule auf Helgoland gekommen war - mit rund 85 Schülern insgesamt. „Begabte Schüler helfen anderen, und wir wissen, dass Kinder gut voneinander lernen“, erklärt sie. Allerdings sei es oft schwierig, Lehrer für die Insel zu finden.

Von den Schülern, die Middeldorff und ihre neun Kollegen zum Schuljahresende nun verlassen, wechseln einige an ein Gymnasium im niedersächsischen Bad Bederkesa nahe Cuxhaven - nur von dort aus legt auch im Winter eine Fähre direkt nach Helgoland ab. Das neue 300-Euro-Stipendium deckt genau die Internatskosten.

Innerhalb Schleswig-Holsteins spreche die zum Kreis Pinneberg gehörende Inselschule außerdem mit einer Partnerschule in Rellingen ebenfalls über eine Lösung mit Unterkunft, erzählt Eva Middeldorff. Chancen, dass ihre Schule eine eigene Oberstufe erhält, sieht sie angesichts der geringen Schülerzahl nicht: „Das ist utopisch.“

Noch weniger dürfte dies an den Schulen auf den Halligen Thema sein: Dort leben zum Teil so wenige Kinder, dass zwei Schulen (Oland und Gröde) ruhen, weil es derzeit kein schulpflichtiges Kind gibt. Von Februar 2017 an soll der Betrieb auf Gröde mit dann einem schulpflichtigen Kind wieder anlaufen. Genaue Zahlen, wie sich die Schülerzahlen auf den Inseln und Halligen entwickelt haben, hat das Bildungsministerium eigenen Angaben zufolge nicht.

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erstellt am 20.Jul.2016 | 07:46 Uhr

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