zur Navigation springen

Schleswig-Holstein

30. August 2016 | 06:57 Uhr

Sylter Außenriff, Fehmarnbelt, Kadetrinne : Angelverbot in Nord- und Ostsee: Nabu unterstützt Pläne des Bundes

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Diskussion währt schon länger. Nun schaltet sich auch der Nabu ein - und die Anglerwelt ist in Aufruhr.

Fehmarn | Das Bundesumweltministerium plant, in beliebten Hochsee-Angelgewässern das Fischen zu verbieten. Tausende Hobbyfischer wären betroffen – und Existenzen bedroht, vor allem in Ostholstein. Nun mischt sich ein weiterer Verband von Naturschützern in die Diskussion ein.

Das geplante Angelverbot gefährde den Tourismus, befürchten viele. Ähnliche Argumentationen gibt es aktuell bei dem geplanten Kiteverbot in Nord- und Ostsee. Auch hier rechnen viele mit Einbußen in diesem Bereich, sollte das Verbot tatsächlich in Kraft treten.

Sportfischer, Angelkutter-Betreiber, der Fischerei-Verband, der für Tourismus zuständige Kieler Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD), ja selbst der Grüne Umweltminister Robert Habeck kritisieren dagegen bereits die Pläne für die Ausweisung von sechs neuen Naturschutzgebieten in Nord- und Ostsee – denn in allen soll die Freizeitfischerei verboten werden. Dazu gehören das Sylter Außenriff, der Fehmarnbelt und die Kadetrinne in der Ostsee.

Die Pläne gingen zu weit und gefährden den Tourismus in der Region, ist der Tenor. So fahren nach Auskunft des Verbands der Bäder- und Hochseeangelschiffe jedes Jahr um die 60.000 Touristen von Heiligenhafen und nochmal gut 30.000 von Fehmarn aus auf Angelfahrt – ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor in Ostholstein. „Da hängen ja noch Übernachtungen dran, und es kommen noch die Gäste dazu, die mit angemieteten Sportbooten hinausfahren“, sagt Verbandssprecher Willi Lüdtke, der selbst Fahrten von Burg auf Fehmarn anbietet.

Jetzt hat sich der Naturschutzbund (Nabu) in die Diskussion eingebracht – und verteidigt die Pläne der Bundesregierung. Der Verband kritisiert die ablehnende Haltung der Landesregierung und hält die Angelverbote im Sinne des Naturschutzes für gerechtfertigt. „Die Freizeit-Fischerei wirkt sich durchaus ökologisch auf die Lebensgemeinschaften in Riffen aus und steht einer Erholung der Fischbestände entgegen“, sagte der NABU-Landesvorsitzende Hermann Schultz gestern. So hätte das Thünen-Institut für Ostseefischerei (TI) festgestellt, dass von 2005 bis 2010 Hobbyangler 2160 bis 4127 Tonnen Dorsch geangelt – bis zu 70 Prozent der jährlichen Anlandemengen der deutschen Berufsfischerei. Diese Mengen würden bei der Berechnung und Vergabe der jährlichen Fangquoten nicht berücksichtigt und kämen praktisch obendrauf. Vor allem das Fischen mit Schleppangeln mit mehreren Ködern, das Trolling, kritisiert der Verband.

Diese Darstellung weist der Landessportfischerverband naturgemäß zurück – Auswirkungen von Hobbyanglern auf die Natur seien nicht belegt, sagt Verbandsgeschäftsführer Robert Vollborn. „Außerdem hat die Aussage des Nabu keine rechtliche Relevanz – denn die Schutzgebiete sollen gar nicht zum Schutz der Dorsche ausgewiesen werden“, so Vollborn. Daher behindere die Sportfischerei das Erreichen der Schutzziele nicht. Das Gebiet im Fehmarnbelt soll dem Schutz des Wasseraustausches in der Ostsee, der Sandbänke und Riffe und der dort lebenden Schweinswale und Seehunde dienen – „alles Ziele, die durch Angler nicht gefährdet werden“, so Vollborn.

Das Kieler Umweltministerium hält den Schutz der Dorschbestände zwar für wichtig, aber sieht in Angelverboten den falschen Weg. Sprecherin Nicola Kabel weist zudem darauf hin, dass der Internationale Rat für Meeresforschung ICES, der verantwortlich ist für die wissenschaftlichen Quotenvorschläge, die Freizeitfischerei bei seinen Bestandsberechnungen bereits berücksichtigt. Auch sollen die Dorschfänge durch Hobbyangler künftig besser kontrolliert werden.

Noch etwas stößt den Angelfreunden sauer auf: „Im Fehmarnbelt soll ein Tunnel gebaut werden, es werden Unmengen Sand bewegt werden – und wir sollen die Natur dort schädigen?“, fragt Willi Lüdtke vom Angelschiffer-Verband. Auch die SPD-Landtagsfraktion weist in einer Erklärung auf diesen Widerspruch hin. Ausweichen können die Betreiber kaum, sagt Lüdtke. „Die Fische sind nun einmal in der Rinne im Belt.“ Die Kapitäne hoffen jetzt auf ein Gespräch in Berlin, das der Ostholsteiner CDU-Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens arrangieren will. Es geht für sie um alles, denn für Lüdtke ist klar: „Keiner der elf Betriebe, die von Heiligenhafen und Fehmarn aus Hochseeangeln anbieten, könnte das Verbot in ihrem Hauptangelgebiet überleben.“

zur Startseite

von
erstellt am 08.03.2016 | 06:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen