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Schleswig-Holstein

05. Dezember 2016 | 13:36 Uhr

Schwimmbad in Norderstedt : Angebliche Vergewaltigung im „Arriba“ – Freisprüche für beide Angeklagte

vom

Erst sprachen Ermittler von einer Vergewaltigung, dann gab es Zweifel. Der Prozess endet mit zwei Freisprüchen.

Norderstedt | Im Prozess um den angeblichen Missbrauch einer 14-Jährigen in einem Schwimmbad in Schleswig-Holstein hat ein Schöffengericht beide Angeklagte vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Einen „Kuss auf die Hüfte“ einer 18-Jährigen, den der ältere Angeklagte eingeräumt hatte, werteten die Richter als sexuelle Nötigung im minderschweren Fall. Dafür verurteilten sie ihn zu acht Monaten Bewährungsstrafe. Sie folgten damit der Forderung der Staatsanwaltschaft, die Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert. 

Laut ursprünglicher Anklage sollten die zwei afghanischen Flüchtlinge, 14 und 34 Jahre alt, eine 14-Jährige vergewaltigt und sich an einer 18-Jährigen vergangen haben. Der Vorfall sollte sich Ende Februar im Bereich der Wildwasserrutsche des Arriba-Erlebnisbads abgespielt haben.Das jüngere Mädchen - das angebliche Vergewaltigungsopfer - hatte seine Nebenklage aber später zurückgezogen. Die Aussagen beider Hauptbelastungszeuginnen stufte das Gericht als nicht verwertbar ein.

Die 14-Jährige war nach einer schweren Hirn-Operation von einer Haupt- zu einer Förderschülerin geworden. In einem Glaubwürdigkeitsgutachten hieß es unter anderem, das Mädchen fülle Gedächtnislücken mit Erfahrungen aus. Das sei kein bewusstes Lügen, hieß es in dem Gutachten. Trotzdem mache es ihre Aussagen letztendlich wertlos, sagte die Richterin in der Urteilsbegründung.

Anders dagegen beim zweiten Tatvorwurf, dem sexuellen Übergriff auf die 18-Jährige. Hierzu hatte der 34 Jahre alte Angeklagte ein Geständnis abgelegt. Er habe das Mädchen beim Rutschen festgehalten und im Bereich der Hüfte geküsst, erklärte er. Wegen des Geständnisses sei es nicht mehr auf die Aussage der 14-Jährigen angekommen, sagte die Amtsrichterin. Der Verteidiger des 34-Jährigen will prüfen, ob er gegen den Schuldspruch Berufung einlegt.

Einen dringenden Tatverdacht gegen die Angeklagten sah das Schöffengericht bereits seit Prozessbeginn nicht mehr. Der Haftbefehl gegen den 34-Jährigen wurde nach der Aussage der 14-Jährigen zum Prozessauftakt Ende August aufgehoben. Der 14 Jahre alte Angeklagte war nur zwei Wochen in U-Haft gewesen. Die Verteidigung hatte mit den Freisprüchen gerechnet.

Der Fall hatte nach den Silvester-Übergriffen von Köln für Schlagzeilen gesorgt, da es sich bei den Angeklagten um Flüchtlinge aus Afghanistan handelt. Unter anderem Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hatte daraufhin früh einen ausgewogenen Umgang mit tatsächlichen oder vermeintlichen Übergriffen von Flüchtlingen angemahnt. Das Erlebnisbad hatte nach dem Vorfall seine Sicherheitsvorkehrungen verschärft und angekündigt, einige Attraktionen wie die Rutsche zeitweise für Männer zu sperren. Außerdem wurden Schilder, auf denen die Baderegeln stehen, um Piktogramme ergänzt.

Tafel mit Piktogrammen, auf denen Verhaltensregeln für Badegäste abgebildet sind.
Tafel mit Piktogrammen, auf denen Verhaltensregeln für Badegäste abgebildet sind. Foto: Lukas Schulze
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erstellt am 09.Sep.2016 | 15:30 Uhr

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