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Schleswig-Holstein

03. Dezember 2016 | 20:48 Uhr

Stiftung : Aldi Nord: Jetzt wird der Erbstreit schmutzig

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Streit um das Erbe eskaliert. Der Sohn des Aldi-Gründers fürchtet um den Ruf der Familie.

Essen/Schleswig | Der Familienstreit bei Aldi Nord eskaliert: Jetzt macht der Sohn des Aldi-Nord-Gründers, Theo Albrecht junior, der Ehefrau seines 2012 gestorbenen Bruders Berthold schwere Vorwürfe. Der Ruf seines Bruders werde von ihr „in unerträglicher Art und Weise“ beschmutzt, sagte der Unternehmer. Deren Anwalt gab die Vorwürfe postwendend zurück.

Der Streit könnte das Unternehmen Aldi Nord gefährden. Die drei Stiftungen haben die Aufgabe, das Vermögen der Familie zu verwalten – und sie über Ausschüttungen am Aldi-Erfolg zu beteiligen. Die Stiftungen stellen aber auch Geld für Investitionen des Unternehmens bereit. Dafür müssen sie jedoch einstimmig entscheiden. Doch von Einstimmigkeit ist das Haus Albrecht derzeit weit entfernt.

Auslöser des aktuellen Streits ist ein Bericht der „Bild am Sonntag“, wonach Bertholds Ehefrau Babette Albrecht eine Erklärung für das Oberverwaltungsgericht Schleswig abgab. Ihr Mann sei aufgrund einer Erkrankung nicht geschäftsfähig gewesen, als er der Teilentmachtung seiner Familie in der Jakobus-Stiftung zugestimmt habe. Diese Stiftung hält große Anteile an Aldi Nord.

Theo Albrecht junior wies gegenüber der Deutschen Presse-Agentur aber die Behauptung einer Geschäftsunfähigkeit seines Bruders entschieden zurück: „Es gab niemals Zweifel an der Geschäftsfähigkeit von Berthold Albrecht. Eine solche Behauptung entbehrt jeder Grundlage und beschmutzt in unerträglicher Art und Weise den Ruf meines verstorbenen Bruders.“ Hintergrund des Konflikts: Nach dem plötzlichen Tod des Aldi-Nord-Gründer-Sohns Berthold Albrecht 2012 kämpfen Mitglieder von dessen Familienzweig um ihren Einfluss auf die Jakobus-Stiftung, die wichtige Anteile an Aldi Nord hält. Umstritten ist vor allem die Zusammensetzung des Vorstandes der Stiftung.

Durch eine Satzungsänderung kurz vor dem Tod von Berthold Albrecht wurde die Macht der Nachkommen jedoch eingeschränkt. Der Kreis Rendsburg-Eckernförde als Stiftungsaufsicht hatte dies akzeptiert. Dagegen waren die Witwe und ihre Kinder vorgegangen und hatten zunächst vom Verwaltungsgericht Schleswig auch Recht bekommen. Doch gegen diese Entscheidung wehrte sich wiederum der Kreis Rendsburg-Eckernförde sowie auch Bertholds Bruder Theo Albrecht junior und strengten die jetzt zugelassene Berufung an.

Bertholds Bruder Theo Albrecht hatte bereits im Sommer in einem Aufsehen erregenden Interview gewarnt: „Wenn die alte Satzung wirklich wieder gelten würde, könnten die Kinder von Berthold zusammen mit ihrem Anwalt das Unternehmen am Nasenring durch die Manege führen.“ Sein Bruder würde sich im Grab umdrehen, wenn er wüsste, was sich seit seinem Tod abspiele. Die Witwe Babette Albrecht und ihre Kinder wiesen den Vorwurf, gegen den Unternehmenssinn zu handeln, allerdings entschieden zurück.

Der Rechtsanwalt der klagenden Witwe Babette Albrecht, Andreas Urban, verwahrte sich gestern auch gegen den Vorwurf der Rufschädigung. „Wenn etwas unerträglich ist, dann ist es die Tatsache, dass Theo Albrecht junior die Diskussion über die Geschäftsfähigkeit seines Bruders in die Öffentlichkeit trägt.“

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erstellt am 24.Nov.2016 | 13:36 Uhr

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