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Schleswig-Holstein

06. Dezember 2016 | 22:53 Uhr

OVG in Schleswig : Aldi-Nord: Der lange Streit um das Erbe findet in SH statt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Schleswiger Gericht lässt auch die zweite Berufung im juristischen Machtkampf der Discounter-Familie zu.

Schleswig/Nortorf | Als Aldi-Gründer Theo Albrecht starb, glaubte er die Zukunft seines Unternehmens gesichert zu haben. Er vertraute auf drei Apostel: Markus, Lukas und Jakobus. So nannte er die in Nortorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ansässigen Stiftungen, die das Unternehmen seit Jahrzehnten kontrollieren. Doch um genau diese Stiftungen tobt seit Monaten ein erbitterter Streit. Nun wird sich das Oberverwaltungsgericht Schleswig (OVG) mit dem Fall beschäftigen. Der 2. Senat ließ eine Berufung gegen ein Urteil des Verwaltungsgerichtes zu.

Im Kern geht es bei dem Streit des Aldi-Clans um die Frage, wer in dem Unternehmen das Sagen hat. Es ist zugleich ein Streit um die Millionen-Gewinne, die das Unternehmen erwirtschaftet. Seinen Ausgangspunkt nimmt der Streit beim plötzlichen Tod des Aldi-Nord-Gründer-Sohns Berthold Albrecht im Jahr 2012. Seitdem kämpfen seine Frau und jetzige Witwe Babette und ihre Kinder um Einfluss in der Jakobus-Stiftung. Die Stiftung hält Anteile an Aldi Nord – sie versorgt jedoch zugleich über Ausschüttungen Babettes Teil der Albrecht-Familie.

Aldi Nord: Wer kontrolliert das Familien-Imperium?

Aldi Nord wie auch Aldi Süd werden von Familienstiftungen kontrolliert. Im Falle von Aldi Nord sind das die Stiftungen Markus, Lukas und Jakobus. Alle drei Stiftungen haben ihren Sitz in Nortorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde).

Die Markus-Stiftung hält 61 Prozent der Anteile an Aldi Nord und ist damit der Mehrheitsgesellschafter. 

Jeweils 19,5 Prozent werden von der Lukas- sowie von der Jakobus-Stiftung kontrolliert.

In allen Stiftungen sitzen Vertreter vom Aldi-Management. In der Markus-Stiftung sitzen von der Albrecht-Familie die Witwe von Aldi-Gründer Theo Albrecht senior sowie Theo Albrecht junior, Sohn des Gründers, im Vorstand. In der Lukas-Stiftung ist der einzige Familienvertreter Theo Albrecht junior im Vorstand. In der Jakobus-Stiftung wiederum sitzen zwei Kinder vom verstorbenen Berthold Albrecht, Bruder von Theo Albrecht junior und Sohn des Discounter-Gründers.

 

Durch eine Satzungsänderung kurz vor dem Tod von Berthold Albrecht wurde die Macht der Nachkommen jedoch eingeschränkt. Der Kreis Rendsburg-Eckernförde als Stiftungsaufsicht hatte dies akzeptiert. Dagegen waren die Witwe und ihre Kinder vorgegangen und hatten zunächst vom Verwaltungsgericht Schleswig auch recht bekommen. Doch gegen diese Entscheidung wehrte sich wiederum der Kreis Rendsburg-Eckernförde sowie auch Bertholds Bruder Theo Albrecht junior und strengten die jetzt zugelassene Berufung an. Theo Albrecht junior sitzt im Vorstand der mächtigen Markus-Stiftung, die 61 Prozent des Imperiums besitzt, sowie der Lukas-Stiftung. Trotz Zulassung der Berufung ist der Rechtsanwalt der klagenden Witwe Babette, Andreas Urban, überzeugt, dass das Urteil letztlich so ausfallen wird wie in der ersten Instanz.

Zuvor hatte das OVG bereits Berufung gegen ein anderes Urteil in der Causa Aldi zugelassen. Dabei ging es darum, dass Babette Albrecht und ihre Kinder vergeblich gegen den Kreis Rendsburg-Eckernförde auf Einsicht in Unterlagen der Markus-Stiftung geklagt hatten. Auch hier wird nun neu entschieden werden müssen.

grafik wirtschaft aldi 6-2016
 

Der Streit ist für das Unternehmen Aldi Nord gefährlich. Die drei Stiftungen haben die Aufgabe, das Vermögen der Familie zu verwalten – und sie über Ausschüttungen am Aldi-Erfolg zu beteiligen. Die Stiftungen stellen aber auch Geld für Investitionen des Unternehmens bereit. Dafür müssen sie jedoch einstimmig entscheiden. Doch von Einstimmigkeit ist das Haus Albrecht derzeit weit entfernt.

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erstellt am 20.Aug.2016 | 16:23 Uhr

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