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Schleswig-Holstein

25. Juli 2016 | 23:58 Uhr

Bundespolizei-Hubschrauber : Absturz in Bimöhlen - „Es war grauenhaft“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Augenzeugen erzählen von dem Absturz des Hubschraubers der Bundespolizei in Bimöhlen. Fußballer waren Ersthelfer.

Drei Rotorblätter liegen neben dem vom Aufprall zerdrückten Wrack auf einer Plane. Ebenso wie weitere Trümmerteile. Was am Himmel über Bimöhlen (Kreis Segeberg) passiert ist, bleibt ein Rätsel. Am Donnerstag stürzte ein Hubschrauber der Bundespolizei ab.

„Ich sah, wie die Maschine schnell an Höhe verlor und auf den Acker krachte“, sagt Sebastian Gill (40), der seine Fußballmannschaft auf dem nahen Platz trainierte. „Wir rannten los, um zu helfen.“ Das Wrack qualmte, eine Turbine lief noch, trotzdem zögerten die Spieler nicht, nach der Crew zu sehen. „Der Brustkorb des Piloten hob und senkte sich schwer. Er hat nichts gesagt, nur gestöhnt, und wir haben mit ihm gesprochen, damit er weiß, dass Hilfe kommt. Dann versuchten wir, den Puls des Co-Piloten am Hals zu fühlen, doch da war nichts mehr.“ Das dritte Crew-Mitglied in der Kabine hinter den Piloten konnten die Männer nicht sehen.

Der Eurocopter der Fliegerstaffel Fuhlendorf mit der Kennung D-HVBB war auf einem Übungsflug, leitete in der Dunkelheit ein Spezialeinsatzkommando (SEK) am Boden. Ein hochrangiger Polizeivertreter sagte unserer Zeitung, es sei um eine neue Technik zur „Freund-Feind-Erkennung“ mit der Wärmebildkamera gegangen. Die hatte die Landespolizei zuletzt bei der Jagd auf Einbrecherbanden eingesetzt.

Die Maschine war bereits 50 Minuten in der Luft und nach Angaben der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) gegen 20 Uhr auf dem Rückweg, als sie aus etwa 120 Metern Höhe auf das Feld schlug. Der Co-Pilot (33) und der Bordtechniker an der Wärmebildkamera (42) starben, der Pilot (31) erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

„Es war grauenhaft“, sagte Gemeindewehrführer Dieter Wagner über den Einsatz. Mehr als 60 Einsatzkräfte waren in der Nacht vor Ort. Während der Pilot relativ schnell aus dem Cockpit befreit werden konnte, mussten die toten Crew-Mitglieder mit Spreizer und Rettungsschere aus dem Wrack geschnitten werden.

Die BFU-Experten haben zwei abgerissene und ein abgesägtes Rotorblatt neben andere Wrackteile auf eine Plane gelegt.
Die BFU-Experten haben zwei abgerissene und ein abgesägtes Rotorblatt neben andere Wrackteile auf eine Plane gelegt. Foto: Gehm (2)
 

Experten der BFU zerlegten gestern noch vor Ort Teile des Hubschraubers, um sie auf ihre Funktionsfähigkeit zu überprüfen, sicherten Flugschreiber und Voice-Recorder. Am Nachmittag ist das Wrack dann auf einen Tieflader gehoben worden, um es für die weitere Untersuchung in eine Halle der Bundespolizei in Bad Bramstedt zu bringen. Das Wetter schließt BFU-Experte Axel Rokohl, der bereits 170 Abstürze untersucht hat, als Ursache weitgehend aus. „Die Verhältnisse waren für einen Hubschrauberflug eher gut“, erklärte er. Bewohner von Bimöhlen berichten, der Motor sei unrund gelaufen, wie „kurz vor dem Absaufen“.

Der Eurocopter wird angehoben. Schutzmechanismen im Tank hätten einen Brand verhindert, sagte Bundesinnenminister Thomas de Mazière.
Der Eurocopter wird angehoben. Schutzmechanismen im Tank hätten einen Brand verhindert, sagte Bundesinnenminister Thomas de Mazière. Foto: Eckard Gehm

Solche Geräusche wollen die Fußballer vom Großenasper SV, die in Bimöhlen trainierten, weil ihr Platz überschwemmt ist, nicht gehört haben. Doch der Hubschrauber sei bis auf ein rotes Licht am Rumpf völlig unbeleuchtet mehrfach hin- und hergeflogen. „Ich hatte das Gefühl, der Pilot sucht eine Stelle, um runterzugehen, ist aber extra vom Sportplatz weg“, sagt Kai Renner (46). „Dann stürzte er auch schon ab.“

Auf Facebook danken die Vereinsmitglieder der Crew für diese Umsicht: „Danke für diese Heldentat. Euren Familien viel Kraft.“

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erstellt am 27.Feb.2016 | 19:44 Uhr

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