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Schleswig-Holstein

10. Dezember 2016 | 13:55 Uhr

Raufußkauz : 80-jähriger Eulenschützer: Daher kommt meine Naturverbundenheit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hans Dieter Martens brachte den Raufußkauz ins Land zurück. Seine Liebe zur Natur hat er von seinem Opa.

Er ist der älteste Vorsitzende eines Naturschutzverbandes im Land und blickt auf ein langes, glückliches Leben im ehrenamtlichen Naturschutz zurück. Seit zehn Jahren lenkt Hans Dieter Martens überdies die Geschicke des Landesverbands Eulenschutz in Schleswig-Holstein. „Es war mein Großvater, der mich an die Natur herangeführt hat, als ich noch ein kleines Kind war“, erzählt der heute 80-Jährige.

Nachdem der Vater 1939 zum Kriegsdienst einberufen worden war, wuchs Martens bei den Großeltern in der Lüneburger Heide auf. Dort gab es Honig von den Bienen im Garten und Wildschweinbraten von selbst erlegten Tieren. „Morgens um vier hörte ich das Kullern der Berghühner durchs offene Schlafzimmerfenster, auch das Rufen von Brachvögeln und Kiebitzen.“ Seine Großmutter soll in ihrer Jugendzeit eine Bekanntschaft mit dem Heimatdichter Hermann Löns gehabt haben, dessen Bücher bei ihnen zu Hause in den Regalen standen, so Martens weiter. „Das war die Welt, in der ich groß geworden bin.“

Schon als Schüler hat der Naturfreund die Jägerprüfung abgelegt und eine Beringer-Lizenz bei der Vogelwarte Helgoland erworben. Fortan kletterte er in seinem Heimatkreis Celle zu den Storchennestern auf Häusern und Masten hinauf und legte den Jungtieren gekennzeichnete Vogelringe ums Bein. Martens war fest entschlossen: nach der Schule würde er Forstwirtschaft studieren. Doch die weltpolitische Lage ließ den jungen Mann nicht unberührt. Aus innerer Überzeugung schwenkte er kurzerhand um und schlug eine Karriere als Berufssoldat bei der frisch gegründeten Bundeswehr ein.

Seine Naturverbundenheit aber gab Martens in seinen über 35 Dienstjahren nicht auf. „Überall, wo ich stationiert war, nahm ich Verbindung zu Naturschützern auf“, erzählt er. So hat er in Frankreich die Vogelwelt der Camargue und der Bretagne kennengelernt, in den Niederlanden das Sumpfgebiet des Flevolandes am Ijsselmeer. Einst soll sein Dienstherr ihm vorgehalten haben: „Oberleutnant Martens, wenn Sie im Dienst so aktiv wären wie im Hobby, dann müssten Sie General werden.“ Worauf dieser antwortete: „Herr General, es muss nicht jeder General werden.“

Nach verschiedenen Stationen wurde Martens 1976 nach Kiel versetzt, wo er Kontakt zum Eulenschutz-Verband aufnahm. Nach seiner Pensionierung im Alter von 57 Jahren stürzte er sich dann auf das Projekt zur Einbürgerung des Raufußkauzes in Schleswig-Holstein. Erst 1988 war die erste Brut dieser Art im Land festgestellt worden. „Ich kannte die kleine Eule schon aus der Lüneburger Heide und hatte sie dort lieb gewonnen“, sagt Martens.

Er hängte in den Wäldern Nistkästen für den Kauz auf, beobachtete sein Verhalten – und beringte die Jungvögel. Bis heute genießt er die Nähe zu den Tieren. „Das Schönste für mich ist immer, die Vögel in der Hand zu halten“, sagt der Eulenschützer, der 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Vorteilhaft sei außerdem, dass man die Nachtvögel tagsüber kaum stört. „Wenn ich beim Bauern Schleiereulen beringen will, frage ich ihn, ob er Enkelkinder hat. Denn die können dabei zusehen und die jungen Eulen anfassen, sie auf den Arm nehmen.“ Natur müsse man „begreifen“, ist sich der neunfache Großvater sicher. Und so schließt sich der Lebenskreis: „Ich selbst habe genauso angefangen“, sagt Martens, „als Opa mir die Natur gezeigt hat.“

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