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Schleswig-Holstein am Sonntag

27. Februar 2017 | 14:47 Uhr

Verliebt im Norden : Liebe für immer: Das Happy End

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bitte anschnallen und die Tische hochklappen: Wir befinden uns im Landeanflug auf das Happy-End. Jetzt kann es noch einmal turbulent werden. Weil es immer anders kommt als man denkt und die Liebe entgegen anders lautender Hoffnungen ein austrainierter Spießer ist.

Glückwunsch: Sie wissen, dass Sie niemals mehr mit einem Mann nach Hause gehen, der Ihnen dort die Dankschreiben seiner Verflossenen zeigen will oder mit einer Frau, die Ihnen schon in den ersten fünf Minuten erzählt, wie sie es hasst zu arbeiten. Sie verlieren weder die Nerven, wenn ein Mann behauptet, ohne sein schwarzes Ledersofa nicht leben zu können, noch wenn eine Frau Sie fragt: „Weshalb genau liebst du mich eigentlich?“ 

Nun bleibt zum guten Schluss nur noch die letzte, die größte Frage aller Fragen: Wie schafft man es eigentlich, ganz lange miteinander glücklich zu sein? Etwa 99 Prozent aller Menschen würden jetzt vermutlich antworten: Man muss sich doch bloß ganz doll lieb haben. Diese Methode funktioniert in Deutschland allerdings bloß für etwa vier bis fünf Jahre. So viel beträgt die durchschnittliche Beziehungsdauer. Sich trotzdem allein auf die Gefühle zu verlassen, ist deshalb, als würde man mit einem Boot in Richtung Kap der guten Hoffnung aufbrechen und sagen: „Nein Danke, ich brauche kein Steuer. Ich habe da ja dieses Zettelchen auf dem die wichtigsten Koordinaten stehen!“ Solche wie „Liebe ist 24-Stunden-Erfüllung ohne Urlaubsanspruch“ oder „Gott hat die Männer dazu gemacht, dass sie den Frauen die Füße küssen“.

Auch die Vorstellung, die Liebe würde, sollte es einmal sehr, sehr stürmisch werden, ganz sicher eine Extraportion Zauberstaub und Sternenregen spendieren, müssen wir leider zu den Akten legen. Ebenso die an sich sehr entspannende Idee, dass das schöne an einer Beziehung ja ist, dass es immer der andere ist, der Schuld hat, wenn es nicht klappt.  Überhaupt müssen wir uns von ein paar sehr großen Illusionen verabschieden. Der größten überhaupt: Dass es sich bei Amor um Siegfried und Roy in Personalunion, handelt. In Wirklichkeit trägt er nämlich einen ziemlich grauen Anzug und ist überhaupt ein austrainierter Spießer.

Die besten Bindemittel
Laut Statistik haben nicht jene die besten Beziehungsprognosen, die sich schon vor dem Abendbrot nackt auf dem Flokati wälzen. Was Paare – statistisch – zusammenhält ist im Gegenteil:

1. Wenn beide eine Immobilie besitzen.

2. Wenn beide katholisch sind.

3. Wenn beide ähnliche Interessen teilen.

4. Wenn beide dasselbe Bildungsniveau haben.

5. Wenn beide etwa gleichaltrig sind.

6. Wenn beide auf dem Land leben.

7. Wenn beide nicht aus Scheidungsfamilien kommen.

8. Wenn beide aus Ostdeutschland kommen.

9. Wenn er im Haushalt hilft.

Das ist natürlich ein Problem, wenn man bloß um mit Klaus oder Gerlinde zusammen zu sein, nicht eigens erst eine Wohnung kaufen möchte; wenn man schon aus beruflichen Gründen nicht einfach mal so nach Mecklenburg-Vorpommern umziehen will und an dem Umstand, dass sich die Eltern getrennt haben, nun ja auch nichts mehr ändern kann.

Trotzdem gibt es einiges, das man tun kann, um seine Liebe zu krisenfest zu machen. Was das ist, wird derzeit bei „Pairfam“ („Panel Analysis of Intimate Realtionships and Family Dynamics“) untersucht. Es ist mit 12402 Teilnehmern und einer mehrjährigen Laufzeit das wohl größte Projekt seiner Art, das jemals in Deutschland durchgeführt wurde. Die Psychologinnen Prof. Dr. Sabine Walper, Franziska Schmahl und Dr. Eva-Verena Wendt von der Münchner Ludwig-Maximilans-Universität wollten unter anderem mehr über „die Entstehung, Ausgestaltung und Auflösung von Partnerschaftsbeziehungen“ erfahren. Eines der Ergebnisse: Ob ein Paar zusammenbleibt oder nicht, hängt vor allem davon ab, wie es dem größten Beziehungskiller – äußerem Stress – begegnet. Dem täglichen Jobfrust, dem Gefühlschaos, wenn man Eltern wird, finanziellen Sorgen ebenso oder schweren Erkrankungen. Was Paare stärkt, sei demnach das „dyadische Coping“, die Fähigkeit, gemeinsam äußere Belastungen abzufedern. Sie trägt wohl den größten Teil zur sogenannten „Resilienz“ in Beziehungen bei, dem „Gedeihen trotz widriger Umstände“, so die Übersetzung.

Wir-Gefühle Das fand auch der Schweizer Psychologe Guy Bodenmann vom Institut für Familienforschung und -beratung der Universität Fribourg in seinen Studien bestätigt. Zufriedene Paare unterscheiden sich demnach von unzufriedenen vor allem dadurch, dass sie äußere Belastungen nicht persönlich übel nehmen, sondern sich vielmehr gegenseitig unterstützen, sich seltener kritisch beurteilen und auch schneller praktische Hilfe anbieten.

So viel „Wir-Gefühl kann man natürlich nicht einfach beim Universum bestellen. Es speist sich aus ganz irdischen Ressourcen. Aus der Erkenntnis, die der amerikanische Eheberater Daniel Wile so zusammenfasst: „Partnerwahl heißt Problemwahl“.  Bedeutet: Mit der Wahl eines Partners fürs Leben, fällt man die Entscheidung für das gesamte Paket, für die positiven, aber auch für eine ganze Reihe von negativen Eigenschaften. Glücklich wird man, wenn man das wie den täglichen Sonnenaufgang als Naturgesetz akzeptiert. Unglücklich, wenn man sich an dieser unverrückbaren Tatsache abarbeitet.

Und man sollte in Verbindung bleiben, auch darauf kommt es an. Viel Zeit miteinander zu verbringen ist deshalb eine weitere tragende Säule der Langzeitliebe. Untersuchungen der amerikanischen Psychologen Aron, Norman, McKenna und Heymann zufolge, sollte man dabei unbedingt „aufregenden“ Aktivitäten vor „angenehmen“ den Vorzug geben. Also beispielsweise ins Theater oder zum Skifahren gehen, anstatt bloß ins Restaurant oder ins Kino. Und nicht jedes Jahr dasselbe Urlaubsziel.

Endlich Sex Liebe braucht beides: Alltag und Abwechslung. Womit wir endlich beim Sex wären. Ja, auch der gehört zu einer erfüllten Beziehung. Aber da steht er eben nicht ganz oben auf der Liste, sondern dort, wo er hingehört:  Irgendwo im Mittelteil. Überhaupt muss die Zweisamkeit vor allem bei den Erwartungen ordentlich abspecken. So beschreibt der Paarberater und Bestseller-Autor Michael Mary das „Alles mit einem und für immer“, kurz „AMEFI“ – als Einbahnstraße ins ewige Beziehungs-Fegefeuer.

 Das Ideal dagegen wäre, so Prof. Dr. Sabine Walper, Franziska Schmahl und Dr. Eva-Verena Wendt von der Pairfam-Studie „eher eine Partnerschaft, die auch Raum für andere Lebensbereiche und Verpflichtungen lässt“.  Klingt nicht gerade nach dem Rausch der Sinne und nach totaler Verschmelzung? Das ist auch gut so. Denn so können wir ihn uns endlich selbst erfüllen, den Traum von der großen und lebenslangen Liebe.

Sollten Sie sich nun fragen, wo eigentlich die Romantik geblieben ist, diese Kirsche auf der Sahne, das Kakao-Herz auf dem Latte Macchiato, die Praline auf dem Kissen des Luxus-Gefühls – der einzig wirklich vernünftige Grund, sich für einen Mann und nicht für eine Katze zu entscheiden – hier die Antwort: Sie ist gar nicht so wichtig. Und nein: Ich habe nicht getrunken.

Die Liebe ist eine tote Maus  Denn mal ehrlich, was bringt es, wenn ein Mann zwar fehlerfrei die schönsten Sätze bilden kann, in denen zwar Worte wie „Süße“ und „Liebe“ vorkommen, aber niemals auch nur daran denken würde, einen schmutzigen Teller in die Hand zu nehmen? Wie kommt man mit einem über die Schotterpiste Alltag, der zwar in der Lage ist, Blumen zu kaufen (und das auch bitter nötig hat) und ein Fünf-Gang-Menü im Gourmettempel nicht für Zeit- und Geldverschwendung hält, aber noch nach fünf Jahren fragt: „Was genau machst du eigentlich beruflich? Ach, weißt du was, ist ja eigentlich sowieso nicht so wichtig.“

Es ist ein leider unter Frauen viel zu weit verbreiteter Irrtum, dass Gefühle nur dann echt sind, wenn man sie schon mal im Kino gesehen hat und/oder wenn mehr Worte darum gemacht werden, als um den Atomausstieg. Dabei kommt es doch gerade da auf Taten an. Dem anderen zu zeigen, wie man ihn schätzt und das tun Männer. Und zwar sehr viel häufiger, als wir ihnen zutrauen. Sie dübeln Regale, mähen den Rasen, machen die Steuererklärung, schauen, ob das Auto Öl braucht. Letztlich sagen Taten ja wirklich oft mehr als Tausend Worte. Und ein Mann, der anruft, wenn er es versprochen hat; der sieht, wenn wir Hilfe brauchen oder einfach nur ein Entspannungsbad, ist doch letztlich jedem Süßholzraspler vorzuziehen.

Falls Ihnen die Vorstellung Mühe bereitet. Denken Sie sich den Mann einfach als Kater. Der bringt der ihm am nächsten stehenden Person bekanntlich gern mal eine tote Maus oder einen zerfledderten Vogel, um seine unbedingte Zuneigung zu beweisen. Und was tun Sie in einem solchen Fall? Werfen Sie ihm etwa vor, dass es wieder mal nicht für einen Blumenstrauß gereicht hat? Dass er sie wenigstens ins Kino hätte einladen können und dass er Sie – wo wir gerade dabei sind – schon seit Ewigkeiten nicht mehr daran erinnert hat – was genau er an Ihnen eigentlich liebt? Nein. Sie sind vermutlich ziemlich geschmeichelt.

Genauso ist das mit der Liebe: Das Tragen von Koffern, das Begleiten in die Oper, das Töten von Ungeziefer – das alles sind die toten Mäuse unseres Liebeslebens. Eine ganz besondere Gunstbezeugung, über die man sich gebührend freuen sollte. Dann – und nur dann – kann zwischen der Liebe und Ihnen eigentlich gar nichts mehr schiefgehen...

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erstellt am 15.Jun.2014 | 17:51 Uhr

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