zur Navigation springen

Schleswig-Holstein am Sonntag

01. Juni 2016 | 03:38 Uhr

Schleswig-Holstein : Kita-Gebühren: So teuer sind uns unsere Kinder

vom

Bis zu 420 Euro pro Monat muss in Schleswig-Holstein zahlen, wer sein Kind in eine Krippe gibt. Und die Gebühren werden derzeit sogar noch einmal angehoben.

Kiel | Das hört sich doch gut an: Sozialministerin Kirsten Ahlheit (SPD) arbeitet daran, Krippen-Gebühren noch in dieser Legislaturperiode kräftig zu senken. „Damit kommen wir unserem großen Ziel der gebührenfreien Bildung von der Kita bis zur Uni deutlich näher“, heißt es aus der Küstenkoalition. Hehre Ziele, denn während beim Nachbarn Hamburg fünf Stunden Kinderbetreuung inklusive Mittagessen kostenlos sind, zahlen Familien im echten Norden für Krippen und Kitas immer mehr.

Die Kosten für eine Kinderbetreuung sind in Schleswig-Holstein von Kommune zu Kommune unterschiedlich. Besonders bei der Betreuung von Kindern unter drei Jahren fallen hohe Gebühren an. In anderen Bundesländern ist dabei schon jetzt Vieles kostenlos.

In Bargteheides kommunalen Kitas kostet der Regelbeitrag für Kindern unter drei Jahren (U3) mit Beginn des neuen Jahres 3,66 Euro mehr pro täglicher Betreuungsstunde im Monat. Im Elementarbereich hat die Gebühr um 33 Cent pro Stunde angezogen. Die alte Gebührenliste hatte gerade mal ein Jahr Bestand gehabt. Es ist die Kapitulation vor den steigenden Kosten, verursacht vor allem von den gestiegenen Entgelten für Erzieherinnen und Erzieher, von denen wiederum beste Betreuung und optimale frühkindliche Bildung erwartet wird.

Qualität kostet; die Zeche teilen sich Eltern, Kommunen und das Land. „Um die Kommunen bei den steigenden Kosten der Kindertagesbetreuung zu entlasten, gewährt das Land jährlich Zuschüsse zu den Betriebskosten der Kindertageseinrichtungen. Diese Landeszuweisungen sind seit 2009 jährlich angewachsen und werden bis zum Jahr 2017 noch weiter ansteigen.

Wurden im Jahr 2010 erst 77,44 Millionen Euro für die Kindertagesbetreuung gewährt, so konnten im Jahr 2015 bereits über 180 Millionen Euro den Kommunen für die Betreuung der Kinder zugewiesen werden“, hieß es gerade in der Antwort auf die Kleine Anfrage des CDU-Abgeordneten Volker Dornquast zum Thema „Gebühren in Kindertageseinrichtungen“.

2016 werden das 194 Millionen Euro sein, heißt es aus dem Kieler Sozialministerium, das im Land zuletzt insgesamt rund 110.600 betreute Kinder in 1765 Einrichtungen mit knapp 20.000 Beschäftigten gezählt hat.

Kitas und Familien haben dennoch zu kämpfen, Eltern müssen sich obendrein durch einen schwer durchschaubaren Gebührendschungel schlagen. Kommunale Kitas (jeweils Regelgebühren) kosten in Flensburg bei einer Acht-Stunden-Betreuung 256 (U3) beziehungsweise 221 Euro (Ü3), im Nordfriesischen Ladelund 280 beziehungsweise 190 Euro (7 bis 17 Uhr), in Lübeck 277 beziehungsweise 207 Euro, in Kiel 320 beziehungsweise 248 Euro, in Neumünster für beide Altersgruppen 182 Euro, in Itzehoe (Steinburg) 339 bzw. 214 Euro (50 Wochenstunden) und ein paar Kilometer weiter im Wilster’schen „Schwalbennest“ 420 beziehungsweise 270 Euro (7 bis 17.30 Uhr). Alles ohne Verpflegung.

Die Einrichtungen der Sylt-Kita kosten für ein U-3-Kind von 7 bis 16.30 Uhr 261 Euro inklusive Verpflegung und für ein Ü-3-Kind 190 Euro. Noch. Ab 1. April zahlen die Insel-Eltern 312 beziehungsweise 253 Euro pro Monat.

Was die Familienkasse zunehmend belastet, sind aber laut Antwort auf die Kleine Anfrage nur rund 20 Prozent (bei U3) beziehungsweise rund 32 Prozent (bei Ü3) dessen, was ein Betreuungsplatz tatsächlich kostet. Nach Stichprobenerhebungen belaufen sich die „durchschnittlichen Gesamtplatzkosten im Jahr 2012 bei der Krippe auf 12.400 Euro, bei der Tagespflege auf 5150 Euro und beim Kindergarten auf 5350 Euro“, antwortet das Sozialministerium dem Abgeordneten Dornquast und schickt hinterher: „In den Folgejahren wird eine Kostensteigerung von jeweils zwei Prozent angenommen.“

Das macht den Weg für die Landesregierung nicht leichter. Deren Ziel ist eine Gebührenbefreiung der Eltern. Erreicht werden solle dies schrittweise, sagte vergangenes Jahr Ministerpräsident Thorsten Albig; Ralf Stegner, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, bekräftigt eine „spürbare Entlastung: Ab dem Jahr 2017 werden Familien mit Kindern in einer Krippe pro Kind um 100 Euro bei den Gebühren entlastet werden. Damit kommen wir unserem großen Ziel der gebührenfreien Bildung von der Kita bis zur Uni deutlich näher.“

Im armen Berlin ist das zumindest für die Kita-Betreuung schon erreicht, dort sind die letzten drei Jahre vor der Einschulung kostenlos. In Bargteheide, wo die Preise gerade nach oben korrigiert wurden, beträgt der Regelsatz für acht Stunden Ü3-Kind Betreuung 290,08 Euro im Monat, macht 3480,96 Euro pro Jahr. Und die Acht-Stunden-Betreuung für ein Krippen-Kind kostet 495,36 Euro – im Jahr 5944,36 Euro.

Dabei hätte gerade Schleswig-Holstein in Sachen frühkindlicher Erziehung einiges aufzuholen. 90,8 Prozent der Kinder von drei Jahren an bis zur Einschulung besuchen bei uns eine Kindertagesbetreuung, weniger sind es bundesweit mit 90,2 Prozent nur in Bremen, ergab der „Länderreport frühkindliche Bildungssysteme 2015“ der Bertelsmann-Stiftung. In Hamburg sind das 96,2 Prozent, in Thüringen 96,9 und in Rheinland-Pfalz 97,5.

Und der Personalschlüssel? Der habe sich in Schleswig-Holstein zwar verbessert, nun kämen auf eine vollzeitbeschäftigte Kita-Fachkraft durchschnittlich 3,7 ganztags betreute Krippen- oder 8,9 Kindergartenkinder, und habe den Durchschnitt westdeutscher Bundesländer (1:3,6 bzw. 1:8,9) beinahe erreicht, heißt es im Report.

Aber: „Trotz der Verbesserungen erreicht Schleswig-Holstein noch nicht die Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung für ein kindgerechtes Betreuungsverhältnis, denen zufolge bei den unter Dreijährigen eine Erzieherin für höchstens drei Kinder verantwortlich sein sollte. Für die Altersgruppe ab drei Jahren sollte der Personalschlüssel nicht schlechter als 1 zu 7,5 sein.“

 
zur Startseite

von
erstellt am 30.Jan.2016 | 18:20 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen