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„Tatort – Am Ende geht man nackt“ : Im „Tatort“: Schwarz-Weiß-Gedöns

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Franken-„Tatort strotzt nur so vor Naivität und Klischees, meint Frank Kober.

Aber nicht etwa, weil er das Thema „Flüchtlinge“ besonders beherzt angeht oder weil uns die traurigen Migranten-Schicksale so anrühren. Nein, weil er, verdammt nochmal, vor Naivität und Klischees nur so strotzt und damit der Auseinandersetzung zur Asyl-Problematik einen Bärendienst erweist.

Ja, wie nähert man sich diesem Thema in einem Krimi? Wohl kaum nach Rezept. Und doch sieht dieser Franken-„Tatort“ heute so aus, als hätten Holger Karsten Schmidt (Buch) und Markus Imboden (Regie) ein Kochbuch für Flüchtlingskrimis abgearbeitet. Mit allen Zutaten, die es braucht, um uns Zuschauern das Asyl-Problem „schmackhaft“ zu machen.

Also, man nehme: ein Flüchtlingsheim (zum Beispiel in Bamberg). Einen Molotow-Cocktail, der (möglichst aus Neonazi-Hand) durchs Fenster fliegt und die halbe Bude abfackelt. Und ein Brandopfer arabischer oder afrikanischer Herkunft (heute: eine junge Frau afrikanischer Herkunft).

Des Weiteren: Viele gute (integrationswillige aber traumatisierte) Migranten, die nun in Deutschland von Gewalt und Verfolgung eingeholt werden und nach dem Anschlag zu Recht verängstigt sind. Einen bösen Migranten, der mit dem Elend seiner Landsleute Geschäfte macht. Und selbstverständlich: einen stramm-blonden Neonazi, der mit seinen Jungs abends „Kanaken klatschen“ geht.

Und schließlich: eine zunächst überforderte, dann aber emphatische Kripo-Truppe (Dagmar Manzel, Eli Wasserscheid, Andreas Leopold Schadt), die nicht nur Kommissar Voss (Fabian Hinrichs) undercover unter die Migranten mischt (hoppla, warum nicht als „tschetschenischen Flüchtling“?), sondern auch viele warme Worte und warme Klamotten spendet. Klar, dass Voss am Ende einen jungen Syrer adoptieren will. Gutes muss schließlich getan werden in dieser bösen Welt.

So ein Schwarz-Weiß-Gedöns, so eine konfektionierte Story hat weder das hochbrisante Thema noch das Schauspielensemble verdient. Aber so ist das wohl mit Auftragsfilmen, die politisch korrekt sein sollen (müssen?): Gut gedacht, schlecht gemacht!
 

„Tatort – Am Ende geht man nackt“, 20.15 Uhr, ARD

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