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Schleswig-Holstein am Sonntag

09. Dezember 2016 | 10:54 Uhr

Schleswig-Holstein : 324 Mal scharf geschossen - Tiere im Visier der Polizei

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Polizisten in Schleswig-Holstein greifen äußerst selten zur Waffe. Doch wie oft genau? Das zeigen neue Zahlen.

Kiel | Fast täglich zieht in Schleswig-Holstein ein Beamter der Landespolizei seine Waffe und drückt ab. 324 Mal wurde aus Dienstpistolen gefeuert. Das geht aus der Antwort des Landespolizeiamtes auf eine Anfrage von Schleswig-Holstein am Sonntag hervor.

In Kriminalfilmen wird meist suggeriert, dass Polizisten oft ihre Schusswaffen einsetzten. Außerhalb von Film und Fernsehen ist der Einsatz aber ein anderer.

Allerdings setzen die Beamten ihre Schusswaffen äußerst selten gegen Menschen ein, diesen Fälle sind durch Landesgesetze allerdings auch klar eingeschränkt. So dürfen die Polizisten nur zur Selbstverteidigung, zum Schutz anderer Personen, zur Verhinderung von Verbrechen oder der Flucht nach einem Verbrechen Schusswaffen einsetzen. Und dies auch nur, wenn Warnschüssen bzw. Schüsse gegen Sachen unwirksam geblieben sind.

In der Regel kommt dies in Schleswig-Holstein zwei bis drei Mal jährlich vor, zumeist bleibt es glücklicher Weise bei Warnschüssen. 2015 wurden durch Beamte der Landespolizei vier scharfe Schüsse auf Menschen abgegeben. Zwei Mal als Warnschuss und zwei Mal gezielt. Alle waren notwendig, um zu verhindern, das Verbrechen begangen wurden, erklärt Torge Steick vom Landespolizeiamt.

Verletzt oder getötet wurde dabei niemand. 2014 war dies anders – da griffen die Beamten zehn Mal zur Waffe und gaben einen Warn- sowie neun gezielte Schüsse auf Menschen ab. Einer der Verdächtigen starb, einer weiterer wurde verletzt. Die Gründe waren vielfältig: Notwehr, Nothilfe für bedrohte Personen, Verhinderung von Straftaten bzw. von Fluchten.

Weit öfters ziehen die Polizisten im Norden ihre Waffen gegen kranke und verletzte Tiere, um diese von ihren Leiden zu erlösen. Zumeist geschieht dies nach Unfällen mit Wildschwein, Reh und Co. Nur selten müssen die Beamten Tiere töten, die zu einer Gefahr für Menschen geworden sind. 2015 wurden 321 Tiere im Land durch Polizisten erschlossen, im Jahr davor waren es nur 233. Die bislang größte Anzahl von Polizisten getöteten Tieren gab es 2013, als 424 verletzte, kranke oder gefährliche Vierbeiner erschossen werden mussten.

Gerade jetzt, da die Paarungszeit der Rehe auf Hochtouren läuft, steigt die Gefahr der Wildunfälle drastisch, so Marcus Börner vom Landesjagdverband Schleswig-Holstein. Jährlich würden über 10.000 Rehe im Land dem Straßenverkehr zum Opfer fallen. Viele müssten von Jägern oder Polizisten anschließend von ihrem Leid erlöst werden.

Auch bundesweit wird von Polizeibeamten weit weniger geschossen als in Kriminalfilmen. Wie aus einer Statistik der Innenministerkonferenz hervorgeht, setzten die Beamten der 16 Landespolizeien und der Bundespolizei 2014 in 46 Fällen ihre Dienstwaffe gezielt gegen Personen ein. Als häufigster Grund wurde Notwehr angegeben. Dabei tötete die Polizei sieben Menschen, 31 weitere wurden verletzt.

Auch wenn Kriminelle äußerst selten Schusswaffen einsetzen – Schleswig-Holstein ist eine Hochburg der Waffenbesitzer: 215.000 Waffen sind in Schleswig-Holstein offiziell gemeldet. Damit kommen durchschnittlich 77 registrierte Schusswaffen auf 1000 Einwohner – fast doppelt so viele wie im benachbarten Hamburg.

Im bundesweiten Vergleich liegt der Norden mit diesem Wert im oberen Mittelfeld zwar nur auf Platz sieben – immerhin noch zehn Waffen über dem Bundesdurchschnitt. Doch einige Kreise wie Rendsburg-Eckernförde oder Herzogtum Lauenburg bringen es auf mehr als 100 Waffen pro 1000 Einwohner. Rund 18.000 Schleswig-Holstein besitzen einen Jagdschein.
 

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erstellt am 06.Aug.2016 | 17:28 Uhr

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