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Regionales

10. Dezember 2016 | 04:09 Uhr

Das Rätsel der Nordmann-Tanne : Rote Nadeln ärgern dänische Weihnachtsbaum-Produzenten

vom
Aus der Onlineredaktion

Dunkelgrün soll die Nordmanntanne glänzen, sonst ist sie nichts wert. Bei einigen Bäumen treten vermehrt rote Nadeln auf. Doch warum?

„O Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter!“ heißt es im bekannten deutschen Weihnachtslied. In Dänemark – dem Hauptproduzenten der edlen Nordmanntanne – ist es mit dem weihnachtlichen Grün in diesem Jahr ein wenig problematisch. Denn irgendetwas lässt die Nadeln einiger Bäume erröten. Von der mysteriösen Reaktion der „immergrünen“ Edel-Tannen berichtet nun „Danmarks Radio“.

Mit etwa neun Millionen verkauften Bäumen ist Dänemark der größte Exporteur der begehrten Weihnachtsbäume, etwa 450.000 Bäume bleiben in diesem Jahr aufgrund roter Nadeln wohl auf der Strecke. Durch den wirtschaftlichen Schaden können die Preise steigen.


In diesen Tagen sind die Züchter der Tannen hier wie dort damit beschäftigt, ihre schlagfertige Ware für den Dezember zu begutachten und zu markieren. In Brebel bei Süderbrarup kam dabei Schlimmes zu Tage. Dänemarks Produzenten haben andere Probleme als Vandalismus. Einige der Bäume sind so verfärbt, dass sie den weihnachtlichen Ansprüchen nicht mehr genügen aussortiert werden müssen. Torben Ravn, der Förster und Vorstandsmitglied des dänischen Weihnachtsbaumverbandes bestätigt, dass etwa fünf Prozent der Bäume aufgrund roter Nadeln nicht verkauft werden können. Der gute Name des dänischen Christbaums stehe sonst auf dem Spiel, erklärt Ravn.

Es kommt nicht das erste mal vor, dass die Dänen von Tannennadeln in der Nationalfarbe geärgert werden. Vor vier Jahren waren es zehn Prozent der Gesamternte gewesen, die aufgrund roter Nadeln nicht verkauft werden konnte. Mit natürlichem Nadelabfall hat das Phänomen nichts zu tun, dieser tritt erst in einem Alter auf, das Weihnachtsbäume regulär nicht erreichen. Eine zufriedenstellende Erklärung dafür gibt es daher nicht, sagt Torben Ravn. In Deutschland erklären sich manche das Vorkommnis mit einem Sonnenbrand durch starke Hitze nach einem kalten Frühjahr, berichtet Ravn gegenüber DR. Dem widerspricht allerdings die Wettersituation in diesem Jahr. Möglicherweise sei es eine Stressreaktion der Bäume, vermutet das Vorstandsmitglied.

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holsteinischer Weihnachtsbaumproduzenten e.V., Axel-Werner von Bülow, hat ebenfalls keine Erklärung für das laut seiner Einschätzung in Schleswig-Holstein eher selten zu beobachtende Phänomen. Vermutlich seien Umwelteinflüsse ursächlich für die Reaktion der Bäume: „Es wurden Versuche gemacht, aber wir sind nicht weitergekommen“, sagte von Bülow gegenüber shz.de. Bei den neben der Nordmanntanne verkauften Weihnachtsbäumen handele es sich allenthalben im Fichten und Kiefern, bei denen die mysteriöse Rotfärbung nicht auftrete, sagte der Züchter.

Auch Nährstoffmangel - oder gar Übernährung und sich aufstauende Nässe könnten Ansatzpunkte für eine Erklärung des Vorkommnisse in den immergrünen Monokulturen sein. Um den wahren Grund für das rote Ärgernis beim Exportschlager zu finden, hat der dänische Verband jetzt einen Forschungsfonds eingerichtet.

Weihnachtsbäume - welche Arten gibt es?

Die Nordmanntanne zählt zu den beliebtesten Christbäumen. „Abies nordmanniana“, so der botanische Name, braucht aber rund zehn Jahre, um Zimmerhöhe zu erreichen. Daher ist sie auch der teuerste Baum. Sie zeichnet sich durch kräftiges Grün, weiche Nadeln, eine gleichmäßige Wuchsform und lange Haltbarkeit aus.

Die Blau- oder Stech-Fichte („Picea pungens“) wurde nach ihren blau schimmernden, stark stechenden Nadeln benannt. Sie hat eine mittlere Haltbarkeit. Preislich liegt sie unter der Nordmanntanne. Ihre starken, gleichmäßigen Äste eignen sich besonders für schweren Baumschmuck und echte Kerzen.

Die Douglasie („Pseudotsuga menziesii “) hat weiche, dünne Nadeln mit intensivem Zitrus-Duft. Aufgrund ihrer dünnen, biegsamen Zweige ist sie eher für leichten Baumschmuck geeignet. Ihre Haltbarkeit ist etwa mit der der Blaufichte zu vergleichen. Der Preis liegt aber darunter.

Die Amerikanische Rotfichte („Picea rubens“) ist der preiswerteste Weihnachtsbaum, hat aber auch die geringste Haltbarkeit. Bereits nach wenigen Tagen in warmen Räumen nadelt sie. Die Edeltanne ("Abies nobilis" beziehungsweise "A. procera") kostet etwa so viel wie die Nordmanntanne. Ihre weichen, blaugrünen Nadeln duften intensiv nach Orangen und sind lange haltbar. Den Geruch kann man noch verstärken, indem man die am Stamm befindlichen Harztaschen mit einer Nadel aufsticht.

Die heimische Schwarzkiefer („Pinus nigra“) ist vor allem im Osten Deutschlands ein beliebter Weihnachtsbaum, da andere Nadelbäume auf den sandigen Böden im Nordosten des Landes schlecht gedeihen. Ihre langen, dunkelgrünen Nadeln sind im Zimmer über Wochen haltbar.

Die Weißtanne ( „Abies alba“) war als heimische Art der klassische Weihnachtsbaum. Heute sollten Verbraucher auf einen anderen Baum zurückgreifen, denn die Weißtanne steht auf der Roten Liste der bedrohten Pflanzenarten.

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erstellt am 23.Aug.2016 | 14:30 Uhr

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