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Regionales

25. Juli 2016 | 15:59 Uhr

50.000 Kronen für Rettungssanitäter : Personal-Alarm in Dänemark: Bios zückt den Geldbeutel

vom
Aus der Onlineredaktion

Dem neuen Ambulanz-Dienstleister ist es nicht annähernd gelungen, das erforderliche Personal anzuheuern. Angesichts drohender Strafen und schlechter Presse zieht der Anbieter nun die Notbremse.

Sonderburg | Seit 1. September rollen die Rettungswagen des niederländischen Unternehmens Bios über die Straßen Süddänemarks. Dem Konzern ist es aber immer noch nicht gelungen, das vertraglich vereinbarte Soll von 500 Rettern einzustellen. Nun drohen Bußgelder. Um ein Desaster zu umgehen, lockt Bios jetzt mit einem einmaligen Willkommensbonus von 50.000 Kronen (6700 Euro) pro Kopf neue Arbeitskräfte an. Auch derzeitige Bedienstete bekommen einen Bonus: Bei mehr als zwölfmonatiger Betriebszugehörigkeit sollen sie 2017 und 2018 mit 20 Prozent an einem möglichen Gewinn beteiligt werden.

Bios baut im gesamten Bereich Süddänemark ein neues Organisationssystem auf. Niederländischen Berichten zufolge will das Unternehmen auch in Deutschland und den USA expandieren.

Schon vor der Wachablösung im Spätsommer war klar geworden, dass es Sand im Getriebe geben würde. Bios hatte große Schwierigkeiten, an Personal zu kommen. Viele dänische Rettungssanitäter wollten nicht zu Bios wechseln, da sie den Arbeitsbedingungen beim „Billig-Anbieter“ misstrauten. Dieser hatten den bisherigen Monopolisten Falck in einer Ausschreibung ausgestochen. In der Konsequenz versuchte Bios, auch in Deutschland mit hohen Löhnen und angenehmen Schichtplänen Personal zu suchen. Das gelang zwar in vielen Fällen, stieß aber an sprachliche Grenzen. In Dänemark selber stockte die Rekrutierung.

Die Stimmung bei den jetzigen Mitarbeitern ist anscheinend so schlecht, dass der Aufbau des erforderlichen Personalstamms sich weiterhin als kompliziert erweist: Sie klagen über ausstehende Löhne, Personalmangel, Sonderschichten und chaotische Dienstpläne. „Ich weiß, dass viele von euch müde sind, aber ich muss euch auf Knien um Hilfe bitten“ lautete die SMS eines Dienststellenleiters an das Ambulanz-Personal, die der Öffentlichkeit im Januar einen Einblick in die Realität gab.

Für negative Schlagzeilen sorgte auch die Sprachbarriere der deutschen Gastsanitäter. Diese hätten zwar Dänischkurse besucht – doch in den Notaufnahmen in Süddänemark sei es dennoch des öfteren zu Verständnisproblemen gekommen, erzählte der Leiter der Notaufnahme im Krankenhaus von Südwestjütland in Esbjerg, Christian Jørgensen.

Bios-Chef Morten Hansen muss handeln, weiteres deutsches Personal scheint aber kein Thema. Laut dem Sender „DR Fyn“ will er mit den finanziellen Boni nun die süddänischen Retter anlocken, die sich bisher verweigert haben. Die Gewerkschaft 3F, bezeichnet die neue Intiative als „komisch und peinlich“. Das Arbeitnehmerbündnis hatte zuletzt vor allem kritisiert, dass die Dienstpläne nicht wie nach Vorschrift 30 Tage im Voraus feststünden. Stattdessen stünden Sonderschichten auf der Tagesordnung. Man selber glaube, dass der tatsächliche Personalmangel doppelt so hoch sei, wie angegeben, hieß es. Offiziellen Zahlen zufolge fehlen Bios 80 bis 90 Mitarbeiter, um die notwendige Besetzung von 550 zu erreichen.

Während die Niederländer in den ersten vier Monaten keine Bußgelder für fehlende Ambulanzen zahlen mussten, wird Bios ab 1. Januar zur Kasse gebeten. Im April muss Bios gegebenenfalls Bußgelder für das erste Quartal 2016 errichten.

 

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erstellt am 16.Feb.2016 | 12:04 Uhr

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