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Regionales

21. Januar 2017 | 05:35 Uhr

Offshore Plattformen in Dänemark : Öl aus der Nordsee: Der letzte Tropfen rinnt 2047

vom
Aus der Onlineredaktion

Es ist kein Geheimnis, dass das Öl der Erde irgendwann aufgebraucht ist. Dänemark nennt jetzt sein Datum für den blanken Hans.

Esbjerg/Kopenhagen | Erstmals hat das dänische Energieministerium eine Prognose vorgelegt, die konkret sagt, wann das Nordseeöl zuneige geht. Bisher war man von einem Jahr nach 2060 ausgegangen. Doch das Ende der fossilen Gegenwart wird nach den Angaben des Ministeriums bereits in gut 30 Jahren erreicht. 2047 werden die Öl-Vorräte vor der Westküste des Landes ausgebeutet sein, so die Studie. Gasfluss ist nur noch bis 2052 zu erwarten.

Öl aus der Nordsee war einmal eine Antwort auf die Ölkrise. Doch inzwischen ist die Förderung kompliziert und teuer – und die Vorräte gehen zuneige.

Zu Beginn des Jahrtausends hatte Förderung von Öl und Gas ihren Spitzenwert erreicht. Nach dem Ölfördermaximum ging es rasch abwärts mit den Fördermengen. Heute wird nur noch die Hälfte des Öls und ein Drittel der Gasmenge unter dem Meer hervorgeholt wie 2004. Die starke Herabstufung kommt dennoch überraschend. Grund dafür ist laut „Jydske Vestkysten“ auch, dass die Entwicklung neuer Technologien und Bohrtechniken nicht wie erwartet Erfolg hatten.

Die technischen Ressourcen seien von 100 Millionen auf 15 Millionen Kubikmeter geschrumpft, sagt Trine Fugmann, die Leiterin der Energieagentur. zweitens sei der erwartete Beitrag der sogenannten CO2-Injektion (dabei wird Kohlendioxid in die Lagerstätten gepumpt) zur Erhöhung der Förderung nicht mehr realistisch. Die Zahl der Bohrungen ist deutlich gesteigert worden, allerdings mit weniger Erfolg. „Die Menge wurde nach unten revidiert, weil uns die Bohrergebnisse klüger gemacht haben, sagt Fugmann. Dadurch habe sich auch gezeigt, dass das Potenzial für neue Explorationen neu bewertet werden müsse.

Die Situation in Deutschland

Auf Deutschlands größtem Ölfeld, der Mittelplate vor der Dithmarscher Küste, wurde das Ölfördermaximum vor einigen Jahren erreicht. Seit 2012 sinkt die jährliche Fördermenge, die 2003 noch bei über zwei Millionen Tonnen lag. 2014 lag sie bei etwa 1,3 Millionen Tonnen. Eine offizielle Prognose über das Ende gibt es bisher nicht.

 

Nicht ganz so pessimistisch ist man im Zentrum für Öl und Gas an der Technischen Universität in Kopenhagen. Der Staat hat in den letzten zehn Jahren eine Milliarde Kronen in die dortige Forschung zur Nordseeförderung investiert. Der Direktor des Zentrums, Bo Cerup-Simonsen streitet nicht ab, dass der dänische Traum vom schwarzen Gold der Nordsee 2047 zu Ende geht. Aber er glaubt daran, dass neue Technologie helfen kann, um Dänemarks Ölzeitalter zu verlängern. „Wenn man an Forschung und Innovation arbeitet, weiß man vorher nie, was erfolgreich ist. Darum sei es schwierig, einen genauen Zeitpunkt zu quantifizieren. Hoffungsvoll stimmt Cerup-Simonsen der Fortschritt bei der Technik: „Wir haben bereits einen großen Technologiesprung in der Nordsee. Zum Beispiel bei Horizontalbohrungen und Wassereinspritzungen“. Man strebe nach neuen Lösungen ähnlichen Kalibers.

Es hänge aber von vielen Entwicklungen ab, sagt Analyst Stuart Livingstone. Vieles deute auf ein Ende der Förderung in den 2040er Jahren hin. Jedoch könnten Faktoren wie der technologische Fortschritt und das Wirtschaftsklima neue Techniken rentabel machen.

Für Dänemarks Wirtschaft beginnt zwar ein neues Zeitalter, wenn es das durch die rasche Energiewende in dem Land nicht bereits hat. Der Staat hat dennoch weiterhin gut Lachen. Denn die noch verbliebene Menge Erdöl hat selbst beim jetzt niedrigen Weltmarktpreis einen Wert von gut 54 Milliarden Euro, das Erdgas würde fast 15 Milliarden Euro einbringen. Fast 55 Milliarden Euro hat das heimische Rohöl bereits in die Staatskasse gespült. Nach dem zweiten Weltkrieg war das Öl eine wichtige Stütze des Wiederaufbaus gewesen ohne die zahlreiche Errungenschaften des Sozialstaates und strukturelle Investionen wohl kaum möglich gewesen wären, sagt Anders Eldrup, der früher geschäftsführender Direktor und Staatssekretär im Finanzministerium war. Inzwischen sei Dänemark auch ohne die Ölquelle gut aufgestellt.

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erstellt am 06.Sep.2016 | 15:11 Uhr

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