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Nach Geldsegen für Kiel : Nordtarif: HVV-Ticket von Flensburg bis Göttingen rückt in Reichweite

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Aus der Onlineredaktion

Ein Vertrag über die Tarif-Union von Hamburg, SH und Niedersachsen soll noch 2017 ausgehandelt werden.

Kiel/Hamburg | Satte 470 Millionen Euro erhält Schleswig-Holstein bis einschließlich 2030 zusätzlich vom Bund. 75 Millionen Euro davon darf Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) für den anvisierten Tarifverbund und für zusätzliche Tarifangebote ausgeben. Das hat der Landtag Ende Januar beschlossen. Laut dem Beschluss soll ein Nordtarif konstruiert werden, „in dem die Besonderheiten der bestehenden Tarifsysteme aufgenommen werden“.

Angaben der Landesregierung zufolge sind in Schleswig-Holstein werktags rund 150.000 Menschen mit dem Zug unterwegs. Viele von ihnen fahren nach Hamburg und zurück. Ihr Pendler-Alltag soll vereinfacht und verbessert werden.

Die Regionalisierungsmittel aus Berlin sind Wind in den Segeln Reinhard Meyers, dessen großer Jahresplan die Tarifvereinheitlichung mit Hamburg und Niedersachsen war und ist. Noch 2017 will der Minister sein Unterfangen mit seinen Kollegen aus den Nachbarländern durchverhandelt sehen. Es erscheint realistischer denn je, mit einer praktischen Umsetzung ist frühestens 2018 zu rechnen.

Der günstigere HVV-Bereich würde im Idealfall auf drei ganze Bundesländer ausgeweitet, SH-Tarif, HVV-Tarif und Niedersachsentarif sollen laut einem Bericht des „Hamburger Abendblatt“ aber im Kern weiter existieren. Neu zu entwickelnde, übergeordnete „Tarifprodukte“ sollen das abstoßende Tarifchaos aufheben. Damit soll der ÖPNV als Alternative zum Auto gestärkt werden. Davon könnte auch Hamburg profitieren, das seinen Pendlern aus dem Umland das Leben erleichtern und die Kfz-Dichte lockern möchte.

Die Kieler Koalitionsfraktionen von SPD, Grünen und SSW sind sich jedenfalls einig, dass auf diesem Wege der ÖPNV attraktiver gestaltet werden kann. Das bestehende Tarifchaos soll aufgehoben werden. Die Kunst dabei sei, sowohl den Kundenbedürfnissen in den städtischen als auch denen in den ländlichen Regionen gerecht zu werden, heißt es in einem Protokoll des Ministerium. Ein umfassendes Gutachten, für das Kiel erstmal alleine aufkommt, soll Grundlage für die Verhandlungen über ein Tarifkonzept werden, welches „die von den Kunden noch wahrgenommenen Tarifgrenzen“ abbaut. „Das Vorgehen ist mit meinen Amtskollegen aus Hamburg und Niedersachsen, Frank Horch und Olaf Lies, abgestimmt“, zitiert das Abendblatt Meyer.

Neben der Qualitätsverbesserung hat die Küsten-Koalition auch neue Bahnlinien auf dem Plan – so etwa zwischen Wrist und Kellinghusen. Geesthacht soll an das Bahnnetz angeschlossen werden. Das seit vielen Jahren diskutierte Semesterticket für das ganze Land, papierlose Tickets und WLAN im Nahverkehr sind ebenfalls ein Teil der gegenwärtigen Zukunftsplanung im Verkehrsministerium. „Wir werden neue Haltepunkte schaffen und Schienenengpässe beseitigen, kündigte Flemming Meyer vom SSW überdies an.

Fest steht bei all den Wünschen, dass der Nordtarif ein mächtiges Wahlkampfthema für die Landtagswahlen im kommenden Mai werden wird. Die FDP unterstützt den HVV-Anschluss durchaus, stört sich aber an der Finanzierung über Sondervermögen und erwartet erstmal konkrete Details. Die CDU hingegen spricht über ihren Wirtschaftspolitiker Johannes Callsen von „Traumschlössern“ und will die zusätzlichen Mittel stattdessen dafür nutzen, den Kreis Steinburg ans HVV-Tarifgebiet anzukoppeln. Das hatte der Landtag im Juli 2016 mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Callsen und warf dem Meyer vor, „aus rein wahltaktischen Gründen wichtige Entscheidungen für den ÖPNV um Monate verschleppt“ zu haben. Auch die Piraten halten den Plan eines Tarifes von Westerland bis Göttingen angesichts der verschiedenen Interessenlagen für nicht durchführbar.

Bislang sind nur einige Gebiete im Randgebiet Schleswig-Holsteins Mitglied des günstigeren HVV-Bereichs, darunter etwa Norderstedt und Pinneberg. Der SH-Tarif umfasst bislang schon die Fahrten im Bereich des HVV. Darüber hinaus gibt es das Schleswig-Holstein-Ticket, das für einen Tag pauschales Reisen im Nahverkehr in den Ländern Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg ermöglicht und auch den HVV einschließt. Dieses außerhalb der Stoßzeiten gültige Tagesticket ist für Pendler nur selten eine Alternative.

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erstellt am 01.Feb.2017 | 14:56 Uhr

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