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Lübeck

09. Dezember 2016 | 18:36 Uhr

Willkommen im Zwergenwald!

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Rolf Kirsten (74) ist der Vater dieser vorweihnachtlichen Attraktion, die alljährlich Jung und Alt in den Bann zieht

Mehr als 130 Wichtel in 26 Häuschen: In Bad Schwartau öffnet am Montag der Zwergenwald. Er gilt als größter seiner Art in Deutschland – und er hat einen „Zwergenvater“: Rolf Kirsten (74). Der feiert mit seinen kleinen Genossen in diesem Jahr ein rundes Jubiläum. Vor 30 Jahren hat er die ersten Häuser gebaut und in die Innenstadt gestellt und damit den Weihnachtsmarkt seiner Heimatstadt begründet. Bis zum 26. Dezember wird hier nun gebacken, gemüllert, geschmiedet, gebadet.

Die Zipfelmützen sind gerichtet, Schüsselchen zurechtgerückt, Scheibenwischermotor kontrolliert. Mit denen wird für Leben in den Zwergenhäusern gesorgt, hier ein Arm, dort ein Tuch emporgezogen, da ein Werkzeug bewegt. Wie es sich für Zwerge gehört, gehen die zumeist alten Gewerken nach. Rolf Kirsten schreitet seine kleine Gemeinde ab, vor einem Haus mit der Nummer 26 bleibt er stehen, dies ist seine jüngste Kreation, ein Badehaus, in dem die Zwerge mit winzigen Tüchern ihre Blößen zu bedecken versuchen. Natürlich gelingt dies nicht ganz – und freut die Betrachter umso mehr.

Bad Schwartaus Zwergenwald ist eine Attraktion: Geboren wurde sie aus einem Mangel heraus. Vor 31 Jahren habe es keine einzige weihnachtliche Bude in der Stadt gegeben, erzählt Kirsten. Gleich nebenan in Lübeck gab es dagegen schon einiges, den Märchenwald zum Beispiel, an dem Kirsten ebenfalls mitgebaut hatte, weil ein Dekorationstischler den Auftrag dafür bekommen hatte und Kirsten, gelernter Schaufenstergestalter, eben mitmachte. Aus Freude am Gestalten, aus Spaß am Basteln. Das brachte ihn bald auf die Idee für einen Zwergenwald in seiner Heimatstadt Bad Schwartau.

„27. November 1987.“ Kirsten weiß den Tag genau, an dem die ersten sieben Zwergenhäuser in der Innenstadt standen, allesamt selbst gebaut, Mobiliar meist selbst getischlert, die Wichtel geformt aus lufttrocknender Modelliermasse, Hausrat aus Fundstücken zusammengetragen. Und jedes Jahr wurde das Dorf entweder voller oder größer.

Seit Jahren zieht das Weihnachtsdorf Besucher magisch an – und hat obendrein regelmäßig einen Überschuss aus Spendengeldern in der Kasse, die wiederum guten Zwecken zufließen. Drei Helfer hat Kirsten zur Seite, Ehrenamtler wie er. Kosten für Transport, Auf- und Abbau, Tannenbaum-Dekoration und Strom trägt die Stadt. Gebastelt hat er immer viel und gerne, sagt Kirsten und vermutet, dass dies so ist, weil er in eine Zeit geboren wurde, in der Spielzeug knapp war und aus einem Stück Baumrinde ein Boot wurde. Und apropos Boot: Später baute er dann zwei Faltboote selbst. Heute geht er seiner Leidenschaft Wassersport mit einem Zehn-Meter-Boot nach. Jetzt ist aber erst einmal Advent mit Zwergenwald. Nächstes Jahr, wenn er 75 Jahre alt wird, will Kirsten in Sachen Zwergenwald „einen Schritt zurücktreten“. Sagt er. Und meint mit „Zurücktreten“ auch nur das Organisatorische. Das Kreative nämlich will er weitermachen. Ideen hat nach wie vor genug.

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