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Lübeck

08. Dezember 2016 | 07:07 Uhr

Autofreie Stadt : Wem gehört die Altstadt? - Debatte über Verkehrsberuhigung in Lübeck

vom

Die Lübecker Altstadt ist seit Jahren verkehrsberuhigt. Trotzdem fahren dort viele Autos. Deshalb ist die Diskussion um eine „autofreie Altstadt“ neu entbrannt.

Lübeck | Vor rund 25 Jahren sorgte die Hansestadt Lübeck bundesweit für Furore, als sie den Autoverkehr aus weiten Teilen der Altstadt verbannte. Doch jetzt ist die Diskussion über die autofreie Altstadt neu entbrannt. Spätestens seit dem Hansekulturfestival im Mai, bei dem die nördliche Altstadt für ein Wochenende für den Verkehr gesperrt war, werden Forderungen laut, die Stadt dauerhaft und komplett für den motorisierten Verkehr dicht zu machen. Jetzt plant die Stadt eine Zukunftswerkstatt, bei der die Bürger mit entscheiden sollen, wie viel Verkehr es künftig in der Altstadt sein darf.

In der Zukunftswerkstatt solle es nicht nur um das Thema Verkehr, sondern auch um Wohnen, Einkaufen, Arbeiten und Kultur gehen, sagte Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) den „Lübecker Nachrichten“. Es sei aber ein Unterschied, ob man die Altstadt an einem Wochenende oder auch im Alltag sperre. Seine Pläne von der „Vision für die Altstadt 2030“, wie der Senator sie nannte, hat er in einer Bauausschuss-Sitzung angekündigt. „Details werden aber erst nach der Sommerpause vorliegen“, sagte eine Sprecherin der Hansestadt.

Zu den Befürwortern einer Verkehrsberuhigung zählt die Bürgerinitiative „Rettet Lübeck“ (BIRL). Deren rund 600 Mitglieder wohnen mehrheitlich in der Altstadt und sorgen sich um die historische Bausubstanz. „Uns geht es darum, die Stadt durch weniger Verkehr attraktiv zu machen“, sagte Manfred Finke, einer der Sprecher der Initiative BIRL. Dazu müssten vor allem der Schwerlastverkehr und auch die Linienbusse raus aus der Altstadt, denn die Erschütterungen durch Lastwagen und Busse gefährdeten die Gebäude. 

Auf der rund 100 Hektar großen Altstadtinsel wohnen nach Angaben der Stadt knapp 14.000 Menschen. Doch gibt es dort nach Zahlen der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck auch rund 1600 kammerzugehörige Betriebe. „Die Altstadt hat viele Funktionen. Sie ist eben nicht nur Wohn-, sondern auch Arbeitsort, viele Menschen gehen hier zum Arzt, zur Schule oder ins Kino“, sagte die Geschäftsführerin des Lübeck Managements, Olivia Kempke. Das müsse ein Verkehrskonzept für die Innenstadt berücksichtigen.

Bereits heute gelten auf der Altstadtinsel zahlreiche Verkehrsbeschränkungen. Viele Straßen dürfen nur von Anwohnern und Fahrzeugen mit Ausnahmegenehmigung befahren werden, in anderen ist zu bestimmten Zeiten Lieferverkehr erlaubt. Die Zufahrten zu den fünf Parkhäusern im Zentrum sind als Schleifen geführt um Durchgangsverkehr zu verhindern.  „Es wäre schon viel gewonnen, wenn diese Regeln eingehalten würden, denn dann hätten wir ja faktisch eine verkehrsberuhigte Altstadt“, sagte Rüdiger Schacht, Bereichsleiter Standortpolitik der IHK Lübeck.

Auch die Geschäftsführerin des Handelsverbandes Nord, Monika Dürrer, warnt vor zu viel Verkehrsberuhigung. „Eine autofreie Stadt ist eine tote Stadt. Lübeck ist im Mittelalter gerade deshalb entstanden, weil hier Leben herrschte.“ Die Parteien in der Lübecker Bürgerschaft stehen dem Thema Verkehrsberuhigung nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber. 

So regen die Partei-Piraten an, statt der großen Linienbusse kleinere Elektrobusse in die Innenstadt pendeln zu lassen. Die CDU kann sich eine zeitweise Sperrung der Altstadt für Autos vorstellen, zum Beispiel an den Wochenenden oder in der Vorweihnachtszeit.  Das Lübeck Management, das Einzelhändler und Gewerbetreibende auch der Innenstadt vertritt, warnt vor langen Diskussionen und Entscheidungen am Grünen Tisch. Kempke sagte: „Man sollte einfach mal verschiedene Modelle ausprobieren und dann die Erfahrungen auswerten.“

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erstellt am 02.Aug.2016 | 07:12 Uhr

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