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Lübeck

25. August 2016 | 08:11 Uhr

10.000 Euro für Hinweise auf Brandanschlag : Torsten Albig: Anschlag in Lübeck ist „feige und widerlich“

vom

In der Nacht zu Montag bemerkt eine Anwohnerin Feuer auf einer Baustelle für ein Asylbewerberheim. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund liegt nahe. Für Hinweise werden 10.000 Euro Belohnung ausgesetzt.

Lübeck | Als feige und widerlich hat Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) den Brandanschlag auf eine im Bau befindliche Asylbewerberunterkunft in Lübeck verurteilt. Niemand solle sagen, es sei nur ein Gebäude gewesen, sagte der SPD-Politiker im Schleswig-Holstein Magazin des NDR-Fernsehens am Montagabend. „Es ist ein Gebäude, in dem Menschen Zuflucht finden sollen, die vor Verbrechern auf der Flucht sind, die vor Verfolgung auf der Flucht sind, Angst um ihr Leben haben“, sagte Albig. „Und jetzt gibt es wieder auch bei uns welche, die feige sind, die rassistisch sind.“

In der Solmitzstraße im Stadtteil Kücknitz baut eine städtische Wohnungsgesellschaft derzeit eine aus acht Doppelhäusern bestehende Unterkunft für rund 120 Flüchtlinge. Hier sollen Menschen einziehen, die bereits einen Asylantrag gestellt haben und der Kommune vom Land zugewiesen werden. Die Stadt rechnet damit, dass sie in diesem Jahr bis zu 2000 Flüchtlinge aufnehmen muss.

Bei dem Anschlag am Montagmorgen war niemand verletzt worden. Um 4.12 Uhr hatte  eine Rentnerin im benachbarten Seniorenwohnheim den Feuerschein bemerkt. „Es hat eine Brandlegung an zwei Stellen gegeben“, sagt Ralf-Peter Anders, Sprecher der Lübecker Staatsanwaltschaft. Zu Details macht er keine Angaben, will zunächst die Analyse der Brandexperten abwarten. Die Flammen konnte die Feuerwehr innerhalb von Minuten löschen, der Schaden durch verrußte Wände und Decken beträgt nur 1000 Euro.

Fakt ist: Um auf das Gelände zu gelangen, hatten die Täter ein Element des festgeschraubten Bauzauns abmontiert. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus, zumal ausländerfeindliche Parolen in der Nähe gefunden wurden. Die Staatsanwaltschaft hat eine Belohnung von 10.000 Euro ausgelobt, eine Sonderermittlungsgruppe kümmert sich um den Fall.

In der Nachbarschaft gibt es offenbar Ressentiments gegen das Projekt. „Ich habe so was kommen sehen“, sagt ein Rentner, der seinen Namen nicht nennen will. Aus den nahen Seniorenwohnungen seien die ersten Mieter bereits ausgezogen – Flucht vor den Flüchtlingen. „No Asyl“ hat jemand mehrfach auf das große Bauschild geschrieben. Diese Schmierereien sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft bereits älter. Unklar ist, ob das auch für die Aufkleber der NPD gilt – oder ob sie in der Tatnacht am Bauzaun und einer Laterne angebracht wurden. „Kein Asylantenheim gegen den Willen der Anwohner“, heißt es darauf. Der NPD Kreisverband Lübeck/Ostholstein bietet die Aufkleber seit zehn Tagen auf seiner Internetseite an.

Matthias Rasch, Chef der städtischen Grundstücksgesellschaft „Trave“, hat der Anschlag überrascht: „Wir haben alles getan, um die Anwohner ausführlich über das Vorhaben zu informieren.“ In Kücknitz gebe es bereits Unterkünfte für Flüchtlinge – ohne Probleme. „Wir werden jetzt in Abstimmung mit der Polizei über eine dauerhafte Bewachung der Baustelle entscheiden“, so Rasch.

Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) und Politiker der Landtagsparteien reagierten entsetzt auf den Anschlag im Lübecker Stadtteil Kücknitz. Er hoffe auf eine gleichbleibende große Zustimmung und Solidarität mit der beabsichtigten Gemeinschaftsunterkunft im Stadtteil, sagte Saxe. Einen Zusammenhang mit der Entscheidung der Bürgerschaft gegen eine Erstaufnahmeeinrichtung im Bornkamp schloss er aus.

Sie sei entsetzt, sagte die Pröpstin des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Lübeck, Petra Kallies. „Die Lübecker Bevölkerung sollte sich klar und deutlich hörbar dazu bekennen, dass Flüchtlinge in unserer Stadt willkommen sind und wir ihnen Schutz gewähren“, forderte sie.

Der Sprecher der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Burkhard Peters, forderte eine rasche und konsequente Aufklärung der Tat. „Die Hinweise auf einen rechtsextremen Hintergrund müssen ernst genommen werden. Zumal sich die Anzeichen für rechtsextreme Aktivitäten in der Region und eine Vernetzung über die Landesgrenzen hinweg jüngst verdichteten“, sagte er.

Das Staatsschutzkommissariat der Bezirkskriminalinspektion Lübeck hat die Ermittlungen übernommen. Es gebe noch keine Spur zu möglichen Tätern, sagte der für Staatsschutzdelikte zuständige Sprecher der Lübecker Staatsanwaltschaft, Ralf-Peter Anders.

Hinweise nehmen die Ermittler unter der Rufnummer 0451-1310 entgegen.

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erstellt am 30.Jun.2015 | 09:37 Uhr

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