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Lübeck

04. Dezember 2016 | 03:00 Uhr

Stadt: Votum für die Linden ist Votum gegen Umgestaltung

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Umgestaltung der Straße „An der Untertrave“ zur Flaniermeile oder sichtbarer Bezug auf die große Zeit als Hafenstadt?

Die Hansestadt will die Straße „An der Untertrave“ von Holstenstraße bis zur Drehbrücke zu einer Flaniermeile umgestalten nach dem Vorbild „An der Obertrave“. Das Vorhaben könnte jetzt aber scheitern. Knackpunkt: 48 Winterlinden, die gefällt und durch japanische Perlschnurbäume ersetzt werden sollen (wir berichteten).

„Ein Votum für Linden ist ein Votum gegen die Umgestaltung Untertrave“, heißt es aus dem Rathaus. Die Stadt reagiert damit auf ein angestrebtes Bürgerbegehren und den damit drohenden Verlust der Fördergelder. Der Fachbereich „Planen und Bauen“ hatte jüngst die Initiative „Lübecks Linden leben lassen“ zum Gespräch gebeten: „Im Ergebnis gab es keine Annäherung bis auf ein Entgegenkommen der Verwaltung bei Auswahl einer heimischen Baumart anstelle des Schnurbaumes. Es wurde eine Gesprächsvertagung vereinbart, mit dem Ziel Kompromisse auszuloten“, so Lübecks Bausenator Franz Peter Boden (SPD).

Mit Unverständnis nehme die Verwaltung daher zur Kenntnis, „dass von Seiten der Initiative das Bürgerbegehren gestartet wird. Die Hansestadt bedauert dies umso mehr, da soeben die erfreuliche Mitteilung aus Kiel eingetroffen ist, dass EFRE- Mittel in vollem Umfang in Höhe von sechs Millionen Euro bewilligt wurden“. Die Verwaltung hoffe, so Senator Boden, dass jedem Bürger bewusst ist, „dass mit Votum zum Erhalt der Bestandslinde gleichzeitig das Votum gegen die geförderte Umgestaltung der Untertrave abgegeben wird.“ Eine Attraktivierung des Straßenzuges rücke damit aufgrund der knappen Haushaltslage der Hansestadt Lübeck in unerreichbare Ferne.

Rückendeckung bekommt die Initiative „Lübecks Linden leben lassen“ unterdessen von der in Lübeck seit Jahrzehnten aktiv erfolgreichen Birl (Bürgerinitiative Rettet Lübeck e.V.). Die Sprecher der Birl sind der Ansicht, „dass die Planung in der Zielvorstellung mittlerweile mehr als veraltet und geeignet ist, die letzten Lübeck-Spezifika verschwinden zu lassen. Die Vision einer mit Platten aus chinesischem Granit hergestellten Flaniermeile am einstigen Hafen stellt keinen Beitrag zur Verbesserung des Lübecker Stadtbilds dar“.

Die Sprecher der Birl betonen: „Es gibt keinen zwingenden Grund gibt, die in den frühen Nachkriegsjahren zwischen Holstentor und Drehbrücke angepflanzten Linden wegzunehmen. Ebensowenig halten wir es für sinnvoll, erneut Bäume zu pflanzen, nach unerfindlichem Ratschluss ausgerechnet japanische Schnurbäume, eine für den Ort und die Region untypische Spezies“.

Die Birl regt an, die vorhandene „baumfreie“ Situation zwischen Drehbrücke und Hubbrücke einer Überprüfung der Planung zugrunde zu legen, „mit der Maßgabe, zumindest in diesem Abschnitt so wenig wie möglich zu ändern“. Man möge sich bewusst werden, dass „Hafen“ und „Flaniermeilen-Begrünung“ Tatbestände sind, die sich eigentlich gegenseitig ausschließen.

Die Birl-Sprecher möchten indes „die zugesagte finanzielle Förderung mit Bundes- beziehungsweise Landesmitteln durch überzogen erscheinende, wenn auch begründete Forderungen nicht gefährden“. Das Vorhaben ließe sich auch abspecken:

Die in der Nachkriegszeit gepflanzten Linden seien für viele Lübecker ein Stück Heimat. Und das bedeute jetzt:

> Erhalt der Linden,

>Abbruch der niedrigen Ziegelmauer,

> Erweiterung der Promenade in den Straßenraum Untertrave hinein.

Die Sprecher der Bürgerinitiative Rettet Lübeck: „Das Flächige, Ausgebreitete des einstigen Hafenrands (auf dem einst Schuppen standen) sollte durch möglichst wenig Möblierung gestört werden. Verzicht auf modische, dem Hafenrand nicht zustehende Designer-Gebärden. Für die Oberflächen bietet sich die alte Lübecker Gehweg-Diagonalpflasterung aus quadratischen Platten an, hergestellt aus Beton mit groben Naturstein-Zuschlägen, Oberfläche geschliffen. Das in Resten noch vorhandene Pflaster kann aufgenommen, neu verlegt und um neues Material ergänzt werden.“




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