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Lübeck

05. Dezember 2016 | 05:26 Uhr

Landgericht Lübeck : Mord an Ehemann in Kabelhorst: Lebenslange Haft für Ehefrau gefordert

vom

Im Beisein ihrer Kinder soll eine Frau ihren Mann mit einem Messer getötet haben - weil er sie fortlaufend gedemütigt habe.

Lübeck | Im Prozess um den Mord an einem Familienvater in Kabelhorst im Kreis Ostholstein hat die Staatsanwaltschaft am Montag lebenslange Haft für die angeklagte Ehefrau gefordert. Nach dem Ergebnis der Obduktion habe das Opfer geschlafen, als die Angeklagte auf es eingestochen habe, sagte Oberstaatsanwältin Ulla Hingst in ihrem Plädoyer. Dadurch sei das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt.

Der Mord in Kabelhorst sorgte landesweit für Schlagzeilen. Die Frau hatte erst angegeben, Unbekannte seien in ihr Haus eingedrungen. Doch dann geriet sie selbst in den Fokus der Ermittler.

Die Verteidigung wertete die Tat dagegen als Totschlag in einem minderschweren Fall und forderte eine milde Strafe. Das Paar hatte erst 2010 geheiratet und war 2011 in den kleinen Ort Kabelhorst in der Nähe der Ostsee gezogen. Das Urteil soll am 17. August verkündet werden.

 

Der Tatort in Kabelhorst.

Der Tatort in Kabelhorst.

Foto: Eckard Gehm
 

Ein Rückblick auf die Ereignisse:

22. Oktober 2015

Ein Familienvater liegt am Donnerstagmorgen tot in seinem Haus. Die Obduktion ergibt, dass das Opfer aufgrund multipler Stichverletzungen verblutet ist. Später berichtet eine Nachbarin: „Um 6.30 Uhr klingelte seine Ehefrau bei mir, schrie und weinte.“ Immer wieder habe sie gerufen: „Mein Mann ist tot, mein Mann ist tot!“ Und aus dem rot geklinkerten Haus des Paares sei zu hören gewesen, wie die beiden Söhne, drei und fünf Jahre alt, nach Mama und Papa schrien. Die Nachbarin bricht bei der Erinnerung daran in Tränen aus. „Bevor ich den Notruf wählen konnte, kam auch schon der Rettungswagen.“ Nach Polizeiangaben rief die Ehefrau die Rettungskräfte. Sie wird zunächst mit einem schweren Schock ins Krankenhaus nach Oldenburg gebracht und behandelt.

In Kabelhorst ist die Erschütterung an jeder Ecke spürbar. Der Getötete war bei allen beliebt. Als Jean Claude T. (58) vor ein paar Jahren aus Afrika kam und das Häuschen in Kabelhorst kaufte, haben die Menschen in der ostholsteinischen Provinz den dunkelhäutigen Mann sofort ins Herz geschlossen. Das Opfer stammt aus dem westafrikanischen Benin, war aber deutscher Staatsbürger. Er arbeitete in der Küche des Gosch-Hotels im nahen Grömitz. Von 9 bis 22.30 Uhr, wie die Kabelhorster erzählen.

23. Oktober 2015

Einen Tag nach dem gewaltsamen Tod des Familienvaters gibt es erste Tatverdächtige. Es sei aber noch niemand festgenommen worden, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft LübeckUlla Hingst. Nähere Angaben machte sie nicht, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Sie betonte: „Hinweise auf eine fremdenfeindliche Tat liegen nicht vor.“

27. Oktober 2015

Fünf Tage nach dem Mord erlässt das Amtsgericht Lübeck Haftbefehl gegen die Ehefrau.Sie stehe in dringendem Verdacht, ihren Ehemann im Schlaf erstochen zu haben, sagt der Pressesprecher der Lübecker StaatsanwaltschaftRalf-Peter Anders. Das ergebe sich unter anderem aus den Spuren am Tatort. Angaben zu einem möglichen Tatmotiv macht er nicht.

„Auffällig war unter anderem, dass es keinerlei Einbruchspuren am Haus gab“, sagte Anders. Auch die widersprüchlichen Aussagen der Frau hätten den Verdacht bestärkt, dass sie ihren Mann getötet habe. „Die Tatsache, dass das Opfer im Schlaf erstochen wurde, erfüllt den Tatbestand der Heimtücke. Deshalb hat die Staatsanwaltschaft Haftbefehl wegen Mordes beantragt.“

26. April 2016

Mit einem Geständnis der Angeklagten hat Ende April in Lübeck der Prozess um das Familiendrama begonnen. Die Angeklagte sagte, sie habe ihren Ehemann mit 14 Messerstichen getötet, weil dieser sie seit Jahren gedemütigt und erniedrigt habe, hieß es in einer von ihrem Anwalt verlesenen Erklärung. Seine Mandantin habe auch berichtet, dass ihr Mann Hexerei und Voodoo-Zauber praktiziert habe, sagte er. Die Angeklagte habe keinen anderen Weg gesehen, um ihr Martyrium zu beenden.

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erstellt am 08.Aug.2016 | 13:49 Uhr

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