zur Navigation springen

Lübeck

04. Dezember 2016 | 19:28 Uhr

Linden von Flaniermeile bedroht

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

„An der Untertrave“ soll schöner werden / Ein Aktionsbündnis will für Erhalt von 48 Linden am Traveufer kämpfen

Die Absicht ist lange bekannt und eigentlich unstrittig: Die Hansestadt Lübeck will die Straße „An der Untertrave“ von Holstenstraße bis zur Drehbrücke zur Flaniermeile umgestalten. Es wird weniger Platz für Autos, dafür mehr Raum für Radfahrer und Fußgänger geben. Doch die Pläne zur Umsetzung rufen Protest hervor: Im Herbst sollen 48 Winterlinden gefällt und durch japanische Perlschnurbäume ersetzt werden. Ein Aktionsbündnis hat mehr als 5000 Unterschriften gesammelt und plant ein Bürgerbegehren zum Erhalt der Linden. Das könnte den Umbau zu Fall bringen, weil durch die Verzögerung Fördermittel des Bundes vermutlich verfallen würden.

„Viele Bürger sind empört, dass die intakten Bäume gefällt und durch nicht heimische Bäume ersetzt werden sollen“, sagte die Grünen-Abgeordnete in der Lübecker Bürgerschaft und Sprecherin des Aktionsbündnisses „Lübecks Linden leben lassen“, Katja Mentz. Die Stadt begründet die Fällung der 50 Jahre alten Bäume mit einem Gutachten, wonach das Wachstum der Bäume stagniere und deren Lebensdauer vermutlich nur noch zehn Jahre betrage. Außerdem werde die Standfestigkeit der Bäume nach Aussagen des Gutachters durch die Bauarbeiten zusätzlich gefährdet, teilte die Hansestadt Lübeck mit.

Das wollen die Lindenliebhaber so nicht gelten lassen. „Wir haben einen unabhängigen Baumexperten zurate gezogen. Der ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Bäume tatsächlich ein eingeschränktes Wachstum und einige auch vertrocknete Spitzen haben. Eine komplette Abholzung hält er aber für nicht gerechtfertigt“, sagte Mentz. Sie kritisiert, dass die Pläne für die Umgestaltung zwar schon lange in der Schublade lägen, die Abholzung der Linden aber erst im April dieses Jahres bekannt geworden sei.

Ein Bürgerbegehren könnte die gesamte Umgestaltung ins Wanken bringen. Denn die Bauarbeiten müssen bis 2018 abgeschlossen sein, damit die Stadt in den Genuss von Fördermitteln des Bundes in Höhe von 3,4 Millionen Euro aus dem Programm „Nationale Projekte des Städtebaus 2015“ kommt. Damit dieser Termin gehalten werden kann, muss mit den Bauarbeiten und dem Fällen der Bäume im September begonnen werden. Nach Angaben der Hansestadt Lübeck soll die Umgestaltung des rund 800 Meter langen Straßenabschnittes von der Holstenstraße bis zur Drehbrücke insgesamt 15,6 Millionen Euro kosten.

Hinter dem Aktionsbündnis stehen vor allem die links-alternative GAL-Fraktion in der Lübecker Bürgerschaft, aber auch die Grünen und verschiedene Umweltverbände. SPD und CDU dagegen lehnen das Bürgerbegehren ab. „In einem langen Verfahren, an dem auch die Bürger beteiligt wurden, haben wir beschlossen, dass wir die Untertrave mit Fördermitteln des Bundes umgestalten wollen. Ich halte es für wenig zielführend, jetzt ein Bürgerbegehren zu starten, weil einigen Leuten die Ersatzbäume nicht gefallen“, so CDU-Fraktionsvorsitzender Andreas Zander. Die Mitglieder des Aktionsbündnisses wollen jetzt noch einmal mit Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) sprechen. Wenn das nichts bringe, werde das Bürgerbegehren gestartet, sagte Mentz. Rund 9000 Unterschriften wahlberechtigter Lübecker müssen sie dafür sammeln.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen